Mittwoch, 26. April 2017

22. Januar 2012 16:21 Uhr

Verbot

Paracetamol und Aspirin können tödlich sein

Experten fordern ein Verbot von Paracetamol und Aspirin: Schon geringe Mengen könnten zum grausamen Tod führen.

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Die Deutschen greifen schnell zur Schmerztablette: Egal ob bei Rückenschmerzen, Migräne oder dem "Kater danach." Doch Schmerzmittel sind nicht ungefährlich: Bereits geringe Mengen können zu Leberversagen führen und schlimmstenfalls sogar tödlich enden. Wenn die durchzechte Nacht mal wieder unangenehme Kopfschmerzen verursacht hat, . Die Kopfschmerztablette hat hierzulande eine große Anhängerschaft. Rund 3,8 Millionen Deutsche schlucken pro Jahr rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel, . Sogar scheinbar harmlose Erkältungssäfte enthalten oftmals den schmerzstillenden Wirkstoff Paracetamol. Nur die wenigsten haben Bedenken, die frei erhältlichen Schmerzmittel wie Paracetamol oder Aspirin zu schlucken. Doch die Medikamente bergen erhebliche gesundheitliche Risiken. Der bedenkenlose Griff nach dem schmerzhemmenden Paracetamol führt zu massiven Schädigungen der Leber, in gravierenden Fällen sogar zum Tod.

Auch wenn die meisten Deutschen die Medikamente bedenkenlos einnehmen - laut Experten würde etwa ein Schmerzmittel wie Paracetamol heutzutage gar nicht mehr zugelassen werden. Auch der Professor an der Universität Erlangen, Kay Brune, schlägt Alarm. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus sagte er, dass man Paracetamol eigentlich nicht mal mit Rezept bekommen sollte. Bereits bei der zugelassenen Dosis von vier Gramm pro Tag können Patienten schwere Leberschäden davontragen."

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Kein schöner Tod durch Paracetamol

Nimmt jemand die doppelte Dosis ein, könne das zu einem Leberversagen führen. Brune rät Patienten generell von der Einnahme von Paracetamol ab. „Wir haben hier ein Medikament auf dem Markt, das bereits bei geringer Überdosierung tödlich wirkt. Und das ist kein schöner Tod, er zieht sich über mehrere Tage hin.“ Paracetamol solle abgeschafft werden, findet Brune.

Der Klassiker: Aspirin

Selbst den Klassiker schlechthin, die Kopfschmerz-Allzweckwaffe Aspirin, hält Brune für gefährlich. Der darin enthaltene Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) sei nur für Patienten mit ernsthaften Herz-Kreislauferkrankungen, etwa einem Herzinfarkt, zu verantworten. ASS wirke nur kurzfristig schmerzhemmend, jedoch "langfristig blutverdünnend", so der erfahrene Pharmakologe. Operationen müssten verschoben werden, wenn ein Patient Tage zuvor Aspirin eingenommen habe. Wer ASS zu sich nimmt, gehe ein "völlig unnötiges Blutungsrisiko" ein, meint Kay Brune gegenüber dem FOCUS.

Insbesondere sogenannte Kombipräparate, Mischungen verschiedener Wirkstoffe, seien besonders riskant. Patienten verlieren leicht den Überblick, welche Wirkstoffe sie in welchen Mengen aufgenommen haben. Die gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen seien meist höher als der erwartete positive Effekt.

Schlaganfall-Risiko um das Dreifache erhöht

Warum aber schleppt sich die Debatte um eine stärkere Kontrolle dieser Produkte so lange hin? Beide Wirkstoffe seien patentfrei, daher wolle kein Hersteller die Kosten für weitere wissenschaftliche Analysen aufbringen, von denen auch die Konkurrenz profitieren würde, meint Kay Brune von der Universität Erlangen.

Brune rät schmerzgeplagten Patienten statt Paracetamol oder Aspirin eher zu Ibuprofen oder Deiclofenac, wobei er betont, dass auch diese Produkte bei missbräuchlicher Einnahme zu Gesundheitsschäden führen können. Diese Medikamente seien zwar besser erforscht und verträglicher, dennoch handele es sich dabei aber um hochwirksame Medikamente und keine Lutschbonbons. Die Wirkstoffe dieser Präparate zerstörten den Schutz der Gefäße, allein die Dosis sei entscheidend, so Brune.

Hochwirksame Medikamente, keine Lutschbonbons

Laut sueddeutsche.de erhöht die regelmäßige Einnahme von Ibuprofen das Risiko eines Schlaganfalls um das Dreifache. Das Nachrichtenportal beruft sich dabei auf die Auswertungen eines Teams um den Berner Epidemiologen Peter Jüni. Die Wissenschaftler untersuchten 31 Studien mit insgesamt mehr als 116.000 Patienten, die regelmäßig Schmerzmittel einnahmen.

Schmerzpatienten stecken in einem Dilemma. Es gibt kaum Alternativen zu den Schmerzmitteln. Jüni auf sueddeutsche.de: "Was noch bleibt, ist Bewegung als Therapie".

 

Schmerzmittel für Todkranke

Während Experten von Schmerzmitteln abraten, diskutieren Politiker darüber, die Medikamentenbeschaffung für Todkranke einfacher zu machen: Das Bundesgesundheitsministerium will Ärzten erlauben, unheilbar Kranken bei der Betreuung zuhause dringend notwendige Schmerzmittel zu geben. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht der «Berliner Zeitung». Die geplante Änderung der Apothekenbetriebsordnung werde voraussichtlich Anfang Februar im Kabinett beraten.

Bislang dürfen in Deutschland nur Apotheken Medikamente verkaufen, der Arzt darf lediglich ein Rezept ausstellen. Der Zeitung zufolge beklagen Mediziner immer wieder, dass die Arzneimittelversorgung Todkranker vor allem am Wochenende und an Feiertagen schwierig ist, wenn Apotheken nur einen Notdienst haben. mit dpa

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Erlangen | Deutschland

Ein Artikel von
Stefan Reinbold

Mittelschwäbische Nachrichten
Ressort: Lokalnachrichten