Kein anderes Tier als die Zecke verursacht jährlich so viele Erkrankungen wie FSME und Borreliose. Die Saison für die gefährlichen Blutsauger hat heuer früh begonnen.

Zecken, FSME und Borreliose: Kürzlich spielte der fünfjährige Felix im Wald an der Wertach. Er kam mit einem Zeckenstich nach Hause. Die Sorge bei den Eltern war groß. Zecken sind zwar klein, aber so gefährlich wie keine andere Tierart in Deutschland: Sie können schwere Krankheiten übertragen, darunter die Frühsommer-Gehirnhautentzündung (FSME). Zwar gilt die Stadt Augsburg noch nicht als Risikogebiet. Aber die nächste Risikoregion beginnt schon im Nachbarlandkreis Aichach-Friedberg.
Die Saison für die kleinen Blutsauger hat dieses Jahr früh begonnen, so die Einschätzung von Medizinern. „Ich hatte schon einige Patienten mit Zeckenstich in meiner Praxis“, sagt Internist Dr. Kurt Reising, der Sprecher des Ärztlichen Kreisverbandes ist.
Bei frühlingshaften Temperaturen ab etwa zehn Grad werden die Parasiten nach der Winterpause wieder aktiv. Sie lauern im Gras oder Unterholz. Besonders gefährdet sind Landwirte und Forstarbeiter, aber beispielsweise auch Jogger, Radler oder Hundebesitzer. Allen Menschen, die sich viel in freier Natur bewegen, rät Dr. Ulrich Storr vom Gesundheitsamt in Augsburg dringend zu einer Impfung gegen FSME. Die Gehirnhautentzündung sei nicht zu behandeln, es helfe nur Vorbeugung.
Zwar gibt es im Stadtgebiet bislang noch keine Fälle dieser meldepflichtigen Krankheit. „Aber die meisten Menschen sind mobil“, sagt Storr. Nicht nur beliebte Ausflugsziele wie das Allgäu oder das Donaugebiet sind mittlerweile als Risikoregionen für FSME eingestuft, auch der Raum Aichach-Friedberg zählt dazu – so wie die allermeisten bayerischen Landkreise.
Im Kreis Augsburg gab es in den vergangenen Jahren ebenfalls einzelne Fälle dieser von Zecken übertragenen Gehirnhautentzündung. Das bestätigt Dr. Martin Miller vom dort zuständigen Staatlichen Gesundheitsamt. Experten gehen davon aus, dass auch das Augsburger Land bald als Risikogebiet für FSME eingestuft wird.
Statistisch gilt jede hundertste Zecke als Überträger. Die Krankheit verläuft zunächst wie eine Sommergrippe und ist daher oft schwer zu erkennen. Bei rund zehn Prozent der Kranken komme es zur Gehirnhautentzündung, von der Nervenschäden oder Lähmungen zurückbleiben können, sagen Mediziner.
Keine Impfung gibt es allerdings gegen eine zweite schwere Krankheit, die von Zecken übertragen wird – die Borreliose. Experten gehen davon aus, dass jede vierte Zecke mit den Bakterien infiziert ist. Mit 10 000 Neuerkrankungen allein in Bayern gilt Borreliose als die häufigste von den Parasiten übertragene Krankheit auf den Menschen. Kein anderes Tier in Deutschland verursache jährlich so viele Erkrankungen, sagen Experten. Im schlimmsten Fall können schwere Schmerzen oder Lähmungen auftreten. Auch Haustiere können betroffen sein.
Ärzte und auch Tierärzte in der Region bieten inzwischen einen Schnelltest an. Wenn man die Zecke nach dem Stich erwischt und in die Praxis bringt, kann man innerhalb von rund 15 Minuten untersuchen lassen, ob sie Borrelienträger ist. „Man hat schnell mehr Sicherheit“, sagt der Friedberger Tierarzt Dr. Till Lugtenburg. Er betont aber auch, dass dieser Test keinen Nachweis darüber erbringt, ob Mensch oder Haustier durch den Zeckenstich tatsächlich mit der Krankheit infiziert worden sind. Dies lasse sich erst mit einem Bluttest frühestens sechs Wochen nach dem Stich ermitteln.
Ärztesprecher Reising hält von solchen Schnelltests wenig. Er rät, die Einstichstelle einige Wochen genau zu beobachten und bei einer zunehmenden ringförmigen Rötung zum Arzt zu gehen. Sollte es eine Infektion geben, kann man sich mit Antibiotika behandeln lassen.
Beim kleinen Felix mit dem Zeckenstich können die Eltern inzwischen wieder aufatmen. Der Fünfjährige ist vorsichtshalber gegen FSME geimpft. Nach einer Blutuntersuchung steht fest, dass er sich auch nicht mit Borreliose infiziert hat. Trotzdem sind die Eltern vorsichtig: Wenn er draußen gespielt hat, wird er jetzt aber immer genau angeschaut und nach Zecken abgesucht.
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