Die führenden Zentralbanken der Welt wollen Banken mit zusätzlichen Dollars ausstatten. Die Notwendigkeit dafür resultiert aus der Euro-Schuldenkrise.

Vor allem europäische Kreditinstitute können derzeit kaum noch Geld in den USA leihen. Denn die dortigen Geschäftsparnter, vor allem US-Fonds fürchten, dass die europäischen Institute aufgrund der Euro-Schuldenkrise Probleme kriegen könnten.
Um die Liquidität der Banken zu gewährleisten, können sie sie nun in den folgenden drei Monaten bis Ende des Jahres bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einem festen Zinssatz mit Geld versorgen. Das teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. Sie habe die Entscheidung mit Absprache der Zentralbanken aus Großbritannien, Japan, USA und der Schweiz getroffen.
Die Börsen kletterten nach der Ankündigung deutlich nach oben. Der deutsche Leitindex Dax legte am Nachmittag an der Frankfurter Börse um rund drei Prozent auf knapp 5500 Punkte zu. Am deutlichsten kletterten dabei die Werte der Banken nach oben. Der Kurs der Deutschen Bank steigerte sich um zwischenzeitlich 11,9 Prozent, der Kurs der Commerzbank ging einstweilen um neun Prozent nach oben. Der französische Leitindex CAC-40 ging am Handelsplatz in Paris um 3,3 Prozent nach oben. Die Banken Credit Agricole und Société Générale gewannen dabei um mehr als sechs Prozent. Der Kurs der größten Bank des Landes, BNP Paribas, stieg sogar um mehr als zwölf Prozent. In London stieg der Leitindex FTSE-100 derweil um 2,6 Prozent. Der Dow Jones in New York arbeitete sich nach Handelsstart um knapp ein Prozent nach oben.
Bereits im August hatte die EZB ein Institut mit Dollars ausgestattet. Er war das erste Mal seit Februar, dass die Zentralbank dieses geldpolitische Instrument anwenden musste.
Erst am Montag hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet betont, die Zentralbanken seien dazu bereit, in Schwierigkeiten geratenen Banken Geld bereitzustellen. Erst am Mittwoch bewilligte die EZB eine Zahlung von 575 Millionen Dollar an zwei Banken der Euro-Zone. Zuvor waren am 17. August 500 Millionen Dollar an ein Institut gegangen. afp
Doch die Prognosen für die wirtschaftliche Zukunft Europas sind zunehmend düster. So rechnet die Europäische Kommission damit, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte «gedämpft bleiben und zum Jahresende dann nahezu zum Erliegen kommen» wird, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturausblick. In Frankfurt forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Europa müsse «den Weg der Schuldenunion verlassen» und auf den nicht einfachen «Weg hin zu einer dauerhaften Stabilitätsunion einschwenken». Das gehe jedoch nicht mit «einmaligen Pauken- und Befreiungsschlägen», sondern «nur in einen kontrollierten Prozess aufeinanderfolgender Schritte», sagte sie bei der Eröffnung der Automesse IAA. Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen gesenkt. Vor allem für das kommende Jahr sehen sie Deutschland am Rande der Rezession. Allerdings soll es gegen Ende 2012 wieder aufwärtsgehen. Als Begründung für den Konjunkturknick werden übereinstimmend die Schuldenkrise, schwächelnde Exporte und die Turbulenzen auf den Finanzmärkten genannt.
Allerdings halten führende deutsche Ökonomen einen Staatsbankrott Griechenlands für immer wahrscheinlicher. «Wenn die Rettungspakete nicht ins Uferlose wachsen sollen, führt an einem kräftigen Schuldenschnitt kein Weg vorbei», zitierte die «Süddeutsche Zeitung» aus einer Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Um die Pleite ohne den Schuldenerlass doch noch abzuwenden, müsse das Land in den nächsten Jahren Überschüsse auf «historisch und im Ländervergleich bislang unerreichtem Niveau» erwirtschaften. Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, geht davon aus, dass sich das marode Athen kaum selbst aus seiner Lage befreien kann. «Griechenland braucht Hilfe», sagte Keitel der Wochenzeitung «Die Zeit». dapd/afp
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