Mittwoch, 19. Juni 2013

21. Februar 2011 12:19 Uhr

Taillenumfang

Übergewicht soll nicht mehr per BMI gemessen werden

Ist der Body-Mass-Index zu hoch, gilt der Mensch als übergewichtig. Mit dieser Regel soll nun Schluss sein. Dafür sind ausgerechnet durchtrainierte Sportler verantwortlich.

Dicker Bauch: Gutes und schlechtes Fett. dpa

Mancher Sportler kennt das: Bestimmen sie ihren Body-Mass-Index (BMI), gelten sie oft als übergewichtig und gesundheitsgefährdet. Der Grund: Der BMI unterscheidet nicht, ob die gemessenen Werte durch Muskeln oder Fett zustande kommt.

Gerade bei Menschen mit vielen Muskeln sei der BMI deshalb unangebracht, sagt Harald Schneider, Mediziner an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Mit seiner Kritik ist Schneider nicht allein. Nicht nur für Sportler ist der BMI wenig aussagekräftig, bei älteren Menschen können Wassereinlagerungen fälschlich ins Gewicht fallen.

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Die Formel für den BMI stammt aus dem 19. Jahrhundert. Dabei teilt man das Körpergewicht durch die zum Quadrat genommene Größe in Metern. Die Rechenarbeit übernehmen mittlerweile zahlreiche Internettools. Als normal gilt der Weltgesundheitsorganisation zufolge ein Wert zwischen 18,5 und 25.

Doch auch in der Normalbevölkerung sagt der Index laut Schneider weniger über Gesundheitsrisiken aus, als lange gedacht. Denn mittlerweile gehen Experten davon aus, dass nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts entscheidend für bestimmte Krankheitsgefahren ist.

Schneider spricht von "gutem und bösen Fett": Der Speck um die Taille könne schädliche Fettsäuren und bestimmte Botenstoffe in den Körper abgeben, die Entzündungen fördern und damit Arteriosklerose vorantreiben. Hüft-, Oberschenkel- und Gesäßfett hingegen hätten nach jüngsten Untersuchungen nichts mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun und wirkten mitunter sogar schützend.

Mediziner schlägt Alternative vor

Da der BMI die Fettverteilung nicht berücksichtige, spiele er "keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen", betont der Mediziner, der den Zusammenhang zwischen BMI und Gesundheitszustand im vergangenen Jahr in einer großen Studie untersucht hat. Wer eine aussagekräftigere und noch dazu einfachere Alternative sucht, könne seinen Taillenumfang messen. Ein Wert über 102 Zentimetern bei Männern und 88 Zentimetern bei Frauen gelte neben anderen Faktoren als Gesundheitsrisiko.

Allerdings habe die Methode laut Schneider den "Nachteil, dass große und kleine Menschen über einen Kamm geschoren werden und die Körpergröße nicht einbezogen wird". dapd, AZ

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