Mittwoch, 22. November 2017

20. Juni 2017 11:19 Uhr

Rückenschmerzen

Anzahl der Operationen: Große Unterschiede zwischen Bundesländern

Bei der Zahl der Rücken-OPs gibt es große regionale Unterschiede. Sind die Rückenprobleme im Saarland größer? Experten bezweifeln das. Sie machen Ärzte verantwortlich.

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Warum wird in einigen Regionen Deutschlands bei Rückenschmerzen 13 mal häufiger operiert als anderswo? Laut Bertelsmann-Experten liegt vor allem das an den Vorlieben der Ärzte.
Foto: Symbolbild: Inga Kjer/dpa-tmn/dpa

772.000 Menschen wurden 2015 in Deutschland wegen Rückenschmerzen operiert - das ist ein Anstieg von 72 Prozent im Vergleich zum Jahr 2007. Was hat sich in diesen acht Jahren verändert? Haben die Deutschen häufiger Rückenprobleme? Nein, sagen Experten. Für den rasanten Anstieg seien vor allem die Ärzte verantwortlich, die über die Behandlungsmethoden entscheiden. Regional gibt es dabei große Unterschiede.

Am Montag veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie, die auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und eigenen Berechnungen beruht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit Rückenschmerzen immer öfter im Krankenhaus behandelt und immer häufiger operiert werden.

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2015 gab es 772.000 Rücken-OPs in Deutschland - 2007 waren es nur 425.000

In der Studie wurden sowohl die Zahl der Aufenthalte in Krankenhäusern, als auch die Häufigkeit operativer Eingriffe aufgrund von Rückenschmerzen festgehalten. Somit zeigen die Ergebnisse auf, dass im Jahre 2015 611.000 Krankenhausaufenthalte wegen Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens registriert wurden. Im Vergleich zum Jahr 2007 bedeutet das ein Plus von 34 Prozent, also 154.000 Fälle mehr. Die Zahl aller stationären Behandlungen ist innerhalb dieses Zeitraums um 12 Prozent gestiegen.

Währenddessen ist die Anzahl als OPs auf bundesweiter Ebene deutlich gestiegen: 2007 handelt es sich noch um 452.000 operative Eingriffe, acht Jahre später sind diese auf 772.0000 gestiegen - ein Plus von 71 Prozent. Allerdings unterscheidet sich die Häufigkeit von OPs sehr stark nach Region.

Große regionale Unterschiede bei Rücken-OPs - Wie kommen diese zustande?

Während bundesweit die Zahlen in den letzten Jahren stark angestiegen sind, konnten die Forscher große Unterschiede je nach Region feststellen. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich die Ärzte: Sie wählen die Behandlungsmethode.

So kamen im Kreis Fulda operative Versteifungen der Wirbelsäule (auch Spondylodesen) pro 100.000 Einwohner 13-mal so häufig wie in Frankfurt/Oder vor. Im Saarland ist die Wahrscheinlichkeit, mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus zu kommen, weitaus höher als in Baden-Württemberg.

Bayern liegt bei Häufigkeit der Bandscheiben-OPs auf Platz 3

Im bundesweiten Vergleich ist Bayern, was die Zahl der Operationen wegen Rückenschmerzen angeht, weit vorne mit dabei. Der Freistaat liegt etwa bei der Zahl der Operationen, bei denen knöcherne Anbauten an der Wirbelsäule entfernt werden, und bei der Entfernung von Bandscheibengewebe auf Platz 3. Das teilt die Bertelsmann Stiftung im "Faktenblatt Bayern" mit. Ebenfalls auf Platz 3 liegt Bayern bei der Anzahl der Krankenhausaufenthalte wegen Rückenschmerzen. Laut der Studie wurden in den Jahren 2014/15 in Bayern im Durchschnitt 343 von 100.000 Einwohnern wegen Rückenschmerzen im Krankenhaus behandelt.

Die Wissenschaftler hinter der Bertelsmann-Studie erklären jedoch, dass die Ursachen für diese regionalen Unterschiede hauptsächlich auf die Praxis der Ärzte zurückzuführen sei.

Große regionale Unterschiede bei Rücken-OPs - Experten kritisieren Ärzte

Eckhard Volbracht von der Bertelsmann-Stiftung war an der Studie beteiligt und erklärt: "Die Zunahme der Eingriffe und die regionalen Unterschiede hängen auch mit den Vorlieben der ortsansässigen Mediziner zusammen". Lokale Versorgungsmuster würden sich verstärken, wenn klare medizinische Leitlinien fehlen. Nur zu einem kleinen Teil sollen sich die Differenzen auf objektive Faktoren wie die Zahl der Orthopäden vor Ort zurückführen lassen. Dass Menschen allgemein häufiger Rückenprobleme hätten, sei nach Ansicht der Studienleiter auch keine Ursache. Im Allgemeinen betont Volbracht: "Die Entscheidung sollte aber unabhängig vom Wohnort, finanziellen Interessen und individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen."

Daher fordert die Bertelsmann-Stiftung, dass in Zukunft Krankenhäuser und Ärzte über auffällige "Leistungsmengen" schnell eine Rückmeldung erhalten sollten, sodass medizinische Fachgesellschaften für die Praxen und Kliniken evidenzbasierte Leitlinien entwickeln können. AZ, dpa

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