Brüssel Sie heißen Thulium, Promethium, Europium und Lutetium. Ohne diese Metalle würden weder Flachbild-Fernseher noch Mobiltelefone oder Flugzeuge funktionieren. Die 17 „seltenen Erden“ gehören zu den begehrtesten Rohstoffen dieser Zeit. 97 Prozent davon werden in China gefördert. Gestern haben die EU, USA und Japan gemeinsam Peking vor der Welthandelsorganisation verklagt. China nutze sein Monopol radikal aus, um „europäischen Unternehmen und Verbrauchern zu schaden“.
China hat die jährliche Produktion der seltenen Erden zwischen Juni 2010 und Mitte 2011 heruntergefahren – bei einzelnen Stoffen sogar bis zu 54 Prozent. Gleichzeitig erhöhte man die Preise über Zollzuschläge und andere Abgaben um satte 1000 Prozent. Europa, die USA und Japan sind dem nahezu hilflos ausgeliefert. Es gibt zwar weitere Vorkommen in Russland, die aber kaum eine Rolle spielen. Die EU setzt stattdessen auf Recycling, um die Rückgabequote für Handys, Computer, Fernseher und andere elektronische Artikel zu erhöhen. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg.
Offiziell argumentiert Peking, nachhaltiger zu wirtschaften
Peking kommentierte die Klage mit einer Kampfansage. „Wir werden nicht zögern, uns zu verteidigen“, schrieb die Nachrichtenagentur Xinhua. Ökonomen halten es allerdings auch für denkbar, dass Peking die Europäer mit ihren eigenen Waffen schlagen will. Offiziell wird der Produktionsrückgang nämlich vor allem mit dem Argument der Nachhaltigkeit verteidigt. Schließlich vergehe kein Gipfeltreffen, bei dem die Europäer nicht genau diese Nachhaltigkeit in der Industrieproduktion von China einfordern. Die Wahrheit sieht wohl etwas anders aus. Die Führung hat eine weitgehende Umstrukturierung der einschlägigen Industrie begonnen. Waren es bisher viele kleinere Unternehmen, die die kostbaren Stoffe abbauten, sollen diese künftig unter dem Dach zweier großer Staatskonzerne gebündelt arbeiten.
Den eigentlichen Grund für die Klage der Europäer aber wird man nur schwer entkräften können. Nach Angaben der EU-Kommission müssen europäische Firmen für die seltenen Erden doppelt so viel zahlen wie Chinas Betriebe. Solche offenkundigen „Wettbewerbsnachteile“ hätten mit fairem Welthandel nichts zu tun, heißt es in Brüssel.