Im Airbus 380 sind Risse entdeckt worden. Fluggäste sollen nicht in Gefahr sein, heißt es Von Stephanie Sartor

Augsburg Wie geplant startete die „Frankfurt“, eine A380-Maschine der Lufthansa, gestern Abend in die kalte deutsche Winternacht auf ihrem Weg nach Südafrika. „Bei uns läuft der Betrieb normal weiter“, sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Von einer Pannenserie des Airbus-Flaggschiffs will Lamberty nicht sprechen.
Die australische Fluggesellschaft Qantas dürfte da anderer Meinung sein. Denn bislang hatte die Airline kein Glück mit ihrer A380-Flotte: Im November 2011 musste einer der Riesenjets notlanden, weil ein Triebwerk explodiert war. Gestern zog die Airline dann einen der A380-Flieger aus dem Verkehr, weil Technikern Risse – zwei Zentimeter lang und fein wie ein Haar – an den Tragflächen aufgefallen waren. Auch an anderen Flugzeugen waren diese Risse gefunden worden. Nun hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) eine Überprüfung aller A380 angeordnet, die weltweit im Einsatz sind, insgesamt 68 Maschinen.
Damit hat die EASA eine Anordnung vom Januar verschärft. Denn bereits Anfang des Jahres waren an mehreren A380-Maschinen Haarrisse entdeckt worden, allerdings andere als an der Qantas Maschine. „Wenn der Mangel nicht entdeckt und behoben wird, kann er möglicherweise die Stabilität des Flugzeugs beeinträchtigen“, hatte die Aufsichtsbehörde damals mitgeteilt.
Ursprünglich war geplant, nur diejenigen Flieger durchzuchecken, die mehr als 1300 Starts und Landungen hinter sich haben. Nun müssen alle Flieger überprüft werden. Die Airlines haben bis zu sechs Wochen Zeit, ihre A380-Flieger kontrollieren zu lassen. Maschinen mit 1384 oder mehr Flugstunden müssen innerhalb von drei Wochen zur Inspektion; Flieger mit weniger Flugstunden innerhalb von sechs Wochen. „Da unser ältestes A380-Flugzeug erst 900 Flüge hinter sich hat, haben wir noch Spielraum bis zur Prüfung“, sagt Lufthansa-Sprecher Lamberty. Insgesamt verfügt Lufthansa über acht A380-Maschinen, die in den nächsten Wochen die Sicherheitschecks durchlaufen.
Ursache sind Material- und Fertigungsfehler
Die gestern aus dem Flugbetrieb gezogene Qantas-Maschine soll nach Reparaturen nächste Woche wieder eingesetzt werden, teilte die Airline am Mittwoch mit. Das Problem wurde bei einer Untersuchung der Maschine entdeckt, die nach schweren Turbulenzen über Indien in Singapur gelandet war. Airbus habe daraufhin zusätzliche Untersuchungen empfohlen, berichtet Qantas. „Die Risse hatten aber nichts mit den Turbulenzen zu tun“, sagt eine Sprecherin der Fluggesellschaft. Es handle sich um ein Fertigungsproblem. Das bestätigt auch Airbus. Nach Ansicht des Flugzeugherstellers stellten die Risse kein Sicherheitsrisiko dar. Man habe bereits eine Lösung gefunden, die Risse zu reparieren, heißt es.
Ein Teil des Großraumflugzeugs A380 wird übrigens von Premium Aerotec hergestellt. Die Firma hat ihre Zentrale in Augsburg und fertigt Teile des Rumpfes, des Fußbodens und der Landeklappen für die A380-Modelle wie etwa die „Frankfurt“ der Lufthansa, die bald zur Inspektion muss.
Heute aber bleibt der Gigant noch in der Luft. Am Abend startet der Riese seinen Rückflug aus dem südafrikanischen Johannesburg ins kalte Deutschland. (mit dpa/afp)
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