Sonntag, 25. Juni 2017

16. Juni 2017 09:26 Uhr

Autismus

Autistic Pride Day 2017: Was ist Autismus?

Am 18. Juni ist "Autistic Pride Day". Autisten erleben die Realität anders und können keine normalen Beziehungen zu ihren Mitmenschen aufbauen.

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Menschen mit Autismus gelten oft als skurrile Einzelgänger - aber sie können durchaus lernen, die Mimik und Gestik anderer Menschen zu deuten.
Foto:  Patrick Pleul (dpa)

Der "Autistic Pride Day" wird jedes Jahr am 18. Juni gefeiert. Mit ihm wollen Autisten ihrem Wunsch nach gesellschaftlicher Akzeptanz Ausdruck verleihen. Wie viele Autisten in Deutschland leben, ist schwer zu schätzen. Experten gehen aber davon aus, dass etwa sechs bis sieben Menschen pro 1000 Einwohner Autismus haben.

Autismus wird von Medizin als Entwicklungsstörung gesehen

Auch prominente Menschen wie Albert Einstein und Ludwig van Beethoven sollen betroffen sein. Die US-amerikanische Schauspielerin Daryl Hannah und der Janosch-Erfinder Horst Eckert sind ebenfalls Autisten.

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Autismus ist keine Krankheit, sondern eine neurologische Entwicklungsstörung oder Behinderung. Symptome von Autismus lassen sich nur über das Verhalten feststellen. Meist sind drei Bereiche betroffen: der soziale Umgang mit Menschen, die Kommunikation sowie die Verhaltensweisen. Autisten halten beispielsweise an einer Routine fest und haben oft Schwierigkeiten mit Veränderungen. Oft haben Autisten Probleme, Blickkontakt zu halten oder auf andere Menschen zuzugehen.

Allerdings hat Autismus ein sehr vielfältiges Erscheinungsbild. Experten sprechen deswegen auch von Autismus-Spektrum, um deutlich zu machen, dass sich die Störung je nach Person unterschiedlich bemerkbar macht.

Diagnose von Autismus schon im Kindesalter

Autisten leiden häufig unter weiteren psychischen Störungen, etwa Phobien, Schlaf- oder Essstörungen. Außerdem fällt es ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen und Sinnesreize zu verarbeiten.

Eine Sonderform des Autismus ist das Asperger-Syndrom. Asperger-Autisten können - anders als viele andere Autisten - normal sprechen, ihnen bereitet allerdings die soziale Interaktion Probleme. Asperger-Autisten können manchmal in Teilbereichen besonders intelligent sein, sogenannte Inselbegabungen entwickeln.

Oft wird Autismus schon im Kleinkindalter diagnostiziert, wenn bestimmte Meilensteine in der kindlichen Entwicklung ausbleiben. Normalerweise lächelt ein Kind zurück, wenn ein Erwachsener es anlächelt. Bleibt eine Reaktion aus, könnte das ein erstes Anzeichen von Autismus sein. Auch fehlende Sprachentwicklung oder geringe Aufmerksamkeit für soziale Situationen können Hinweise sein.

Was kann man gegen Autismus tun?

Autismus ist nicht heilbar, aber kompensierbar. Eltern könnten beobachten, wo die Schwächen des Kindes liegen. Falls sich dann die Diagnose Autismus herausstellt, gibt es Coachings und Unterstützung. So gibt es etwa soziales Training, Sprachförderung sowie Förderung auf der Verhaltensebene.

Die Ursachen für Autismus sind noch immer weitgehend unbekannt. Die bis in die Sechzigerjahre vertretene Auffassung, Autismus entstehe aufgrund emotionaler Kälte der Mutter, gilt heute als widerlegt. Als Ursache könnten genetische Faktoren in Frage kommen.

Auch neurologische Veränderungen könnten möglich sein. Sicher ist, dass die Ursachen für Autismus komplex sind. Erst vor einigen Wochen hatte ein kanadischer Neurowissenschaftler die These aufgestellt, ein Faktor für Autismus könnte im mikrobiotischen System des Darms zu finden sein. Damit wäre sogar die Ernährung eine der möglichen Erklärungen für Autismus.

"Autistic Pride Day": Autisten gehen selbstbewusst mit ihrer Lebensart um

Sicher ist, dass Autismus in den vergangen fünfzig Jahren zunehmend diagnostiziert wurde. Außerdem sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen, auch das gilt als erwiesen.

Mit dem "Autistic Pride Day" wollen Autisten weltweit auf sich und ihre Eigenschaften aufmerksam machen. Sie protestieren gegen die Wahrnehmung, Autismus sei eine Krankheit oder Störung, und wollen selbstbewusst mit ihrer Lebensart umgehen. AZ

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