Mittwoch, 22. Mai 2013

13. Mai 2011 07:30 Uhr

Führungsetage

Frauen stellen Machtfrage bei BMW

Juristinnen fordern die Einführung einer Quote für den Autobauer

Dass die beiden Frauen mit den Hornbrillen etwas vorhaben, deutet sich vor Beginn der Hauptversammlung des BMW-Konzerns an. Sie laufen in der Nähe des Podiums in der Münchner Olympiahalle hektisch hin und her, finden den Tisch für Wortmeldungen und vermitteln den Eindruck, etwas ungeübt im Provokationsgeschäft des kritischen Aktionärs zu sein.

Einmal im Jahr haben die Anleger die Chance, sich bei solchen Treffen Gehör zu verschaffen. Vorstände und Aufsichtsräte müssen ihre Fragen beantworten. Petra Heinicke und Mechtild Düsing machen davon am Donnerstag Gebrauch. Die Anwältinnen vertreten den Deutschen Juristinnenbund. Auf Düsings Visitenkarte steht die Mission der Damen: „Projekt Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen.“ BMW ist ein optimales Objekt für einen derart ambitionierten Auftrag, schließlich besteht der siebenköpfige Vorstand nur aus Männern. Im 20 Mitglieder umfassenden Aufsichtsrat sitzen drei Frauen, darunter die Großaktionärin Susanne Klatten und Prof. Renate Köcher, Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach.

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Die Frauen versuchen es mit dem Daimler-Vergleich

Mechtild Düsing, Notarin und Rechtsanwältin, beginnt die Machtprobe mit einem Bekenntnis, als wolle sie die Herren auf dem Podium zunächst mit Charme für ihre Sache einnehmen: „Ich finde BMW sexy und fahre gerne BMW.“ Die schlanke Frau mit den langen Haaren und roten Slipper-Schuhen probiert es noch ein paar PS emotionaler: „Auch wir Frauen sind stolz auf BMW.“ Jetzt blickt sie vom Rednerpult keck in die Augen der aufgereiht sitzenden Vorstände: „Wir Frauen müssen uns fragen, ob wir uns nicht einen Mercedes kaufen sollen, sitzt doch im Vorstand des Daimler-Konzerns eine Frau.“ Vor Gericht würde man von einem Punktsieg sprechen. Mechtild Düsing lächelt – nicht triumphierend, sondern ein wenig verlegen.

In dem Moment lässt sich erahnen, warum die Financial Times das Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ als „grandiose Kampagne“ eingestuft hat. Mechtild Düsing glaubt gar, ihre emanzipatorischen Gespräche mit Daimler-Chef Dieter Zetsche stünden mit der Berufung der früheren Verfassungsrichterin und hessischen Ministerin Christine Hohmann-Dennhardt in die Beletage des Konzerns in Zusammenhang. Die Vertreterin des Deutschen Juristinnenbundes geht nun noch intensiver auf die BMW-Männerrunde ein. „Herr Krüger, der Personalvorstand, wo sitzen Sie?“ Die Kämpferin für eine Frauenquote hält dem Manager vor, sich genau gegen eine derartige zwingende Vorgabe zu sträuben.

Superlative besänftigen die Anwältinnen nicht

Harald Krüger darf nichts sagen. Die Fragen werden später gesammelt beantwortet. Er verschränkt die Arme vor dem Oberkörper, was Psychologen als abwehrende Geste deuten. Andere Vorstände stützen das Kinn mit einer zur Faust geballten Hand ab oder legen den Kopf etwas schief. BMW-Chef Norbert Reithofer indes wirkt gelassen. Sein meist Wohlwollen ausstrahlender Blick bleibt unverändert. Er hat Aktionären und Beschäftigten mit einer nicht enden wollenden Liste von Rekorden (1,30 Euro Dividende je Stammaktie, 7490 Euro Bonus für die meisten Tarif-Mitarbeiter) ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Mit dergleichen Superlativen, wie auch der zuletzt erzielten Rendite von 11,9 Prozent, lassen sich die Anwältinnen nicht besänftigen. „Sie sind gar nicht so böswillig, meine Herren! Männer suchen eben vor allem Männer als Nachwuchs aus“, fühlt sich Mechtild Düsing in das andere Geschlecht ein, um aber dank dieses Befunds mehr Frauen für die BMW-Spitzengremien zu fordern. Ihre Mitkämpferin Petra Heinicke versucht es wiederum mit der Daimler-Keule. Wenn BMW auch eine Frau in den Vorstand berufe, ließe sich mit Joan Baez singen, Gott möge einem doch einen BMW und eben keinen Mercedes-Benz kaufen. Abgesehen davon, dass Gott Überlieferungen zufolge andere Prioritäten haben soll, stammt das Lied von Janis Joplin. Die BMW-Männer übergehen galant die falsche Zuordnung des Titels und weisen darauf hin, der Anteil der Frauen an der gesamten Belegschaft liege bei 13,2 Prozent, im Aufsichtsrat jedoch bei 15 Prozent. Mechtild Düsing und Petra Heinicke werden wohl nächstes Jahr wieder kommen.

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