Mittwoch, 22. Mai 2013

09. Mai 2012 09:00 Uhr

Lastwagen-Produktion

Iveco: Das absehbare Aus der Ulmer Laster

Der letzte Akt des Strukturwandels trifft Iveco und die traditionsreiche Ulmer Busindustrie. Doch die 670 von der Entlassung bedrohten Iveco-Mitarbeiter haben ein Fünkchen Hoffnung.

Die „Bullen von Magirus-Deutz“ sind tot, es lebe der Brandschutz. An Tag eins nach Bekanntwerden der Schließung der traditionsreichen Lastwagenproduktion im Ulmer Donautal glimmt zumindest für einige der bis zu 670 in der Produktion von Entlassung bedrohten Iveco-Mitarbeiter ein Fünkchen Hoffnung: „Der Brandschutz könnte expandieren und die stillgelegten Bänder nutzen“, sagte gestern Unternehmenssprecher Manfred Kuchlmayr.

Perspektiven in der Schwesterfirma

Denn während die Lastwagenproduktion in Ulm bei etwa 35 Prozent Auslastung steht, würde die Brandschutzsparte mit ihren 420 Beschäftigten Überstunden machen. Von daher möchte Kuchlmayr nicht bestätigen, dass alle 670 Mitarbeiter der Brummiproduktion ihren Job verlieren, es gebe durchaus Perspektiven für einige Mitarbeiter in der Schwesterfirma. Allerdings könne er auch nicht behaupten, dass der Jobabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auskomme.

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Wie berichtet, wird der Iveco-Laster des Typs „Stralis“ künftig komplett in Madrid produziert. Bereits im Laufe des kommenden Jahres werden wohl die Lichter im Ulmer Werk im Donautal ausgehen. Der Betriebsrat um seinen Vorsitzenden Bernhard Maurer und die Gewerkschaft IG Metall haben in den vergangenen Wochen zusammen mit Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner „fieberhaft“ daran gearbeitet, mit der Führung von Fiat Industrial in konstruktive Gespräche über ein Zukunftskonzept für Iveco Magirus Ulm einzutreten. Sogar ein schriftliches Memorandum für den Standort Ulm wurde verfasst. Letztlich vergeblich.

Auch die Busfabrik in Neu-Ulm verliert Arbeitsplätze

Bernhard Maurer ist krisenerprobt und spricht von einer „dramatischen Situation des Iveco-Standortes Ulm“ nach mehr als drei Jahren Unterauslastung. Die Lastwagen-Produktion kennt seit drei Jahren nur eine Richtung: abwärts. Iveco musste auch in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2012 Federn lassen: Der Auftragseingang ging allein in Europa um 15 Prozent zurück. So geht es der IG Metall und der Gewerkschaft nicht mehr ernsthaft um die Rettung des Werks, sondern darum, „möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“.

In einer Stärkung von Entwicklungsaktivitäten sieht Maurer insbesondere eine Chance des traditionsreichen Standorts. Das Zentrum für Forschung und Entwicklung in Ulm sowie der Test-Bereich sollen wie berichtet als ein „Kernelement der Ingenieursleistung von Iveco“ erhalten werden. Eine Ingenieursleistung in Sachen Fahrzeugbau, die einst zusammen mit dem Know-how der Kollegen der Busfabrik Kässbohrer das Rückgrat der Industrie der Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm bildete.

Auch Daimler verlagert die Produktion

Lang, lang ist’s her. Der Strukturwandel und nachfolgende Krisen dämpften Iveco in Ulm seit 1975 von über 12.000 Beschäftigten in der Produktion auf jetzt weit unter 1000 ein. Bei den Kässbohrer Fahrzeugwerken arbeiteten zu Hochzeiten über 6000 Menschen, jetzt – längst unter dem Dach des Weltkonzerns Daimler – sind es noch 3750. Tendenz fallend. Der letzte Akt des regionalen Strukturwandels setzt aktuell auch der Daimler-Busfabrik in Neu-Ulm zu: Um die 500 Stellen sollen hier wie berichtet in nächster Zeit „sozialverträglich“ abgebaut werden, weil in der Türkei billiger produziert werden kann.

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Iveco | Ulm/Neu-Ulm

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Oliver Helmstädter

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