Freitag, 23. Juni 2017

22. Juni 2017 07:59 Uhr

Rötung & Symptome

Was ist bei einem Zeckenbiss zu tun?

Zecken beißen nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Menschen - das ist nicht immer ungefährlich. Was sind FSME und Borreliose und woran erkennt man die Krankheiten?

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Zecken sind Überträger von Krankheiten wie FMSE und Borreliose. Die schnelle und richtige Entfernung des Insekts kann in manchen Fällen schon eine Infizierung verhindern.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Der Sommer steht vor der Tür und die wenigsten bleiben wohl während der wärmsten Zeit des Jahres im Haus. Doch nicht nur Kinder und Erwachsene sind im Freien unterwegs - auch Zecken lieben die heißen Monate. Besonders in den sogenannten Risikogebieten, zu denen viele Landkreise in Bayern gehören, sind Zecken zu finden. Auch in der Stadt beißen sie sich am Körper fest.

Doch Zecken sind nicht nur Blutsauger, sondern sie übertragen auch Krankheiten, zum Beispiel FMSE und Borreliose. Das sollten Sie bei einem Zeckenbiss alles wissen und beachten.

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Nach dem Zeckenbiss: So entfernen Sie die Zecke

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rät dazu, das Insekt nach dem Biss sobald wie möglich herauszuziehen, um eine Infektion zu vermeiden. Dabei sollten möglichst alle Teile des Tierchens entfernt werden. Zur Entfernung greift man die Zecke mit einer Pinzette oder speziellen Zeckenzange nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. "Möglichst sollte die Zecke dabei nicht gedreht werden und auf keinen Fall darf sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden", so das RKI weiter. Dies könnte dazu führen, dass das Tier seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach Entfernung des Insekts wird eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen.

Nach Zeckenbiss: Rötung ist ein Warnzeichen

Da Zecken Krankheiten wie Borreliose oder FMSE übertragen, ist es sinnvoll, nach der Desinfektion die Stichstelle mit einem Kugelschreiber zu umkreisen. Somit ist es einfacher, eine eventuelle Ausbildung eines roten Infektionsrings - die sogenannte Wanderröte - in der Haut besser verfolgen zu können. Sie ist nämlich ein Hinweis auf eine beginnende Borreliose. Auch ein Foto von der Stichstelle der Zecke könne hilfreich sein, so die Experten. Wenn nach einigen Tagen oder auch Wochen eine deutliche ringförmige Hautrötung, typischerweise im Zentrum blasser als am Rand, um den Zeckenbiss herum ausweiten, sollte ein Hausarzt hinzugezogen werden.

Borreliose und FSME: Diese Krankheiten werden von Zecken übertragen

Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine durch Viren verursachte Entzündung des Gehirns und der Gehirnhäute. Von einer Borreliose-Erkrankung sind hauptsächlich die Haut, das Nervensystem und die Gelenke betroffen. Beide Krankheiten werden hauptsächlich über Zecken übertragen.

Während Borrelien erst etwa 24 Stunden, nachdem die Zecke zu saugen beginnt, übertragen werden, geschieht das für FSME-Viren bereits zu Beginn. In den entsprechenden FSME-Risikogebieten sind allerdings nur wenige Zecken infiziert, im Schnitt 0,1 bis 3,4 Prozent. Studien zufolge tritt bei etwa fünf Prozent der gebissenen Menschen eine Lyme-Borreliose auf. Nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten, rund ein Prozent, entwickelt Krankheitssymptome.

Als FSME-Risikogebiete gelten vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und das südöstliche Thüringen. Hinzu kommen einzelne Landkreise im übrigen Hessen, in Rheinland-Pfalz, in Sachsen und im Saarland. Einzelfälle von FSME nach Zeckenbissen wurden aber in fast allen Bundesländern beobachtet. Die Borreliose kommt in ganz Deutschland vor.

Inzwischen gehören 83 der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte zu den vom Robert-Koch-Institut deklarierten FSME-Risikogebieten. In der Region sind die Landkreise Neu-Ulm, Donau-Ries, Aichach-Friedberg, Neuburg-Schrobenhausen, das Unter-, Ost- und Oberallgäu sowie der Landkreis Lindau von FSME betroffen. Seltener kommt der von Zecken übertragene Erreger in Stadt und Landkreis Augsburg sowie in den Landkreisen Dillingen, Günzburg und Landsberg vor.

Zecken sind inzwischen auch in Städten verbreitet

Die Insekten haben sich mittlerweile ach in Städten ausgebreitet, zum Beispiel in Parks, Gärten oder auf anderen Grünflächen. Stadtbewohner sollten daher ebenfalls aufmerksam und sensibel sein, so der Zeckenexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Baden-Württemberg, Stefan Bosch. Der Holzbock zum Beispiel, die am weitesten verbreitete Zeckenart, nutzt alle Lebensräume, die ihm von seinen Ansprüchen her entgegenkämen. So möge es das Tier gerne grün, mit Laub und ein bisschen feucht. Die Zecke ist kein reines Waldtier, tatsächlich muss man überall mit ihr rechnen.

Daher geht der Rat an alle Spaziergänger in Städten und auf dem Land, zum Schutz vor Zecken lange Kleidung und feste Schuhe zu tragen. Auch über die Hosenbeine gestülpten Strümpfe machen es den Zecken weitaus schwerer, an die nackte Haut zu gelangen. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen.

Gegen die Zecke selbst kann man sich nicht impfen lassen. Doch eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung, die dann alle drei bis fünf Jahre aufzufrischen ist, schützt gegen FSME. Bei Borreliose gibt es ebenfalls keine Schutzimpfung. AZ

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