Montag, 20. Mai 2013

10. Mai 2012 11:42 Uhr

Wissenschaft

Menschenaffen haben kulturelle Eigenheiten

Wie beim Menschen: Auch bei Schimpansen gibt es kulturelle Unterschiede zwischen Nachbarn. Und die Menschenaffen können kulturelles Wissen abrufen und weitergeben.

Auch Menschenaffen haben kulturelle Eigenheiten: Friedrich Nietzsche schrieb in seinem Zarathustra: "Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt noch ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe." Ganz so verkehrt lag der Philosoph damit nicht. Denn Menschen und Menschenaffen ähneln sich oft mehr, als man lange Zeit glauben wollte. So kann sich die kulturelle Eigenart von Menschen schon auf wenigen Kilometern - bespielsweise zwischen zwei Dörfern - stark verändern. Auch bei Schimpansen ist dies der Fall, wie Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben.

Affen benutzen verschiedene Werkzeuge

In einem Nationalpark im Westen Afrikas knacken Affen Nüsse. Sie nutzen dabei jedoch in den einzelnen Gruppen verschiedene Werkzeuge. Dies berichten Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie, die im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste drei benachbarte Schimpansen-Gruppen beobachtet hatten. Die Studie ist im Fachmagazin «Current Biology» veröffentlicht.

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Forscherteam um Lydia Luncz

Das Forscherteam um Lydia Luncz war vor allem daran interessiert, ob die Schimpansengruppen unterschiedliches kulturelles Verhalten zeigen, trotzdem sie unter fast gleichen Umweltbedingungen leben und genetisch kaum unterscheidbar sind. «Beim Menschen sind kulturelle Unterschiede ein essenzieller Teil dessen, was benachbarte, in sehr ähnlichen Umweltbedingungen lebende Gruppen unterscheidet», so Luncz. Eine sehr ähnliche Situation sei nun bei den Schimpansen (Pan troglodytes verus) des Taï-Nationalparks gefunden worden.

Affen und Menschen - immer eine Frage der Kultur

Analysiert wurde von den Forschern, welche Werkzeuge die 45 Mitglieder der drei untersuchten Gruppen zum Nüsseknacken bevorzugten. Die Affen knacken Nüsse des Baums Coula edulis mit Stein- oder Holzhämmern und verwenden Baumwurzeln als Ambosse. Je nachdem wie hart die Nüsse sind, was im Laufe der Saison abnimmt, wechseln sie ihre Werkzeuge - und verwenden je nach Gruppe unterschiedliche Hämmer. Zwei Gruppen gingen während der «Erntezeit» von Stein- zu Holzhämmern über, verwendeten aber jeweils unterschiedliche Größen. Die dritte Gruppe benutzte durchgängig große Steinhämmer.

Affen rufen wie Menschen kulturelles Wissen ab, um Herausforderungen zu lösen

Die Verfügbarkeit von Holz- und Steinhämmern war in den untersuchten Gebieten aller Gruppen gleich, auch die Art der Nüsse. «Unsere Studie zeigt, dass es feine kulturelle Unterschiede zwischen benachbarten Schimpansengruppen gibt, die sich denselben Lebensraum teilen», sagt Lydia Luncz. Ähnlich wie die Menschen könnten auch Schimpansen kulturelles Wissen abrufen, um Aufgaben und Herausforderungen zu lösen und dies an auf sie folgende Generationen vererben.

Werkzeuggebrauch bei Schimpansen

«Ich werde im Dezember wieder an die Elfenbeinküste fahren, um weitere Fragen zum Werkzeuggebrauch und zur Kultur bei Schimpansen zu beantworten», erklärte Luncz. Dann solle es darum gehen, welche der drei Gruppen den besten Weg gefunden hat, die begehrten Nüsse zu knacken. «Auch wollen wir uns mit sozialem Lernen beschäftigen und die Frage beantworten, ab welchem Alter Jungtiere, die das Knacken lernen, mit der Gruppe konform sind.» dpa/stni

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