Sonntag, 26. März 2017

26. November 2008 11:45 Uhr

Kostenfallen im Internet

Downloadportale wollen abzocken

Seit rund drei Jahren zocken dubiose Geschäftsleute auf simple Weise massenhaft Verbraucher im Internet ab. Dabei beginnt deren Masche häufig mit einer harmlosen Suchanfrage im Internet. Von Sascha Borowski Von Sascha Borowski,

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Von Sascha Borowski, Augsburg

Ein Test auf einer bunten Internet-Site oder die Möglichkeit ein Shareware-Programm gratis herunterzuladen. So beginnt häufig die Masche, auf die immer mehr Internet-Nutzer in vergangener Zeit hereingefallen sind.

Denn wer das damit verbundene Anmeldeformular ausfüllt, den erwartet in vielen Fällen unverhofft eine vermeintliche Zahlungspflicht. Seit drei Jahren zocken dubiose Geschäftsleute auf diese Weise massenhaft Verbraucher im Internet ab.

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Besonders viele Menschen fielen in den vergangenen Wochen auf die Dienste mega-downloads.net und opendownload.de herein. Die Betreiber der beiden Seiten arbeiten auch äußerst perfide: Sie buchen Werbung in Suchmaschinen wie google.de.

Sobald dort jemand nach kostenlosen Programmen wie Open Office, Irfanview oder Flash Player sucht, werden direkt über dem Suchergebnis Links zu den Seiten mega-downloads.net oder opendownload.de angezeigt. Und so schnappt die Falle zu. Wer dort landet und sich anmeldet, weil er die kostenlosen Programme haben möchte, bekommt wenig später die hohe Rechnung ins Haus.

Ob nachbarschaftpost.com, mega-downloads.net, dein-führerschein.com oder berufs-wahl.de: Verbraucherschützer haben mehrere Hundert Internetseiten ausgemacht, mit denen dubiose Geschäftsleute auf Opferjagd gehen. Die Namen der Seiten wechseln dabei täglich, ebenso die Namen der Briefkastenfirmen, hinter denen sich die Täter verstecken. Nur der Trick ist immer gleich: Besucher sollen sich anmelden, um irgendwelche Dienste nutzen zu können. Dass diese etwas kosten sollen, wird im Kleingedruckten oder in den AGB versteckt.

Wer sich wehrt, bekommt zu spüren, was Verbraucherschützer "Inkasso-Stalking" nennen: Die dubiosen Firmen bauen eine üble Drohkulisse auf. In ihren Rechnungen und Mahnungen ist von angeblich anstehenden Schufa-Einträgen die Rede, von Strafanzeigen, von einer IP-Adresse, die als Beweis für einen Vertragsschluss diene - was völliger Unfug ist. Und es geht sogar noch krasser: "Bitte stellen Sie sich darauf ein, dass mehrere Inkasso-Mitarbeiter Sie in den späten Abendstunden persönlich konsultieren werden", drohte eine Firma kürzlich Zahlungsunwilligen an.

Die harschen Drohungen, die oft auch von Anwälten und Inkassofirmen kommen, haben einen Grund: Vor Gericht ziehen wollen die Drahtzieher nicht, weil sie Klagen mit größter Wahrscheinlichkeit verlieren würden. Deshalb drohen sie in der Hoffnung, dass sich viele Menschen einschüchtern lassen und bezahlen. Erschreckend oft gelingt das auch. Experten schätzen, dass zwischen zehn und 30 Prozent der Empfänger die höchst fragwürdigen Rechnungen begleichen.

"Wir raten Betroffenen, die den Preis bei der Anmeldung nicht gesehen haben, die Rechnung nicht zu bezahlen und sich einmal per Einschreiben an den Anbieter zu wenden", sagt dagegen Thomas Bradler vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Gleichzeitig gehen die Verbraucherschützer selbst in die Offensive. Sie mahnen die Anbieter dubioser Kostenfallen im Internet ab, verklagen sie auch. So etwa die Betreiber der Seite opendownload.de. Die bekamen vom vzbv schon drei Abmahnungen - ohne Ergebnis. "Die Abgabe einer Unterlassungserklärung wurde jeweils verweigert, sodass wir wohl Klage einreichen werden", sagt Bradler.

Am effektivsten gegen die Abzocke - da sind sich Verbraucherschützer einig - sind aber aufgeklärte Verbraucher. Je mehr Menschen die Zahlung der Kostenfallen verweigern, umso weniger lohnt sich das Geschäft mit den Kostenfallen - und dubiosen Schicksalstests.

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Ein Artikel von
Sascha Borowski

Augsburger Allgemeine
Ressort: Online-Redaktion


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