Mittwoch, 22. Mai 2013

02. Dezember 2011 12:10 Uhr

Wissenschaft

Besondere Fähigkeit: Papierwespen können ihre Artgenossen am Gesicht erkennen

Bislang kannte man das nur von Menschen und Säugetieren, doch auch Papierwespen können es: Sie erkennen ihre Artgenossen am Gesicht. Dazu haben sie ganz besondere Mechanismen.

Was man bisher von Menschen und einigen Säugetieren wusste, haben jetzt auch Wespen von sich bewiesen: Die Papierwespe Polistes fuscatus kann Artgenossen identifizieren, in dem sie ihnen aufs Gesicht schaut.
Foto: dpa

Was man bisher von Menschen und einigen Säugetieren wusste, haben jetzt auch Wespen von sich bewiesen: Die Papierwespe Polistes fuscatus kann Artgenossen identifizieren , in dem sie ihnen aufs Gesicht schaut. Anders als andere Wespenarten unterscheidet sie zwischen Fotos von bekannten und unbekannten Tieren – und sucht in gefährlichen Situationen die Nähe derer, die sie kennt.

Das haben US-amerikanische Forscher bei Versuchen mit den nordamerikanischen Papierwespen herausgefunden. Die Wespen lernten die individuellen Gesichtsmuster ihrer Artgenossen besser und schneller unterscheiden als einfache Schwarz-Weiß-Muster oder Gesichter von Raupen, ihren bevorzugten Beutetieren. Das zeige, dass das Gehirn der Wespen Gesichter anders verarbeite als andere optische Reize. Es sei das erste Mal, dass man bei einem Insekt diese Art des hoch spezialisierten visuellen Lernens nachgewiesen habe, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science". (doi: 10.1126/science.1211334)

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"Hochspezialisierte Mechanismen"

"Wespen und Menschen haben unabhängig voneinander ähnliche und hochspezialisierte Mechanismen zur Gesichtserkennung entwickelt", sagt Erstautor Michael Sheehan von der University of Michigan in Ann Arbor. Bei uns Menschen sorgt ein eigener Verarbeitungsweg dafür, dass wir uns Gesichter von Verwandten, Freunden und Bekannten merken und diese Personen wiedererkennen. Bei einigen Menschen ist dieser Mechanismus gestört. Sie können dann zwar normale Gegenstände unterscheiden, erkennen aber nicht einmal das Gesicht ihrer engsten Verwandten.

Dass auch die nordamerikanischen Papierwespen die Gesichter ihrer Artgenossen über einen eigenen Weg verarbeiten, sei sehr überraschend, sagen die Forscher. Denn die Struktur der Gehirne und die Art zu sehen seien bei Insekt und Mensch vollkommen verschieden. "Wir behaupten daher auch nicht, dass die Gesichtserkennung bei den Wespen auf genau dem gleichen Prozess beruht wie beim Menschen", betonen die Forscher. Aber in beiden Fällen gebe es einen eigenen Verarbeitungsweg im Gehirn.

Kein Zufall

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es kein Zufall, dass ausgerechnet die Wespenart Polistes fuscatus eine so gute Gesichtserkennung besitzt. Denn diese Wespen leben in Nestern, in denen mehrere Königinnen regieren. Auf einen Blick zu erkennen, wer zu welchem Hofstaat gehöre, sei in diesen Nestern von großem Vorteil: "Das individuelle Erkennen stabilisiert die soziale Wechselbeziehungen und senkt die Aggressionen innerhalb dieser Gruppen", schreiben die Forscher.

Eine nah verwandte Wespenart, Polistes metricus, lebt dagegen in Nestern mit nur einer Königin und daher weitaus übersichtlicheren Sozialstrukturen. Auch mit dieser Art führten die Forscher Tests zur Gesichtserkennung durch. Dabei schnitten diese Wespen deutlich schlechter ab als ihre Verwandten: Sie landeten nur Zufallstreffer. In Tests mit anderen Mustern schnitten dagegen beide Wespenarten gleich gut ab. "Beide Arten unterschieden sich nur in Bezug auf die Erkennung von Gesichtern", sagen Sheehan und seine Kollegin Elisabeth Tibbetts.

Zwölf Arbeiterinnen trainiert

Für ihre Studie hatten die Forscher zwölf Arbeiterinnen der Wespenart Polistes fuscatus darauf trainiert, nur eines von zwei Mustern auszuwählen. In einem der Versuche mussten sie sich zwischen zwei Portraits von Artgenossen entscheiden, in weiteren Versuchen dann zwischen zwei einfachen, geometrischen Schwarz-Weiß-Mustern oder zwei Raupengesichtern. In einem Zusatztest veränderten die Forscher die Wespenportraits, indem sie Antennen wegretuschierten oder Gesichtskomponenten durcheinander mischten. Auch zwischen zwei dieser manipulierten Portraits sollten die Wespen wählen.

Die beiden jeweils zur Auswahl stehenden Bilder hingen am Ende zweier Gänge, die von einer Gabelung ausgingen. Nur wenn die Wespen den Gang mit dem richtigen Bild betraten, erhielten sie eine Belohnung. Nach der Trainingsphase trafen die Papierwespen in drei Vierteln der Versuche mit zwei Artgenossen-Gesichtern die richtige Wahl, wie die Forscher berichten. Bei allen anderen Mustern - auch mit den nachträglich manipulierten Wespengesichtern - habe die Trefferquote signifikant niedriger gelegen. (dapd)

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