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13. April 2010 11:05 Uhr

Interview mit Max Otte

Griechenland muss raus aus dem Euro

Sorgenkind Griechenland: Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich der Finanzexperte Max Otte zu einem möglichen Bankrott Griechenlands und fordert einen Austritt der Südländer aus dem Euro.

Finanzexperte Max Otte äußert sich zu Griechenland.
Foto: ALFA

Die EU will im Notfall 30 Milliarden Euro für ein zahlungsunfähiges Griechenland zahlen. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich der Finanzexperte Max Otte zu einem möglichen Bankrott Griechenlands und fordert einen Austritt der Südländer aus dem Euro.

Herr Otte, die EU will Griechenland im Notfall mit 30 Milliarden Euro helfen. Ist das der richtige Schritt?

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Otte: Die jetzige Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche ist richtig. Es hätte aber mit den Mogeleien in Griechenland nie soweit kommen dürfen. Es war richtig, dass die EU keine Pauschalbürgschaft gegeben hat. Das hätte nur das Tor für weitere Misswirtschaft geöffnet. Außerdem war es intelligent, den Internationalen Währungsfonds (IWF) mit hineinzunehmen. Das passt.

Was ist die Aufgabe des IWF?

Otte: Der IWF hat Übung mit der Dritten Welt und in dieser Hinsicht ist Griechenland jetzt Dritte Welt. Der IWF geht in das Land, schaut sich die Wirtschaft an, legt Bedingungen fest und knüpft die Zahlungen daran.

Wäre die Hilfsaktion ohne den IWF durch die EU überhaupt legal?

Otte: Die Hilfsaktion ist verfassungswidrig. Im EU-Vertrag steht eindeutig, dass Staaten nicht füreinander einstehen dürfen. Aber die Politiker hätten es wie immer gemacht und die Verträge ignoriert. Mit dem IWF hat man jetzt ein Deckmäntelchen darüber gelegt.

Heiligt der Zweck die Mittel oder würde die Hilfe den Bankrott verzögern?

Otte: Es ist richtig, es zu probieren, ob die 30 Milliarden reichen, steht noch infrage.

Eine Pleite Griechenlands käme für Sie also nicht infrage?

Otte: Natürlich hätte man Griechenland in die Insolvenz rauschen lassen können. Die Erfahrung zeigt auch, dass selbst dann das Leben weiter geht. Der Staat könnte neu starten, 75 Prozent der Auslandsschulden wären weggewischt gewesen. Die Pleite ist auch noch nicht ausgeschlossen, vielleicht braucht es eine zweite Runde von Hilfen.

Was würde ein Bankrott Griechenlands für den Euro bedeuten?

Otte: Letztlich würde er zur Gesundung des Euro beitragen. Die Staaten müssten wieder solidere Politik machen.

Rücken Sie damit von Ihrer These ab, dass Griechenland aus dem Euro muss?

Otte: Nein, das wäre die beste Variante. Wenn die Griechen aus dem Euro wären, hätten sie finanz- und währungspolitisch wieder mehr Bewegungsspielraum.

Aber man will doch Euro-Land retten und nicht zerschlagen?

Otte: Natürlich, aber ob Griechenland und Portugal den Euro haben oder nicht, hat mit der Gemeinschaft nichts zu tun. Die Märkte würden auch ohne den Euro zusammenwachsen. Der trägt nur marginal dazu bei.

Welche Länder sollten außerdem noch aus dem Euro austreten?

Otte: Spanien, Portugal, Italien und Irland.

Dann bliebe aber nicht mehr viel übrig, was wäre die Alternative?

Otte: Ein Euroraum aus Dänemark, Deutschland, Österreich, den Beneluxstaaten und eventuell Frankreich. Ich habe schon 1998 gesagt, dass der Euro in zehn Jahren wirkliche Probleme bekommen wird - damit stand ich nicht allein.

Wie kamen Sie zu dieser Prognose?

Otte: Es war damals eine falsche Politik, man hat den Euro erzwungen. Es war der politische Wunsch der Südländer, das deutsche Wirtschaftspotenzial anzuzapfen. Kohl hat es gemacht, um die Wiedervereinigung zu erkaufen.

Aber profitiert nicht gerade der deutsche Export vom Euroraum?

Otte: Klar, das hat zwei Seiten, aber zu welchem Preis? Jetzt müssen wir zahlen und es bauen sich neue Probleme auf. Es wäre besser, den Griechen ihre Drachme zurückzugeben. Die können sie dann wieder entwerten und könnten besser exportieren. Das ginge dann zwar gegen uns, aber zahlen müssen wir ohnehin.

Durch den Euro bekommen die Südländer aber günstige Kredite.

Otte: Auch das war ein Fehler. Die haben sie sich nicht verdient und sind schlecht damit umgegangen. Es gab einen Immobilienboom. All das zeigt, dass die Wirtschaften nicht zusammenpassen.

Was wäre der Vorteil, wenn die Südländer aus dem Euro gingen?

Otte: Es wäre für alle gut. Die Länder könnten ihre Währungs- und Wirtschaftspolitik selbst gestalten und den anderen nicht mehr so viel vorwerfen. Politisch und wirtschaftlich wäre es die stabilste Lösung.

Ist nach Griechenland vor Portugal?

Otte: Warten wir ab, es könnte ein heilsamer Schock gewesen sein. Portugal fängt jetzt schon zu sparen an.

Spanien sitzt auf einer Immobilienblase von bis zu 500 Milliarden Euro. Droht eine Kettenreaktion?

Otte: In Spanien und Irland ist die Lage dramatisch. Ich weiß auch nicht, wie das gut gehen soll. Am Ende wird es wieder die Kleinen und vor allem das Bürgertum treffen. Viele Mittelständler werden in relative Armut absteigen.

Was können die Staaten tun?

Otte: Die Inflation wäre eine Möglichkeit. Darauf hoffe ich sogar, auch wenn es unschön ist, weil viele arm werden. Die Alternative Deflation wäre noch schlimmer.

Wenn Griechenland fällt, fällt die Südschiene, fällt der Euro, fällt das Finanzsystem?

Otte: Nein, das hat man auch bei der Lehman-Pleite gesagt. Man hätte gerne noch ein paar mehr Banken pleitegehen lassen können. Es wäre ein heilsamer Schock gewesen.

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