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09. Februar 2012 15:09 Uhr

Einigung in letzter Sekunde

Entlassung und weniger Mindestlohn: Griechenland stimmt drastischen Einsparungen zu

Die griechische Koalitionsregierung hat ein neues Sparpaket beschlossen. Den Griechen wird jetzt einiges abverlangt. Manche Partei ruft zum Aufstand auf.

Das neue Sparpaket ist drastisch. Enorme Kürzungen der Mindestlöhne, weniger Arbeitslosengeld und die Entlassung von tausenden Staatsbediensteten, damit müssen die Griechen in der nächsten Zeit rechnen. Auf die Griechen kommt ein neues hartes Sparprogramm zu.

Stimmung der Griechen schwankt zwischen Verzweiflung und Wut

In einem nächtlichen Verhandlungsmarathon einigte sich Ministerpräsident Lucas Papademos mit den Vorsitzenden der Parteien, die seine Regierung unterstützen, auf weitere Einschnitte. In der Bevölkerung, die schon mehrere Sparrunden hinter sich hat, wurde die Nachricht nicht gut aufgefasst. Die Stimmung der Griechen schwankt zwischen Verzweiflung und Wut.

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«Wir, immer wir müssen zahlen», sagt Ilias Zissimatos, ein 78 Jahre alter Rentner am Donnerstag. Der frühere Maurer bekommt 480 Euro Rente. Davon zahlt er 230 Euro Miete. Jetzt soll er 15 Euro monatlich weniger bekommen. «Um unseren Staat zu retten. Das sagen die Geldgeber - na genial», sagt er sarkastisch. Die Kommunistische Partei (KKE) ruft bereits zum Aufstand auf. Andere marxistische und linksgerichtete Parteien und Organisationen wollen die Regierung stürzen. Die Gewerkschaften planen weitere Streiks.

Allein dieses Jahr müssen die Griechen 3,1 Milliarden Euro sparen

Bis 2015 müssen die Griechen 14 Milliarden Euro sparen, allein dieses Jahr sollen es 3,1 Milliarden Euro sein. Andernfalls bekommt das vor dem Bankrott stehende Land kein Geld mehr von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). 13 Stunden dauerte der Verhandlungspoker zwischen griechischen Spitzenpolitikern sowie den Vertretern der «Troika» aus EU, IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB). «Nächtlicher Thriller im Athener Regierungsgebäude», titelte die konservative Athener Zeitung «Kathimerini» am Donnerstag.

Denn fast wären die Gespräche in der Nacht zum Donnerstag gescheitert. Der Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, bestand darauf, die Zusatzrenten unangetastet zu lassen. «Ich kann es nicht zulassen» sagte er im Fernsehen. Er habe «hart für die Menschen verhandelt», die sehr litten. Es geht um Einsparungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro.

Fünf Stunden lang wurde über das Sparpaket verhandelt

Mitten in der Nacht musste Ministerpräsident Papademos neue Gespräche mit der «Troika» aufnehmen. Die Zeit drängte, denn Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker hatte für Donnerstagabend eine Sitzung der Euro-Finanzminister einberufen, um über Griechenland zu beraten. Fünf Stunden lang wurde gefeilscht und gepokert. Doch die «Troika»-Leute blieben hart. Sie räumten den Griechen lediglich eine neue zweiwöchige Frist ein, um eine Lösung für die 300 Millionen Euro zu finden.

Die Szimmung wird in Griechenland immer schlechter. Mittlerweile gibt es in dem Land nur noch wenige, die an eine Rettung glauben. «Die Rettungsweste ist voll Löcher», schrieb die größte griechischen Zeitung «Ta Nea». Nur eines scheint derzeit sicher: Athen steht in den kommenden Wochen vor einer Herkules-Aufgabe.

Die Griechen verarmen und verzweifeln immer mehr

Das Land, das in einer tiefen Rezession steckt, muss noch härter sparen. Die Sparpakete nagen and er Existenz der Menschen, sie verarmen und verzweifeln immer mehr. «Und die Verzweiflung ist kein guter Ratgeber», sagt der Arzt Giorgos Tagaris. Vater Stelios, der Probst einer Kirche, sieht die Chance auf Rettung nur noch weit oben: «Ich kann nur noch beten, dass wir daraus heil herauskommen.» dpa

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