Dienstag, 21. Oktober 2014

04. Mai 2012 16:07 Uhr

Computer

Facebook wagt 12-Milliarden-Dollar-Börsengang

Facebook steuert auf einen Börsengang der Superlative zu. Bis zu 11,8 Milliarden Dollar (9 Mrd Euro) können auf das Konto des Unternehmens und in die Taschen der bisherigen Anteilseigner fließen.

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Facebook will laut einem Zeitungsbericht mit einer Bewertung von 85 bis 95 Milliarden Dollar an die Börse gehen. Foto: Stephan Jansen / Archiv dpa

Auch Gründer Mark Zuckerberg wird Kasse machen - und dennoch das Ruder weiterhin fest in der Hand halten. Der Wert des gesamten Unternehmens könnte 96 Milliarden Dollar erreichen. Es ist der mit Abstand größte Börsengang einer Internetfirma.

Ursprünglich hatte Facebook Einnahmen von 5 Milliarden Dollar angepeilt, Beobachter hatten mit einer Aufstockung auf 10 Milliarden Dollar gerechnet. Doch die Zahlen, die Facebook am späten Donnerstag in seinem aktualisierten Börsenprospekt veröffentlichte, toppten alle Erwartungen.

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Die einzelne Facebook-Aktie soll zwischen 28 und 35 Dollar kosten. Der genaue Preis wird festgelegt kurz bevor der Handel mit den Wertpapieren an der US-Technologiebörse Nasdaq beginnt. Das wird vermutlich Mitte Mai sein.

Etwas mehr als die Hälfte der Einnahmen fließen dem Unternehmen zu. Den Rest streichen die Alteigentümer ein, die sich von einem Teil ihrer Anteile trennen. Zuckerberg selbst verkauft 30 Millionen seiner insgesamt knapp 534 Millionen Aktien und könnte damit gut 1 Milliarde Dollar einnehmen. Damit will er fällige Steuern begleichen.

Trotz des Börsengangs wird der 27-Jährige seine Firma weiter fest im Griff behalten: Er besitzt «Super-Aktien» mit zehnmal mehr Stimmrechten als diejenigen Wertpapiere, die beim Börsengang angeboten werden. Sein verbleibender Anteil könnte auf dem Papier anfangs annähernd 18 Milliarden Dollar schwer sein. Die dominierenden Stimmrechte machen den wahren Wert von Zuckerbergs Aktien jedoch schwer messbar. Er kontrolliert am Ende 57 Prozent aller Stimmrechte.

In einem ersten Schritt wechseln gut 337 Millionen Aktien den Besitzer. Wenn die Nachfrage hoch genug ist, können die am Börsengang beteiligten Banken ihre sogenannte Mehrzuteilungsoption auf den Markt schmeißen. Das ist eine Art «Reserve» von weiteren rund 51 Millionen Aktien. Damit stiegen die Gesamteinnahmen auf bis zu 13,6 Milliarden Dollar.

Die Gesamtzahl der Facebook-Aktien weist das Börsenprospekt mit 2,14 Milliarden aus. Damit würde das Soziale Netzwerk im besten Fall auf einen Wert von rund 75 Milliarden Dollar kommen. Selbst zum günstigeren Aktienkurs wären es noch etwa 60 Milliarden Dollar.

Allerdings rechnete die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg vor, dass durch Optionen oder Aktien, die im Zusammenhang mit dem Kauf des Bilderdienstes Instagram ausgegeben werden, am Ende 2,74 Milliarden Anteilsscheine im Umlauf sein dürften. Das triebe den Gesamtwert von Facebook auf bis zu 96 Milliarden Dollar hoch.

Zum Vergleich: Google nahm bei seinem Börsendebüt im Jahr 2004 rund 1,7 Milliarden Dollar ein und kam auf eine Bewertung von 23 Milliarden Dollar. Heute ist der Suchmaschinen-Primus rund 200 Milliarden Dollar schwer. Facebook würde aktuell aber zum Beispiel den weltgrößten Computerhersteller Hewlett-Packard (48 Milliarden Dollar) oder auch den weltgrößten Autobauer General Motors (35 Milliarden Dollar) vom Wert her locker übertreffen.

Facebook hatte die langwierige Prozedur des Börsengangs Anfang Februar offiziell begonnen. Das «Wall Street Journal» hatte vor einigen Tagen bereits den 18. Mai als wahrscheinlichen Termin für die Aktienplatzierung genannt.

Allerdings kann sich an den Einzelheiten noch einiges ändern. Zuerst einmal geht das Management um Gründer Mark Zuckerberg auf die sogenannte «Roadshow», um Investoren die Aktien schmackhaft zu machen. Danach steht auch fest, wie gefragt die Anteilsscheine wirklich sind. Facebook kann dann einen endgültigen Ausgabekurs festlegen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist alles möglich - auch, dass das Unternehmen den Börsengang in letzter Minute absagt.

Das weltgrößte Online-Netzwerk mit rund 900 Millionen Nutzern gilt als künftiger Börsenstar. Zwischenzeitlich war sogar über einen Gesamtwert von mehr als 100 Milliarden Dollar spekuliert worden. Zuletzt zeichnete sich allerdings eine Verlangsamung des Wachstumstempos ab. Zudem fraßen hohe Marketing- und Entwicklungskosten den Gewinn auf.

Inwiefern Privatinvestoren Aktien kaufen können, ist noch nicht klar. 20 bis 25 Prozent der Anteilsscheine könnten über Online- Wertpapierhändler wie TD Ameritrade oder E*Trade verkauft werden, die sich an Privatleute richten, schrieb die «New York Times». Diese Plattformen richten sich aber an US-Investoren, deutsche Kleinanleger dürften es somit zunächst schwer haben, an Aktien zu kommen.

Als eines von insgesamt 33 Häusern mischt die Deutsche Bank beim Börsengang mit. Wie viele Aktien sie erhält, ist aber unklar. Spätestens, wenn die Anteilsscheine vermutlich ab Mitte Mai frei an der Börse gehandelt werden, kann jedoch jedermann zuschlagen. Die Frage ist nur, wie teuer dann der Einstieg beim weltgrößten Online-Netzwerk wird. (dpa)

Aktualisierter Börsenprospekt

Bericht im «Wall Street Journal»

Bericht NYT

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