Montag, 11. Dezember 2017

05. Dezember 2017 21:45 Uhr

Medizintechnik

Neues Gerät lässt Blinde mit den Ohren sehen

Blinde sehen zu lassen - das ist das Ziel vieler Wissenschaftler. Ein israelischer Neurologe hat nun ein Gerät entwickelt, das Bilder in Geräusche umwandelt.

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Der Wissenschaftler Amir Amedi von der Hebräischen Universität in Jerusalem zeigt in der undatierten Aufnahme eine Brille die zum EyeMusic Projekt gehört.
Foto: Eyal Toueg/AMEDI LAB/dpa

Die Israelis sind ein pfiffiges Volk. Sie haben den USB-Stick erfunden, die Tröpfchenbewässerung in der Landwirtschaft, einen Gehroboter für Querschnittsgelähmte und einen der leistungsfähigsten Prozessoren für Computer. Nirgendwo werden mehr Tech-Firmen gegründet – was nicht nur an der staatlichen Förderung liegt, sondern vor allem am sprichwörtlichen israelischen Innovationsgeist.

Einer der vielen Wissenschaftler, die von ihm beseelt sind, ist der Neurologe Amir Amedi von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Er hat eine Technik entwickelt, mit der Blinde, salopp gesagt, mit den Ohren sehen können. Was paradox bis unglaublich klingt, folgt einem Vorbild aus der Tierwelt: So wie Fledermäuse und Delfine sich mithilfe von Geräuschen orientieren, sagt Amedi, funktioniere auch sein System: Eine kleine, auf eine Brille aufgesetzte Kamera filmt ein Objekt und übersetzt das, was sie erkennt, in Töne oder in Musik.

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Das Sehen wird durch das Hören ersetzt

Diese Informationen werden über einen Kopfhörer durch das Gehör aufgenommen, bei ihrer Verarbeitung aber werden auch Bereiche unseres Gehirns aktiviert, die für die visuelle Wahrnehmung zuständig sind. Amedi ersetzt sozusagen einen Sinnesreiz, nämlich das Sehen, durch einen anderen, nämlich das Hören.

Mit etwas Training, erzählt er, könnten Blinde mithilfe des Geräts rote und grüne Äpfel unterscheiden, Buchstaben erkennen, Tiere „sehen“ oder einfach nur ihre Schuhe schneller finden. Blinde, das weiß man, hören besonders gut, mit Amedis Sehtechnik können sie sich künftig aber nicht nur besser orientieren. Sie soll ihnen auch helfen, Gesichtsausdrücke wahrzunehmen – zum Beispiel ein Lächeln.

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Schlagworte

Jerusalem

Ein Artikel von
Rudi Wais

Augsburger Allgemeine
Ressort: Chef vom Dienst