Sonntag, 24. September 2017

02. Mai 2017 07:55 Uhr

Handel

Enge Beziehung: Was Frankreich für die Region bedeutet

Die Präsidentenwahl ist wichtig für die Wirtschaft in der Region. Die Beziehungen zu Frankreich sind eng: Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für bayerische Unternehmen.

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Nicht nur Airbus Helicopters in Donauwörth hat Beziehungen zu Frankreich. Viele Betriebe in der Region arbeiten mit dem Nachbarland zusammen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Unterschiedlicher könnten die beiden Kandidaten kaum sein. Sollte Emmanuel Macron am Sonntag französischer Präsident werden, stünde ein Europäer an der Spitze Frankreichs. Er sprach sich immer wieder für den Freihandel in der EU aus. Im Kontrast dazu steht die rechtspopulistische Marine Le Pen. Dass sie als Totengräberin der EU bezeichnet wird, empfindet sie als Kompliment. Sie fordert strenge Grenzkontrollen und eine klar national ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Sogar mit dem Gedanken an einen Austritt aus der Eurozone hatte sie lange gespielt.

630 schwäbische Firmen haben Geschäftsbeziehungen zu Frankreich

In Zeiten voranschreitender Globalisierung könnte von solchen Plänen auch die heimische Wirtschaft betroffen sein. Rund 630 schwäbische Firmen stehen regelmäßig in Geschäftsbeziehungen zu Frankreich. Etwa 300 davon sind Handwerksbetriebe. Über 170 der schwäbischen Firmen haben eigene Niederlassungen im Nachbarland. Seit mehr als 50 Jahren pflegt das schwäbische Handwerk enge Partnerschaften zu Handwerkskammern in Frankreich. „Herzstück ist der Lehrlingsaustausch, der regelmäßig stattfindet“, sagt Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben. Axel Sir, Außenwirtschaftsexperte der Industire- und Handelskammer für Schwaben, sagt: „Die Handelsbeziehungen zwischen Schwaben und Frankreich sind eng und traditionell.“ Das gelte für alle Wirtschaftszweige, besonders aber für die Branchen Maschinenbau, Automatisierungstechnik, Automobilzulieferung, Flugzeugbau, Lebensmittelindustrie sowie Infrastruktur, IT und Logistik.

In Schwaben finden sich etliche Unternehmen mit französischen Wurzeln. Ein Beispiel ist der französische Automobilzulieferer Faurecia. Adrienne Hattingen, Sprecherin des Unternehmens, sagt: „Die Zusammenarbeit unserer Firma ist von einem stetigen Austausch mit Kollegen aus aller Welt geprägt.“ Der Zulieferer entwickelt und fertigt in Augsburg Abgasanlagen für Autos. Insgesamt sind dort rund 1400 Mitarbeiter aus 40 Nationen beschäftigt – darunter einige Franzosen. Valeo, mit seiner Niederlassung in Wemding, ist ebenfalls in der Automobilbranche tätig und einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Donau-Ries. Der Elektrogroßhändler Sonepar mit Hauptsitz in Paris beschäftigt an seinem Standort in Langweid rund 250 Mitarbeiter. Der Hubschrauberhersteller Airbus Helicopters bietet rund 6800 Angestellten in Donauwörth einen Arbeitsplatz.

Frankreich ist einer der wichtigsten Absatzmärkte Bayerns

Mit einem Exportvolumen von mehr als 12,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist Frankreich einer der wichtigsten Absatzmärkte für Bayern. Gleichzeitig importiert der Freistaat für rund 6,5 Milliarden Euro jährlich Güter aus dem Land – rund vier Prozent aller Einfuhren. Bertram Brossardt, Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), sagt: „Frankreich ist unser wichtigster europäischer Partner.“ Insbesondere nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU sei der Zusammenhalt zwischen Deutschland und Frankreich von Bedeutung: „Stabile Beziehungen sind die Basis für einen starken EU-Binnenmarkt.“

Immerhin 21 Prozent der Stimmen erhielt Le Pen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl. IHK-Außenwirtschaftsexperte Axel Sir deutet das als Signal für die Notwendigkeit von Reformen: „Europa, das verbinden viele mit Bürokratie und Vorschriften.“ Und tatsächlich seien die Geschäfte mit Frankreich oft mit bürokratischen Hürden versehen.

IHK-Experte: Wahlsieg Macrons wäre eine Erleichterung

Möchte eine deutsche Firma beispielsweise einen Stand auf einer französischen Messe betreiben, müssen zunächst alle dort tätigen Mitarbeiter angemeldet werden. „Dazu muss man etliche Formulare auf Französisch ausfüllen“, sagt er. Außerdem brauche es einen französischen Bürgen, der für die deutsche Firma haftet. Sir sagt: „Die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Frankreichs wird entscheidend davon abhängen, ob dem kommenden Präsidenten Reformen gelingen.“ Aus seiner Sicht ließe ein Wahlsieg von Macron viele Unternehmer in der Region aufatmen. „Die Firmen verdienen mehr als jeden zweiten Euro im Auslandsgeschäft – und das bevorzugt in den Nachbarmärkten“, sagt er.

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Ein Artikel von
Philipp Kinne

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontär



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