Mittwoch, 22. Mai 2013

10. Mai 2012 12:17 Uhr

Zukunftsforscher

Der Sex der Zukunft - Was sich in unserem Liebesleben verändert

Sex mit vielen Partnern, vertraglich vereinbart - oder überhaupt nicht. Paare handeln ihre Beziehungen in kommenden Zeiten komplett neu aus, sagt ein Zukunftsforscher.

Die Sexualität des Menschen hat sich seit jeher verändert; je nach Mode und Trends. Was noch vor hundert Jahren tabuisiert war, kann heute normal sein und in weiteren 100 Jahren wieder ein Tabu. Deshalb überrascht die Nachricht, dass sich der Sex und die Arrangements von Paaren in der Zukunft ändern werden, nicht. Dennoch ist gerade das hochemotional besetzte Thema der Sexualität von Menschen ein Schauplatz wissenschaftlicher Neugierde. Und Zukunftsforscher scheinen derzeit ohnehin gern zitierte Gesprächspartner zu sein. So äußerte der Club of Rome seine Prognose für die Grenzen des Wachstums für die nächsten 40 Jahre.

Zukunftsforscher: Paare arrangieren Sex und Partnerschaft neu

Zum Thema Paare arrangieren Sex und Partnerschaften neu, hat die Nachrichtenagentur dpa nun mit dem Zukunftsforscher Andreas Steinle gesprochen. Der sagt, dass individuell ausgehandelte Arrangements zunehmend das Paarleben in Deutschland bestimmen würde. Konkret hieße das: Sex mit mehreren Partnern, vertraglich vereinbart - oder gar nicht.

ANZEIGE

Zukunftsinstitut in Kelkheim bei Frankfurt

«Liebes-Praktiken, die lange als Sittenverfall stigmatisiert wurden, rücken von den Rändern der Gesellschaft in den Mainstream», sagte der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, Andreas Steinle, in Kelkheim bei Frankfurt. «Verpflichtende Moralvorstellungen wie sie seitens der Kirchen formuliert werden, lassen mit der Individualisierung nach.»

Im Moment wohl gemerkt, denn wie schon eingangs erwähnt, wechseln sexuelle Moralvorstellungen und Vorlieben mit den Jahrhunderten. Knabenliebe, Homosexualität etc. waren alle schon einmal gesellschaftlich in gewisser Form akzeptiert. Der Auflösung einer christlichen Moralethik könnte durch das Aufkommen einer anderen Religion wieder rückgängig gemacht werden usw. usf.. Doch zurück zu Steinle, der den von ihm beobachteten Trend durch das Internet beschleunigt sieht.

Asexuelle Partnerschaften als auch polyamore Beziehungen

Zur Erotik der kommenden Jahrzehnte gehören sowohl asexuelle Partnerschaften als auch polyamore Beziehungen zwischen vielen Partnern, wie die Kelkheimer Zukunftsforscher in ihrem neuen Monatsmagazin «Trend-Update» schreiben. Diese legten großen Wert auf Dauerhaftigkeit und grenzten sich deutlich von hemmungslosem Partnerwechsel ab. Der schwierige Spagat zwischen Freiheit voneinander und dauerhafter Verpflichtung füreinander führe dazu, dass immer häufiger schriftlich fixiert werde, wann, wie, wo und wie oft man Sex haben wolle. Dies erinnert an eine Szene in dem Kinofilm Vom Suchen und Finden der Liebe, in der Uwe Ochsenknecht und Anke Engelke ein Paar spielen, dass am Frühstückstisch per PC kommuniziert und den Terminkalender abfragt, wann mal wieder zusammen Zeit für Sex hätte.

Schriftliche Fixierung von Sex

«Die traditionelle Beziehung bleibt zwar das vorherrschende Modell - aber längst nicht mehr in dieser Dominanz», sagte Steinle. Eifersucht sei dabei nicht das Problem. Denn: «Ein wichtiger Faktor bei solchen Arrangements ist, dass sie auf Freiwilligkeit und Transparenz basieren.»

Steinle: Sex der Zukunft nach Terminkalender?

Sex nach Terminkalender sei eine Antwort für Paare, die unter Zeit-Stress, hoher Arbeitsbelastung und anderen Anforderungen wie Kindererziehung und Pflege litten. «Dies wird durch die Mobilität noch verstärkt.» Auch Therapeuten rieten Paaren in der Krise, sich auf zeitliche Arrangements einzulassen, um die alte Intimität wiederzufinden.

In der Grauzone zwischen Freundschaft und Liebe entstünden ebenfalls neue Beziehungsformen wie beispielsweise freundschaftliche Vertrautheit mit gelegentlichem Sex. Oder noch unverbindlicher: das «Casual Date» - unkomplizierter Gelegenheits-Sex ohne Verpflichtung.

Online-Dating-Portale im Kommen

Rund 7,8 Millionen Menschen in Deutschland seien auf den Online-Dating-Portalen unterwegs: Das Internet wirkt bei all diesen Entwicklungen wie ein Verstärker, sagte Steinle. Menschen mit ungewöhnlichen Neigungen und bestimmten sexuellen Vorlieben fänden leichter Partner, die ihre Vorlieben teilten. Zugleich erhielten kleine Bewegungen eine Öffentlichkeit, die sie wachsen lasse. Aber auch die traditionelle Partnersuche im Internet sei erfolgreich. «Ein Viertel findet seinen Partner über die Portale.»

Der Sex der Zukunft könnte also auch ganz normal bleiben. Vielleicht wird das "Unnormale" einfach mehr in die Öffentlichkeit getragen als früher. stni/dpa

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Schlagworte

Sex



Neu in den Foren