Das neue Adenovirus kann vom Affen zum Menschen überspringen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team von Wissenschaftlern der University of California.

Erstmals sind Adenoviren nachweislich von einem Tier auf einem Menschen übergesprungen. Wissenschaftler der University of California in San Francisco dokumentieren diesen Fall im Online-Journal «PLoS Pathogens». Demnach infizierte sich vor zwei Jahren in einem US-Primatenzentrum eine Gruppe von Affen mit dem Virus, das unter anderem die Atemwege befiel und bei einigen der Tiere zum Tod führte. In dem Forschungszentrum steckte sich ein Affenforscher mit den Viren an. Er erkrankte leicht und übertrug sie offenbar auf ein Mitglied seiner Familie.
Vogelgrippe oder EHEC überspringen die Artengrenze
HI-Virus, EHEC oder auch die Vogelgrippe - immer wieder überspringen Krankheitserreger aus dem Tierreich die Artengrenze und werden auch dem Menschen gefährlich. Allerdings galten Adenoviren bislang als artgebunden. Manche verursachen beim Menschen verschiedene Probleme, von Schnupfen über Durchfall bis hin zu Lungenentzündung. Andere machen bestimmten Tierarten zu schaffen. Aber noch nie wurde bekannt, dass solche Viren von einer Spezies auf eine andere wechseln.
Infektiologen berichten nun erstmals von einem solchen Fall: Demnach erlitten im Jahr 2009 in einem kalifornischen Primatenzentrum 23 von insgesamt 65 Roten Springaffen Entzündungen der Atemwege oder der Leber. Nur vier der infizierten Tiere überlebten die Erkrankung. Als Ursache identifizierten die Mediziner aus San Francisco das bislang unbekannte Adenovirus TMAdV.
Erkenntnis der Forscher: Adenovirus kann auch den Menschen befallen
Dieser Erreger kann auch Menschen befallen. Ein Mitarbeiter des Primatenzentrums, der viel Kontakt zu den erkrankten Affen hatte, bekam nach der Infektion Fieber und Husten. Zudem steckte er ein Mitglied seiner Familie an. Im Blut beider Patienten wiesen die Mediziner Antikörper gegen das neue Adenovirus nach. Damit nicht genug: Als die Forscher Blutspenden von US-Bürgern analysierten, fanden sie in zwei von 81 Proben ebenfalls Antikörper gegen diese Art Erreger. Diese Tatsache könnte darauf hindeuten, dass TMAdV bereits unter Menschen kursiert, allerdings wegen der unspektakulären Symptomatik bisher nicht weiter aufgefallen ist.
Herkunft des Adenovirus weiterhin unklar
Die Herkunft des Adenovirus ist unklar. Forscher vermuten, dass es nicht vom Menschen stammt, sondern von Tieren. Dass die Roten Springaffen das natürliche Reservoir bilden, gilt allerdings als unwahrscheinlich: Dafür reagiert diese Affen-Spezies zu empfindlich. Weil das Virus die weitaus meisten infizierten Tiere dahinraffte, würde es seine eigene Existenzgrundlage gefährden und wohl nicht lange überdauern.
Aber unabhängig vom rätselhaften Ursprung des Erregers empfehlen die Experten, Adenoviren künftig sorgfältiger zu beobachten, um auf etwaige Gefahren für den Menschen rechtzeitig aufmerksam zu werden. dpa/AZ
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