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06. Oktober 2011 11:57 Uhr

Gesundheit

Essen wie die Höhlenmenschen: Steinzeit-Diät ist beliebt

Sind ist nicht unumstritten, findet aber trotzdem zunehmend Fans. Immer mehr Menschen setzen auf die Steinzeit-Diät, um abzunehmen.

Bei der Steinzeit-Diät werden nur Nahrungsmittel gegessen, von denen sich bereits unsere steinzeitlichen  Vorfahren ernährten, bevor sie sesshaft wurden. Aus Getreide gewonnenes Essen, Zucker oder Alkohol sind demnach ebenso tabu wie  Milchprodukte. Stattdessen gibt es frisches Obst, Eier und jede  Menge Fleisch.

Die Befürworter sehen die Ur-Kost als wirksamen  Schutz gegen Zivilisationskrankheiten wie Herzleiden, Übergewicht und Diabetes. Skeptiker halten dagegen, dass sich die Ernährungsgewohnheiten der Jäger und Sammler von vor 20.000 Jahren  nicht auf die heutige Zeit übertragen lassen.

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Die Theorie der Steinzeitdiät beruht auf der Annahme, dass die  kohlenhydrat-arme Ur-Kost Gesundheit und Gehirnfunktionen des frühen  Homo Sapiens gestärkt und somit die Entwicklung zum modernen  Menschen begünstigt habe. Die Anhänger dieser Ernährungslehre  verweisen darauf, dass das menschliche Erbgut seit der Steinzeit  weitgehend unverändert ist - und die menschliche Präferenz für viel  Fleisch somit in den Genen verankert ist.

Die Paläo-Diät wird von einigen Wissenschaftlern und  Fitness-Gurus geschätzt. «Vor zehn Jahren war das noch eine absurde  Idee, aber in den vergangenen zwei bis drei Jahren ist sie weltweit  bekannt geworden», sagt Professor Loren Cordain von der Colorado  State University. Millionen Menschen würden sich mittlerweile  wieder wie Steinzeitmenschen ernähren, ein halbes Dutzend  Ratgeberbücher zu dem Thema hätten es in die Bestseller-Listen  geschafft.

Cordain, der ein Buch über die Paläo-Diät verfasst hat, sagt,  dass die wissenschaftliche Forschung die Vorzüge dieser  Ernährungsweise bestätigt habe. Eine in der Fachzeitschrift  «Journal of Diabetes Science and Technology» veröffentlichte Studie  etwa sieht als Folge der Steinzeit-Speisen verbesserte  Blutzuckerwerte und ein vermindertes Risiko von  Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut einer schwedischen Untersuchung,  erschienen in der Fachzeitschrift «Journal Nutrition and  Metabolism», sättigt die Ur-Kost pro Kalorie sogar besser als die  als besonders gesund geltende Mittelmeer-Diät und beugt damit  Übergewicht vor.

Einige positive Aspekte der Steinzeit-Diät sind weitgehend  anerkannt, etwa die Ablehnung von industriell verarbeiteten  Lebensmitteln und die Bevorzugung von frischen Früchten, Gemüse und  Nüssen. Umstritten ist dagegen der Verzicht auf die meisten  Getreideprodukte und Milch bei gleichzeitiger Präferenz für  proteinreiche Fleisch- und Fischgerichte.

Wissenschaftlerin: Steinzeit-Diät nicht an heutige Lebensweise angepasst

Marion Nestle, Ernährungswissenschaftlerin an der New York  University, hält die Paläo-Diät für nicht an die sesshafte  Lebensweise des modernen Menschen angepasst. Außerdem bezweifelt  sie, dass in der Steinzeit tatsächlich die Hälfte der Kalorien  durch den Konsum von Fleisch aufgenommen worden seien, wie von  Anhängern dieser Ernährungsweise behauptet wird. «Das ist schwer zu  bestätigen», sagt Nestle. Schließlich habe die Lebenserwartung der  Menschen in der Steinzeit nur rund 25 Jahre betragen. Die  Ernährung, neben den anderen Lebensumständen, sei also «alles  andere als ideal» gewesen, schreibt die Wissenschaftlerin in einem  Forschungsaufsatz.

Cordain hält dagegen, dass auf der Erde noch immer Urvölker  existierten, die unter ähnlichen Bedingungen wie in der Steinzeit  lebten. In diesen Gesellschaften würden ältere Menschen nicht unter  sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, hohen  Cholesterinwerten und zu hohem Blutdruck leiden. «Wenn diese  Menschen aber westliche Ernährungsformen annehmen, dann  verschlechtert sich ihre Gesundheit», sagt er.

In einer Umfrage der Zeitung «U.S. News & World Report» unter  Ernährungswissenschaftlern schnitt die Ur-Kost schlecht ab. Das  Blatt betonte, dass bei der Steinzeit-Diät nur 23 Prozent der  Kalorien von Kohlenhydraten stammten - deutlich weniger als die 45  bis 65 Prozent, die von der US-Regierung empfohlen würden. Zugleich  würden die Werte für Proteine und Fette die Empfehlungen  übersteigen. afp

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