Der Mars gilt vielen als der Zwillingsplanet der Erde. Jetzt kam heraus: Wanderdünen auf dem Mars sind so aktiv auf unserem Mutterplaneten.

Wanderdünen auf dem Mars sind so aktiv wie die auf der Erde: Der Rote Planet ist Symbol der Sehnsucht des Menschen, einst andere Planeten zu besiedeln. Und er liegt nahe genug, um mit unserem bisher doch noch primitiven High-Tech erreicht zu werden. Was Wissenschaftler und Pioniere aber finden müssten, sind Grundbedingungen für Leben. Dazu gehört Wasser, was schon auf dem Mars gefunden wurde. Doch bald wöchentlich erreichen uns neue Nachrichten, die die Hoffnung schüren, dass Leben auf dem Mars einst möglich sein wird. Ein weiterer klitzekleiner Stein ist die Meldung, dass sich der Mars der Erde stark ähnelt: Und sei es in diesem Fall auch "nur" bei Wanderdünen.
Auf dem Roten Planeten Mars haben Wissenschaftler Wanderdünen entdeckt, die gleich aktiv sind wie die auf unserem Heimatplaneten, der Erde. Einzelne sogenannte Sand-Riffel bewegten sich in rund 100 Tagen um bis zu 4,5 Meter, schreibt die Wissenschaftler-Gruppe um Nathan Bridges von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität im britischen Journal «Nature». Über einen sehr langen Zeitraum galten die Dünen des Mars als unveränderbare Relikte eines längst "gestorbenen" Klimas mit wesentlich dichterer Atmosphäre und entsprechend stärkeren Winden. Neuere Studien aber hatten bereits Sandbewegungen auf dem Mars erkannt. Sie hätten aber nicht klären können, ob ganze Dünen sich bewegen, erklären die Forscher in «Nature».



Das Team um Bridges analysierte Aufnahmen der HiRISE-Kamera an Bord der Nasa-Sonde «Mars Reconnaissance Orbiter», die noch 25 Zentimeter kleine Details auf dem Roten Planeten erkennen kann. Dies sei die beste Auflösung einer nicht-militärischen Raumsonde, betont der an der Untersuchung nicht beteiligte Forscher Jasper Kok von der Cornell-Universität (USA) in einem Begleitartikel in «Nature». Im Abstand von 105 Tagen fotografierten die Astronomen das Nili-Patera-Dünenfeld auf dem Mars. Die Auswertung der Aufnahmen zeigt, dass sich die Sand-Riffel umso schneller bewegen, je höher sie auf den Dünen liegen. Auf der Erde ist das ein klassisches Merkmal von Wanderdünen, wie Kok betont.
Die Untersuchung ergab eine Bewegung, die man typisch nennen kann, von etwa 2,3 Kubikmetern Sand pro Höhenmeter Düne im Jahr. Den Berechnungen zufolge sind damit ähnliche Sandmassen in Bewegung wie etwa im Victoria-Tal in der Antarktis. Die Wissenschaftler rätseln nun, wie es zu der starken Aktivität auf dem Roten Planeten kommt. Denn die Atmosphäre des Mars ist etwa rund hundert Mal dünner als die der Erde, so dass erst hurrikanartige Stürme Sandkörner in die Luft wirbeln könnten.
Deswegen haben Forscher die Dünen des Mars lange einer anderen Epoche geordnet, die vor knapp zwei Milliarden Jahren geendet haben und eine wesentlich dichtere Atmosphäre gehabt haben soll. Vielleicht sei die Dynamik des Fluges von Sandkörnern auf dem Roten Planeten anders als gedacht, wobei auch die geringere Schwerkraft des Mars eine Rolle spielen könnte, vermuten die Wissenschaftler. stni/dpa
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren