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11. Oktober 2009 19:30 Uhr

Widerstand in der Region

Viel Wind um ein Rad

Die meisten Deutschen finden erneuerbare Energien toll - aber nicht unbedingt vor der eigenen Haustüre. Auch in der Region regt sich häufig Widerstand. Und dann gibt es da einen Ort, in dem alle stolz sind auf ihr Windrad. Von Michael Stifter

Windrad / Windkraft / Windenergie in der Region
Foto: Ulrich Wagner

Wittislingen/Wittesheim. Anne Andresen hat nichts gegen Windräder - überhaupt nichts. Aber doch bitte nicht in Wittislingen. In der Gemeinde im Kreis Dillingen tobt seit Monaten ein Kleinkrieg, die Stimmung in der Bevölkerung ist angespannt. Es geht um drei Windkraftanlagen, die im Gemeindewald aufgestellt werden sollen - eine jede höher als das Ulmer Münster.

Anne Andresen steht am Waldrand, ein Schwarm Marienkäfer schwirrt durch die klare Herbstluft, ein Traktor mit Anhänger rattert vorbei. Man grüßt sich. "Das hier ist ein Naherholungsgebiet. Es geht doch nicht, dass ein paar Wind-Mafiosi hier alles kaputt machen, nur weil die Gemeinde das Weltklima retten will", sagt Andresen. Am Horizont hinter ihr dampft einer der Kühltürme des Kernkraftwerks Gundremmingen.

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Um den Bau der Windkraftanlagen zu verhindern, hat Andresen nicht nur eine Bürgerinitiative im Nachbarort Haunsheim gegründet, sondern ist sogar kurzzeitig vor dem Landratsamt in Hungerstreik getreten. Mit Caroline Ehnle-Sharma von der "Bürgerinitiative für den Erhalt der Lebensqualität in Wittislingen" hat sie eine engagierte Mitstreiterin. Ihre wichtigsten Einwände gegen das Projekt: zu wenig Wind, zu viel Lärm und die Befürchtung, die Anlagen könnten nicht nur das Landschaftsbild zerstören, sondern auch Schatten auf die Häuser des 2300-Einwohner-Ortes werfen.

Der Unternehmer wundert sich über die Aufregung

Nach einigem Hin und Her und heftigen Auseinandersetzungen im Wittislinger Gemeinderat soll nun das Landratsamt Dillingen entscheiden, ob Franz Uhl die Anlagen im Gemeindewald bauen darf. Der baden-württembergische Unternehmer wundert sich über die Aufregung: "Es heißt immer, wir gehen nicht auf die Belange der Menschen ein. Dabei sind wir von der ursprünglichen Planung von fünf Windrädern auf drei runtergegangen und halten mehr Abstand zu den Häusern, als jedes Gesetz vorschreibt."

Geschichten wie diese könnte man viele erzählen in der Region. Ob im Friedberger Ortsteil Bachern, in Rennertshofen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) oder im Allgäu - häufig begleiten Proteste die Planung von Windrädern. "So ist leider die Mentalität in Süddeutschland. Die Leute sagen: Windkraft ist prima, aber doch lieber an der Küste", sagt Raimund Kamm. Der frühere Landtagsabgeordnete der Grünen beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Energiepolitik. Widerstand regt sich seiner Erfahrung nach vor allem dann, wenn die Bevölkerung nicht eingebunden wird. "Ein Investor muss die Sorgen der Menschen ernst nehmen, informieren. Schließlich macht er keine Pommes-Bude auf, sondern setzt ihnen was Großes vor die Nase", sagt Kamm.

Besonders wichtig sei es, den Bürgern die Chance zu geben, sich selbst finanziell zu beteiligen. "Andernfalls steht der Investor schnell im Verdacht, nur Geschäfte auf Kosten der Natur und der Landschaft machen zu wollen."

Genau dieser Eindruck ist bei vielen Leuten in Wittislingen entstanden - obwohl auch sie Anteile an einem der drei geplanten Windräder kaufen können. "Dem Herrn Uhl ist es doch egal, ob unsere Lebensqualität leidet", schimpft Ehnle-Sharma. Weitere Gespräche mit dem Unternehmer will sie lieber nicht führen. Er würde ihre Bedenken ohnehin wieder nur abblocken, glaubt sie. Ihr Blick wird nachdenklich. Das alles hier werde man kaum noch wiedererkennen, wenn die Windräder erst mal da sind, sagt sie etwas leiser und breitet die Arme aus, als wolle sie den ganzen Wald umarmen.

Lesen Sie in Teil 2: Warum die Bürger in Wittesheim auf ihr Windrad stolz sind

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