Freitag, 24. Mai 2013

27. Dezember 2010 19:20 Uhr

Kein System für die Verwertung

Energiesparlampen: 90 Prozent landen im Hausmüll

90 Prozent aller Energiesparlampen landen im Hausmüll. Das Problem: Ein System für die Verwertung des Problemabfalls fehlt. Von Sonja Krell

Auch diese Energiesparlampen haben irgendwann ausgedient. Dann müssen die Leuchtmittel allerdings im Problemmüll entsorgt werden. Eine Regelung, die der Großteil der Bürger derzeit nicht befolgt. Foto: fotolia
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Augsburg Die Zeichnung auf der Verpackung ist eindeutig: eine durchgestrichene Mülltonne. Energiesparlampen gehören, anders als Glühbirnen, nicht in den Hausmüll. Schließlich enthalten sie, ebenso wie Leuchtstoffröhren, kleine Mengen Quecksilber. Nur wenn die Leuchten im Problemmüll landen, kann das giftige Schwermetall wiederverwertet werden, ohne die Umwelt zu belasten.

Die Realität aber sieht anders aus: In Deutschland landen ausgediente Energiesparlampen überwiegend im Hausmüll. Wie die Deutsche Umwelthilfe zuletzt ermittelt hat, werden in privaten Haushalten nur zehn Prozent der Leuchtmittel umweltgerecht entsorgt. Experten glauben, dass ein Teil der Bürger gar nicht weiß, dass die Lampen auf den Wertstoffhof gehören. "Man kann aber auch nicht erwarten, dass Verbraucher für eine einzelne Lampe bis zum nächsten Recyclinghof fahren", meint Martin Ittershagen vom Umweltbundesamt.

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Die Behörde hatte jüngst einen Beleg für die Quecksilber-Belastung in Energiesparlampen erbracht. Zerbricht eine Energiesparlampe, wird demnach Quecksilber in einer Konzentration frei, die bis zum 20-fachen über dem erlaubten Grenzwert liegt. Wie berichtet, versuchen nun einzelne Politiker im Europäischen Parlament, das Glühbirnenverbot zu kippen. Eine Forderung, die auch Verbraucherschützer unterstützen.

"Energiesparlampen müssen besser und sicherer werden. Und die Entsorgung muss bequemer geregelt werden", sagt Ittershagen. Das Problem: Anders als etwa bei Batterien existiert kein flächendeckendes Rücknahmesystem im Handel. Für die Sammlung der Leuchtmittel sind nach Elektro-Altgerätegesetz die Kommunen zuständig. Für Verbraucher gilt: Energiesparlampen müssen, ebenso wie ein kaputter Toaster, bei den Wertstoffhöfen abgegeben werden. Die Rückgabe ist kostenlos. Im Stadtgebiet Augsburg stehen etwa sechs Sammelstellen für Elektroschrott zur Verfügung.

Ein System, das für Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, wenig praktikabel ist: Die Wege zu den Sammelstellen seien zu weit, die Öffnungszeiten - oft nur ein Vormittag pro Woche - "schikanös". Um die Sammelquoten anzuheben, fordert die Deutsche Umwelthilfe eine gesetzlich verordnete Rücknahmepflicht für den Handel. So sollen Verbraucher in jedem Geschäft, in dem sie neue Energiesparlampen kaufen, auch die alten bequem entsorgen können. Einige Händler haben bereits reagiert und nehmen Altlampen freiwillig zurück. "Auch die Hersteller würden eine solche Regelung begrüßen", ist Markus Hertel vom Umweltinstitut Bifa in Augsburg überzeugt.

Beim Leuchten-Riesen Osram, der in Augsburg Energiesparlampen fertigt, verweist man auf Lightcycle, einen Zusammenschluss führender Hersteller. 2006 wurde das Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um bundesweit die Rücknahme von Energiesparlampen zu organisieren. Unter lichtzeichen.de können sich Verbraucher über Sammelstellen informieren.

Hertel glaubt, dass sich die Sammelquoten auf den Wertstoffhöfen deutlich steigern lassen. "Da gibt es noch Potenzial." Die Diskussion um die Quecksilber-Belastung schade der Energiesparlampe allerdings zu Unrecht. Schon aus Gründen der Energieersparnis gebe es derzeit keine Alternative. "Der Rückgang zur Glühbirne ist jedenfalls nicht der richtige Weg. Das hat allenfalls mit Nostalgie zu tun." Von Sonja Krell

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