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08. Februar 2012 15:03 Uhr

Hygiene-Skandal

Müller-Brot: Sind die Lebensmittelkontrolleure überfordert?

Im Rahmen des Hygiene-Skandals von Müller-Brot wird deutlich: Lebensmittelkontrolleure müssen sich um enorm viele Betriebe kümmern. Ist die Politik schuld?

Der Hygiene-Skandal von Müller-Brot zieht immer weitere Kreise. Während die Politiker die Lebensmittelaufsicht massiv kritisieren, sind sie offensichtlich gleichzeitig für zu laxe Besichtigungen verantwortlich. Wegen einer neuer Regelung sind manche Kontrolleure alleine für 900 Betriebe zuständig.

Von einer schwierigen Personalsituation spricht Michael Förtsch. Er ist Vorsitzender des Landesverbandes der Lebensmittelprüfer. "Normalerweise ist ein Lebensmittelkontrolleur für 500 bis 600 Betriebe zuständig",  sagt Frötsch auf Nachfrage von augsburger-allgemeine.de. "Manche müssen sich sogar um bis zu 900 Betriebe kümmern."

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Ein Mitarbeiter für 900 Betriebe, wie soll das gehen? Förtsch selbst gibt zu, dass in solchen Fällen Prioritäten gesetzt werden müssen. "Manche Betriebe werden bevorzugt kontrolliert." Unternehmen, die die Gemeinschaft betreffen und überregionale Betriebe erhalten zuerst Besuch von den Kontrolleuren, erst danach stehen kleine Getränkemärkte oder Drogeriemärkte auf dem Plan. 

Stellen bleiben drei Jahre lang unbesetzt

Die sogenannte Wiederbesetzungssperre, die 2011 von der Politik eingeführt wurde, sorge für die starke Belastung der Lebensmittelkontrolleure. "Geht ein Mitarbeiter in Pension, bleibt dessen Stelle automatisch ein Jahr lang unbesetzt", erklärt Förtsch. "Dann wird ein Auszubildender eingestellt, dessen Ausbildung zwei Jahre dauert." Demnach ist die Stelle drei Jahre lang unbesetzt.

Normalerweise werden Betriebe in Abständen von drei Monaten und drei Jahren amtlich kontrolliert, wie Franz Seitz, der Leiter des Bereichs Sicherheit und Ordnung beim Landratsamt Augsburg, erklärt. "Die Lebensmittelkontrolleure prüfen den baulichen Zustand der Betriebsräume. Zudem wird kontrolliert, ob die Hygieneanforderungen, wie etwa das Tragen von Schutzkleidung, eingehalten werden. Wir schauen uns auch an, wie die Lebensmittel gelagert werden, und kontrollieren natürlich, ob es Schädlinge gibt."

Skandal bei Müller-Brot zieht immer weitere Kreise

Derweil wird der Unmut über den Skandal bei Müller-Brot bei den Politikern immer größer. Nach dem Skandal um Hygienemängel bei der Großbäckerei steht die Lebensmittelaufsicht in Bayern massiv in der Kritik. "Es ist ein Skandal, dass das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter den Augen des damaligen Gesundheitsministers Söder zweieinhalb Jahre braucht, um die Öffentlichkeit zu informieren", sagte die SPD-Verbrauchersprecherin Sabine Dittmar am Sonntag und forderte eine vollumfängliche Aufklärung. "Was haben die sieben amtlichen Kontrollen seit 9. Juli 2009 ergeben? Welche Beanstandungen gab es, welches Ungeziefer wurde gefunden?"

Vor wenigen Tagen waren die gravierenden Hygienemängel bei Müller-Brot in der Öffentlichkeit bekanntgeworden. Neu sind diese Probleme allerdings nicht: Die Lebensmittelkontrolleure haben die Bäckerei wegen Mäusekot und ähnlicher Mängel bereits seit zweieinhalb Jahren im Visier. "Warum haben die Behörden die Bevölkerung so lange nicht informiert?", fragte Dittmar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit neun Monaten gegen Müller-Brot. "Da fragt man sich schon, ob hier das Unternehmen vor den Verbrauchern geschützt wurde. Eigentlich sollte es umgekehrt sein", so die Abgeordnete.

Die Produktion ruht nach wie vor

Das Gesundheitsministerium wies die Vorwürfe zurück. «Bayern verfügt über eine funktionierende Lebensmittelüberwachung. Zu keiner Zeit ging ein Risiko von den hergestellten Produkten für den Verbraucher aus. Der Verbraucherschutz war jederzeit gewährleistet», sagte eine Sprecherin am Sonntag.

Die Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Mechthild Heil, bezeichnete die Lebensmittelkontrollen als zu "lax". "Es muss von Ländern und Kommunen sichergestellt werden, dass genügend Kontrolleure in den Betrieben sind!", forderte Heil im Magazin "Focus".

Müller-Brot darf auch bis auf weiteres nicht produzieren, wie am Freitagabend bekannt wurde. Dies hatten die Behörden nach einer erneuten umfassenden Kontrolle der Produktionsstätte in Neufahrn bei München entschieden. Die bisherigen Reinigungen und Sanierungen seien nicht ausreichend, um den Ansprüchen an eine hygienisch einwandfreie Herstellung von Lebensmitteln zu genügen, teilte das Landratsamt Freising mit. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums betonte: "Erst wenn einwandfreie hygienische Zustände vorliegen, kann die Produktion im Gesamtbetrieb wieder aufgenommen werden."

Die Gründer-Familie von Müller-Brot zeigte sich entsetzt über den Skandal. "Unser Name wird durch den Dreck gezogen", sagte Evi Müller und betont, dass die gravierenden Mängel erst nach der Übernahme durch die heutigen Geschäftsführer bestünden. mit sast, dpa

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