Montag, 20. Mai 2013

04. Februar 2012 18:59 Uhr

Hygienemängel

Staatsanwaltschaft ermittelt seit neun Monaten gegen Müller-Brot

Bereits seit zweieinhalb Jahren sind die katastrophalen Hygienemängel bei Müller-Brot bekannt. Selbst die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits. Doch der Kunde bekam nichts mit.

Mäusekot und Speisereste von früheren Produktionen haben Kontrolleure in der mittlerweile geschlossenen Großbäckerei Müller-Brot nach Angaben des Leiters des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, immer wieder gefunden und beanstandet. Die Hygienemängel sind bereits seit zweieinhalb Jahren bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit fast neun Monaten.

Kritik an später Reaktion der Lebensmittelkontrolleure

Nach den Hygiene-Mängeln bei Müller-Brot fordert die Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag strengere Lebensmittel-Kontrollen. Die Gründer-Familie von Müller-Brot reagierte empört auf den Skandal. Im Fall Müller-Brot steht für Christian Magerl fest: „Wenn mal die Staatsanwaltschaft ermittelt, dann ist das keine Gaudi mehr.“ Der Grünen-Politiker und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit im Bayerischen Landtag ergänzt: „Ich frage mich, warum in einem Betrieb, wo ständig etwas festgestellt wird, die Produktion nicht früher gestoppt wird.“

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Die Lebensmittelaufsicht in Bayern steht heftig in der Kritik. Die Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Mechthild Heil, bezeichnete sie als zu «lax». «Es muss von Ländern und Kommunen sichergestellt werden, dass genügend Kontrolleure in den Betrieben sind», forderte Heil im Magazin «Focus».

Gründerfamilie ist entsetzt

Unterdessen zeigte sich die Gründer-Familie von Müller-Brot entsetzt. «Unser Name wird durch den Dreck gezogen», sagte Evi Müller der «Abendzeitung» (Samstag). Ihr Vater Hans hatte das Unternehmen gegründet und 2003 an einen der heutigen Geschäftsführer verkauft. «Wir sind alle zutiefst geschockt», sagte Evi Müller. «Solche Mängel gab es bei uns nicht. Ich möchte meine Familie davon distanziert sehen.»

Müller-Brot darf auch bis auf weiteres nicht produzieren, wie am Freitagabend bekanntwurde. Dies hatten die Behörden nach einer erneuten umfassenden Kontrolle der Produktionsstätte in Neufahrn bei München entschieden. Die bisherigen Reinigungen und Sanierungen seien nicht ausreichend, um den Ansprüchen an eine hygienisch einwandfreie Herstellung von Lebensmitteln zu genügen, teilte das Landratsamt Freising mit.

Vor wenigen Tagen waren die gravierenden Hygienemängel bei Müller-Brot in der Öffentlichkeit bekanntgeworden. Neu sind diese Probleme allerdings nicht: Die Lebensmittelkontrolleure haben die Bäckerei wegen Mäusekot und ähnlicher Mängel bereits seit zweieinhalb Jahren im Visier. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit fast neun Monaten.

 

Trotz des Skandals glauben Branchenkenner nicht an das Aus für die Großbäckerei. Armin Juncker, Hauptgeschäftsführer beim Verband Deutscher Großbäckereien, ist davon überzeugt. Seien die Hygieneprobleme erst einmal beseitigt, „wird in Neufahrn der sauberste Backbetrieb stehen“. Juncker ist es wichtig zu betonen, dass der Fall Müller-Brot ein „singuläres Ereignis“ ist. „Denn Hygiene ist in der gesamten Lebensmittelindustrie das Top-Thema Nummer eins.“ So stark der Wettbewerb auch sei, wüssten doch alle Marktteilnehmer, dass die Hygiene keinesfalls dem Kostendruck geopfert werden dürfe. „Das ist ein sehr sensibles Thema.“ Gerade deshalb macht sich Wolfgang Filter, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands für das bayerische Bäckerhandwerk, Sorgen. Denn von einem Skandal in diesem Ausmaß könne leicht etwas auf die gesamte Branche abfärben. Er und seine Kollegen hoffen darauf, dass die Kunden objektiv bleiben und die Branche nicht pauschal verurteilen. dpa/lby/AZ

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