Mittwoch, 22. Mai 2013

11. Mai 2012 21:45 Uhr

Archäologie

Älteste Maya-Kalender in Guatemala entdeckt

In Guatemala wurde der älteste Maya-Kalender gefunden. Die Berechnungen stammen aus dem neunten Jahrhundert.

Am 21. Dezember endet der Maya-Kalender - manche rechnen dann mit dem Weltuntergang. Für Mexiko hat das einen positiven Nebeneffekt: 2012 werden extra viele Touristen erwartet.
Foto: dpa

US-Archäologen haben in Guatemala die bislang ältesten astronomischen Maya-Kalender gefunden. Die in  einem ausgegrabenen Haus in der historischen Stätte Xultún  entdeckten Mauer-Inschriften stammten aus dem neunten Jahrhundert,  erklärte der Archäologe William Saturno von der Universität Boston  in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie.

Mehrere Kalender unter den Funden

Die Mauern in einem Teil des Hauses seien mit eingravierten  Zeichen bedeckt gewesen.  Ein Großteil davon stelle Berechnungen zu  den verschiedenen kalendarischen Zyklen der Maya dar, heißt es in  der Studie. Unter den Funden seien ein zeremonieller Kalender mit  260 Tagen, ein Sonnenkalender mit 365 Tagen, ein Jahreszyklus mit  584 Tagen des Planeten Venus sowie ein 780-tägiger Mars-Kalender,  erklärte der Archäologe William Saturno von der Universität Boston,  der die Ausgrabungen leitete. Andere Kalender folgten laut Saturno  den Mondphasen.

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Kein Weltuntergang im Jahr 2012

Entgegen dem allgemeinen Glauben gibt es nach Einschätzung der Forscher keinen Hinweis darauf, dass für das Jahr 2012 der Weltuntergang bevorsteht. «Die  alten Maya sagten voraus, dass die Welt fortbestehen und in 7000  Jahren alles noch genau sein wird wie damals», erklärte Saturno.  «Wir suchen heute immer nach Hinweisen darauf, dass die Welt  untergeht, während die Maya dagegen stets Beweise dafür gesucht  haben, dass sich nichts verändert», sagte der Forscher. «Das  ist eine völlig andere Geisteshaltung.»

Bisher ältestes Buch der Maya liegt in Dresden

Laut David Stuart, Professor für mesoamerikanische Kunst an der Universität von Texas in Austin, seien die Inschriften die ersten der Maya-Kunst. Es handele sich um winzige Striche  und Punkte. Sie sollen Zahlenreihen darstellen, sagte Stuart, der die  Zeichen entzifferte. Bislang hatte man solche Zeichen bislang nur im  Dresdner Maya-Kodex, einem zwischen 1200 und 1250 verfassten 78-seitigen Buch, festgestellt. Der Kodex gilt als das älteste erhaltene Buch der Maya und wird in der der Sächsischen Landesbibliothek aufbewahrt.

Großteil der Maya von spanischen Eroberern getötet

Das wirklich Interessante an dem Kalenderfund sei, dass die Maya ihre Berechnungen auf Mauern darstellten, lange bevor Schreiber sie in den Kodizes niederschrieben, sagte der Astronomie- und  Anthropologie-Professor Anthony Aveni von der New Yorker Colgate-Universität. Anscheinend hätten Schreiber, welche bei den Maya als Historikern galten, bereits vor dem Verfassen von  Büchern Mauern als Tafeln benutzt, sagte Aveni. Die Schriften der Maya werden als  das Archiv dieser präkolumbianischen Hochkultur angesehen. Ein  Großteil der Maya-Bevölkerung wurde von den spanischen Eroberern  getötet.

Ausgrabungsort umfasst 3.100 Hektar

Der Forscher Saturno hatte im Jahr 2010 mit seinen Mitarbeitern  das Haus freigelegt, in dem man die Mauer-Inschriften entdeckt hatte.  Der Ausgrabungsort Xultún umfasst auf einem Gelände von 3.100 Hektar 56 Bauten und beherbergte tausende Maya. Vor etwa hundert Jahren hatten guatemaltekische Arbeiter die Stätte entdeckt. In  den 1920er Jahren wurde der Ort erstmals kartografiert, in den  1970er Jahren fand eine Präzisierung der Karten statt. Die Studie wird in der jüngsten Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins «Science» sowie  in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift «National Geographic» vorgestellt. AFP/AZ

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