48 Stunden in der Woche sollen die 730 Beschäftigten der Lech-Stahlwerke künftig arbeiten - 8,5 Stunden mehr ohne Lohnausgleich. So lautet die Forderung von Unternehmer Max Aicher. Er sorgt damit für miese Stimmung. Von Margret Sturm

48 Stunden in der Woche sollen die 730 Beschäftigten der Lech-Stahlwerke (LSW) in Meitingen künftig arbeiten - das wären 8,5 Stunden mehr ohne Lohnausgleich. So lautet die Forderung von Unternehmer Max Aicher, der zusammen mit zwei seiner Töchter das Werk im Landkreis Augsburg besitzt. Eine bundesweit wohl einmalige Forderung, meint die IG Metall in Augsburg und spricht von einer "Unverschämtheit".
Denn was Aicher über den Arbeitgeberverband Stahl auf den Tisch gelegt hat, umfasst noch mehr: Verzicht auf eine Tariferhöhung um zwei Prozent ab 2010, Preisgabe einer Einmalzahlung von 350 Euro in diesem Jahr, keine Erschwerniszulage und keine variable Vergütung mehr - beides war tarifvertraglich vereinbart - sowie Einrichtung eines Arbeitszeitkontos, sodass bei Mehrarbeit kein Zuschlag mehr gezahlt werden muss.
Die IG Metall hat ausgerechnet, dass all dies zu 30-prozentigen Einkommenseinbußen führen würde. Das wären rund 700 Euro weniger für die einzelnen Beschäftigten, die im Sommer in 50 Grad heißen Werkshallen arbeiten. "Stahlwerksunternehmer Max Aicher hat offenbar völlig das Augenmaß verloren", sagt IG Metall-Sekretär Michael Pfeiffer und hat das Paket bereits "aufs Schärfste" zurückgewiesen.
Am 14. September wollen die Gewerkschaftsmitglieder von Bayerns einzigem Stahlwerk darüber abstimmen, ob sie überhaupt Verhandlungen aufnehmen möchten. "Doch wo soll der Kompromiss liegen?", fragt Pfeiffer, dem eine solche Forderung in 30 Jahren noch nicht untergekommen ist und der jetzt schon ahnt: "Die Zeichen stehen auf Streik."
Davon geht auch Betriebsratsvorsitzende Maria Heinrich aus, denn im Stahlwerk sei die Stimmung so schlecht wie nie zuvor. Bei einer Betriebsversammlung ist Max Aicher sogar ausgebuht worden.
Aicher selbst dagegen sieht sich als Wohltäter der Arbeitnehmer, denen er mit einem Arbeitszeitkonto die Kurzarbeit und damit einen Verdienstausfall ersparen will, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Auf die Frage, ab welcher Stunde sich dieses Arbeitszeitkonto füllen soll, von dem in schlechten Zeiten abgebucht werden könnte, sagte Aicher, dies sei ab der 49. Wochenstunde der Fall.
"Wir haben 30 Prozent zu hohe Personalkosten", sagt Aicher. Das Stahlwerk habe im vergangenen Jahr zwei Millionen Euro Verlust gemacht, was nur durch die rund 40 anderen Firmen seiner Max Aicher GmbH & Co.KG ausgeglichen worden sei. Dass es so nicht weitergehen kann, liegt für Aicher auf der Hand. Andernfalls drohten Entlassungen.
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