Die Geschäftsführung von Weltbild verhandelt wieder über Zukunftstarifvertrag und Bischof Zdarsa hört erstmals Beschäftigte an. Von Alois Knoller



Ob sich der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa am Samstagabend wie der heilige Sebastian fühlt, der einst die Pfeile seiner Gegner auf sich zog? Während Zdarsa ein feierliches Hochamt für den Märtyrer zelebriert, ziehen vor seinem Palais am Dom besorgte Mitarbeiter der Verlagsgruppe Weltbild auf. Sie demonstrieren für den Abschluss eines Zukunftstarifvertrags, ehe die katholische Kirche das Unternehmen verkauft. Kündigungsschutz, Tarifbindung und Erhalt des Standortes Augsburg sind die wichtigsten Anliegen der 6400 Beschäftigten.
Nach eisernem Schweigen hatte Bischof Zdarsa nach Ankündigung der Demonstration („Kommt mit, zeigt Stärke!“) diese Woche erstmals sein Bischof Konrad Zdarsa für die Sorgen der Belegschaft erklärt. Und erstmals bot er den Gewerkschaftern und Betriebsräten ein Gespräch an. Bei dem Treffen am nächsten Donnerstag im Bischofshaus will er auch die Solidaritätsbekundungen der Weltbild-Mitarbeiter in Empfang nehmen. Auf mehreren Tausend unterschriebenen Postkarten fordern sie ein klares Bekenntnis der Bischöfe zum Zukunftstarifvertrag.
Am kommenden Dienstag werden die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi und die Weltbild-Geschäftsführung ein zweites Mal über diesen Tarifvertrag verhandeln. Zweimal eine Stunde haben sich beide Seiten reserviert. Verdi will die Arbeitsplätze bei Weltbild auf vier Jahre absichern, dagegen will die Geschäftsführung den Beschäftigten nur für ein Jahr Garantien geben. Timm Boßmann, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe, weiß, dass tarifliche Bindungen den Wert des Unternehmens schmälern. Doch sie seien das gute Recht der Belegschaft: „Sie hat Weltbild über 35 Jahre lang aufgebaut. Wenn die Kirche jetzt Kasse macht, steht auch den Beschäftigten ein Anteil zu.“
Die Vorschläge für den Zukunftstarifvertrag seien „sehr vernünftig“, ließ Geschäftsführer Carel Halff erklären. Die Einzelheiten wolle man aber erst nach der Verhandlung bewerten. „Angesichts der Bedeutung und Tragweite eines solchen Tarifvertrags müssen seine Inhalte mit großer Sorgfalt durchgegangen werden“, sagte die Weltbild-Sprecherin Eva Großkinsky. Die Geschäftsführung habe „großes Interesse an einem Konsens im Blick auf die Sicherung der Arbeitsplätze und des Standorts“. Verbindliche Aussagen über die Zukunft der Unternehmensgruppe Weltbild will derzeit niemand machen.
Carel Halff verweist auf die kirchlichen Eigentümer: „Letztlich entscheiden sie, was sie wollen.“ Bischof Zdarsa sagt, das Bistum Augsburg sei „nur einer von 14 Gesellschaftern“. Für einen guten Übergang der Verlagsgruppe sei es dienlicher, „die Situation nicht durch weitere Stellungnahmen zu verkomplizieren“. Der Aufsichtsrat unter Vorsitz des Münchner Generalvikars Prälat Peter Beer werde sicher die katholische Soziallehre zur Richtschnur des Handelns nehmen.
Der Gewerkschaft Verdi wäre es lieber, wenn ihre Vertreter hier mitbestimmten. Beraten von einer Anwaltskanzlei hat sie Wahlen für Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat eingeleitet. Sie wären dann paritätisch mit sieben Sitzen repräsentiert. „Wir könnten ganz anders auf den Verkaufsprozess einwirken“, meint Boßmann von der Verdi-Betriebsgruppe. Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat erarbeitet Weltbild-Geschäftsführer Halff die Leitlinien für den geplanten Verkauf.
Beliebig viel Zeit hat die Gewerkschaft nicht. Die Bischöfe hatten am 22. November einen Verkauf „ohne Verzug“ beschlossen. In engen Abständen lassen sie sich über die eingeleiteten Schritte berichten. Boßmann zufolge verschwinden immer mehr Buchtitel aus dem Sortiment. „Das geht letztlich auf den Wert des Unternehmens“, warnte Boßmann.



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