Freitag, 26. Mai 2017

19. März 2017 15:07 Uhr

Nasenform

Studie: Kann das Klima die Form der Nase beeinflussen?

Nasen haben die unterschiedlichsten Formen und Größen. Bisher haben wir unsere Gene für die Nasenform verantwortlich gemacht. Forscher fanden heraus, dass auch das Klima eine wichtige Rolle spielt.

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Was letztendlich die Form der eigenen Nase bestimmt ist ein langer Prozess mit unterschiedlichen Einflussfaktoren. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass auch das Klima eine entscheidende Rolle spielt.

Die Nase und ihre Eigenschaften fallen meistens sofort auf. Es lässt sich feststellen, dass der Abstand zwischen den Nasenflügeln bei Menschen westafrikanischer, südasiatischer und ostasiatischer Abstammung deutlich größer ausfällt, als bei Europäern. Der sogenannte nasal index, der Höhe und Weite der Nase beschreibt, variiert deutlich. Es stellt sich nun die Frage, woher diese Unterschiede kommen.

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Nasenformen: Wie kann man sie vergleichen?

Das Anthropologenteam verglich anhand von 3D-Aufnahmen verschiedene Nasenmaße bei 467 Menschen mit Vorfahren aus Nordeuropa, Westafrika, Süd- und Ostasien. Diese Berücksichtigung von Weichteilen der Nase sei neu, betont die Paläoanthropologin Katerina Harvati (Universität Tübingen), die sich ebenfalls mit der Evolution von Gesichtsformen befasst. Auf Basis von Knochenausmessungen sei der Zusammenhang von Nasenformen und Umgebungsklima bereits öfter untersucht worden.

Auch in der Neandertalerforschung sei die Hypothese verbreitet, ergänzt Ottmar Kullmer vom Forschungsinstitut Senckenberg. Die meisten Unterschiede der weltweiten Nasenformen gingen auf völlig zufällige Veränderungen im Genpool zurück, die sogenannten Gendrift, schreibt das Team um Arslan Zaidi in seinem Artikel. Bei der Weite der Nasenlöcher und der Breite der Nasenbasis stellten die Forscher jedoch fest, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen größer waren als durch Gendrift allein erklärbar. Vielmehr habe dort über lange Zeit hinweg eine Anpassung an örtliche Lebensbedingungen stattgefunden, sagen die Forscher.  

Die Nase und ihre Funktion

Die Nase wärmt und befeuchtet die Luft, die wir einatmen, bevor sie die Lunge erreicht. 90% der eingeatmeten Luft hat bereits ihre nötige Temperatur und Feuchtigkeit, bevor sie zum Nasenrachenraum gelangt. Die Nase dient also nicht nur dazu, Schmutz und Partikel in der Luft aufzufangen, sondern temperiert die Luft auf ein für die Lunge gutes Niveau. Das ist wichtig, weil es sonst zu Entzündungen im Atemtrakt kommen kann.

Der Einfluss des Klimas auf die Form der Nase

Die Unterschiede von Form und Höhe der Nase lassen sich nicht allein genetisch erklären. Um zu testen, ob sich die Nase an das Klima anpasst, haben Forscher die räumliche Verteilung bestimmter „Nasenattribute“ mit der weltweiten Verteilung von Temperatur, absoluter und relativer Luftfeuchtigkeit verglichen. Es konnte ein Zusammenhang zwischen der Weite der Nasenlöcher und der Temperatur sowie der absoluten Luftfeuchtigkeit festgestellt werden. Menschen, die in eher kalten und trockenen Regionen leben, haben eine schmälere Nase als Menschen, die in feucht-warmen Regionen leben.

Ihre Erklärung für das Phänomen: In schmalen Nasenlöchern wird kalte, trockene Luft effektiver erwärmt und durch die Schleimhäute besser angefeuchtet, bevor sie in die Lungen gelangt. «Eine wichtige Funktion der Nase und der Nasenhöhle ist es, die eingeatmete Luft aufzubereiten, bevor sie den unteren Atemtrakt erreicht», beschreibt Ko-Autor Mark Shriver. Diese Eigenschaft sei in Gegenden mit trockenem und kühlem Klima wahrscheinlich essenziell gewesen und habe Überlebensvorteile verschafft.  

Die Wissenschaftler betonen, dass diese Zusammenhänge eine vereinfachte Erklärung sind. Die Form der Nase ist das Ergebnis einer langen Evolutionsgeschichte und hat viele - auch nicht messbare- Einflussfaktoren. Es kann zum Beispiel auch die Wahl der Sexualpartner eine Rolle spielen.

Die Studie wurde von mehreren Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Universitäten in Amerika durchgeführt. Der zusammenfassende Artikel ist in der Zeitschrift „PLOS Genetics“ nachzulesen. dpa/elisa

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