Dienstag, 2. September 2014

16. Januar 2012 17:27 Uhr

Chemie

BASF zieht mit Pflanzen-Gentechnik in die USA

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF gibt den europäischen Markt für Pflanzenbiotechnologie weitgehend auf.

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Paukenschlag aus Ludwigshafen: BASF verlegt die Zentrale seiner Tochter für grüne Gentechnik in die USA. Begründet wird das mit der fehlenden Akzeptanz in Europa. Foto: Ronald Wittek dpa

Weil das große Geld vor allem jenseits des Atlantiks erwartet wird, verlegt das Unternehmen den Sitz seines Tochterunternehmens für die sogenannte grüne Gentechnik von Limburgerhof bei Ludwigshafen in die USA. In weiten Teilen Europas fehle noch immer die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker für die Pflanzenbiotechnologie, teilte der Konzern am Montag mit. BASF war vor allem wegen der Gen-Kartoffel «Amflora» immer wieder in die Kritik geraten. Von der Entscheidung betroffen sind rund 200 Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Die Bundesregierung wollte den Schritt nicht kommentieren. Es handele sich um eine unternehmerische Entscheidung, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Auch das Verbraucherministerium wollte keine Stellung nehmen. Für die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) ist die geplante Verlegung das Ergebnis des mangelnden Erfolgs von Gentechnik-Produkten. Die Verbraucher in Deutschland und Europa lehnten genmanipulierte Lebens- und Futtermittel ab.

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Greenpeace-Biologe Dirk Zimmermann nannte die Entscheidung konsequent. «Es gibt aus gutem Grund keine Chancen für die Gentechnik in Europa.» Die Verbraucher lehnten die Produkte ab und für die Landwirte berge die Haftungsfrage große Risiken. Zudem könne es wegen der Gefahr einer Vermischung kein Nebeneinander von gentechnischer und herkömmlicher Landwirtschaft geben. «Wir wollen nicht, dass diese Pflanzen auf die Äcker kommen, weil sie nicht beherrschbar sind.» Auch der Erzeugerverband Bioland in Mainz begrüßte den Umzug. Dies zeige, dass der massive Widerstand eine Wirkung habe, sagte Sprecher Gerald Wehde.

Dagegen prangerte der rheinland-pfälzische FDP-Chef Volker Wissing die «Fortschrittsfeindlichkeit der Grünen» an. Es gingen hoch qualifizierte Arbeitsplätze und Zukunftsinvestitionen verloren.

Neuer Standort der BASF Plant Science wird das Forschungszentrum Research Triangle Park nahe Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina. Die Konzerntochter hat nach eigenen Angaben weltweit rund 840 Mitarbeiter, 157 davon in Limburgerhof (Rheinland-Pfalz) und 57 in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). In Limburgerhof sollen es künftig nur noch elf sein, Gatersleben wird neben dem Standort im schwedischen Svalöv mit zurzeit sechs Mitarbeitern geschlossen. Der Großteil dieser Stellen wird nach Konzernangaben an andere Standorte verlegt - vor allem nach Raleigh, aber auch nach Berlin und ins belgische Gent. Insgesamt sollen binnen zwei Jahren 78 Stellen in Europa abgebaut werden.

«Es findet kein «Amflora»-Anbau mehr in Deutschland statt», sagte BASF-Vorstand Stefan Marcinowski. Es werde aber wohl noch den ein oder anderen Freilandversuch im Rahmen laufender Verfahren geben. Er verwies auf die Rahmenbedingungen in Europa, die sich verschlechtert hätten. «Ich habe keine Hoffnung auf einen schnellen Meinungswandel.»

Der BASF-Manager sprach von «einer Reihe kleiner Schnüre», die das Handeln eingeschränkt hätten. Dazu zählten unter anderem politische Entwicklungen. So seien die in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gewählten Landesregierungen mit einer klaren Ansage zu dieser Technologie angetreten. Aber auch unter Kartoffelzüchtern gebe es große Widerstände. Zudem hatte etwa das Bundesverfassungsgericht der Gentechnik in der Landwirtschaft enge Grenzen gesetzt.

BASF will sich nun auf die attraktiven Märkte in Nord- und Südamerika sowie die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren. Auch Konkurrent Bayer sieht in Nord- und Südamerika die Wachstumszentren für Gentechnik-Produkte. Ein Bayer-Sprecher sagte aber auch: «Wir sind zuversichtlich, dass der Nutzen der Technologie nach und nach auch von der Öffentlichkeit in Europa anerkannt wird.» (dpa)

BASF-Mitteilung

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