Dienstag, 21. November 2017

06. Juli 2008 22:27 Uhr

Augsburg

Steht Weltbild vor dem Verkauf?

Der Augsburger Medienhändler Weltbild soll womöglich verkauft werden. Am Sonntagabend sagte Unternehmens-Chef Carel Halff unserer Zeitung, dass eine "Ergänzung oder Änderung des Gesellschafterkreises geprüft" werde. Von Andreas Frei

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Von Andreas Frei

Augsburg. Der Augsburger Medienhändler Weltbild soll womöglich verkauft werden. Am Sonntagabend sagte Unternehmens-Chef Carel Halff unserer Zeitung, dass eine "Ergänzung oder Änderung des Gesellschafterkreises geprüft" werde.


Der Augsburger Weltbild-Konzern ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen - für einige der Gesellschafter offensichtlich zu rasant. Der Medienhändler, der sich in Besitz der 14 katholischen Bistümer sowie der Soldatenseelsorge Berlin befindet, sah sich immer wieder der Kritik ausgesetzt, unter dem Tempo des Wachstums leide das christliche Weltbild des Unternehmens. So sei vielen Katholiken der Vertrieb von erotischer Literatur ein Dorn im Auge, heißt es.

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Carel Halff, Vorsitzender der Weltbild-Geschäftsführung, räumt zumindest ein, dass die Wachstumsperspektiven "über die ursprünglichen Kernvorstellungen der Bischöfe hinausgehen". Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. Juni) stieg der Umsatz von Weltbild um satte 21 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro. Allerdings schlagen in diesem Wert erstmals die vollständigen Umsätze einer neuen Tochtergesellschaft zu Buche, die Weltbild zusammen mit dem Münchner Buchhändler Hugendubel betreibt.

Die Weltbild-Gesellschafter hätten sich nun die Frage gestellt, ob die Größe des Unternehmens noch "allein von den Diözesen getragen" werden könne, so Halff am Sonntagabend in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Es werde geprüft, ob der bestehende Gesellschafterkreis ergänzt oder geändert werden soll. "Alle Optionen sind möglich", sagt Halff.

Eine Ergänzung könnte bedeuten: Die Eigner holen einen weiteren Investor ins Boot - eine Möglichkeit, die Halff "nicht für ausgeschlossen" hält. Dafür könnten sich einzelne Bischöfe aus dem Unternehmen zurückziehen.

"Ich glaube nicht, dass uns jemand den Rücken kehren will"

Darüber will Halff jedoch nicht spekulieren, genauso wenig wie über die zweite Alternative, einen kompletten Rückzug der Diözesen. Der Konzern-Chef sagt aber: "Ich glaube nicht, dass uns irgendjemand den Rücken kehren will." Gleichermaßen hält er eine Zerschlagung "für ausgeschlossen". Grund: Die einzelnen Vertriebswege seien so vernetzt, dass nicht einfach ein Zweig herausgelöst werden könne.

Die Überlegungen der Bischöfe hätten auch keine wirtschaftlichen Ursachen, sagt Halff. Zwar leide der gesamte Einzelhandel und damit auch das Buchgeschäft unter der Konsumschwäche im Land. Jedoch habe sich Weltbild im vergangenen Jahr in diesem Markt "sehr gut behauptet". Der Konzern, der eigene Buchläden betreibt, aber vor allem im Internet mit dem Vertrieb von über 3,5 Millionen Büchern, CDs, DVDs, Software und Geschenkartikeln erfolgreich ist, sei gut aufgestellt. Details zum Gewinn nennt das Unternehmen traditionell nicht.

Erst vor kurzem hatte Weltbild das komplette Zeitschriftengeschäft an die französische Gruppe Bayard verkauft. "Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagt Halff, "aber der Markt verändert sich." Derzeit beschäftigt der Konzern rund 7400 Mitarbeiter, davon "kontinuierlich" (Halff) etwa 1900 am Stammsitz Augsburg.

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Ein Artikel von
Andreas Frei

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt



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