Dick durch Chemikalien?Der BUND warnt vor Weichmachern in Plastik. Laut einer Studie können sie Fettleibigkeit und Diabetes verursachen. Wichtige Antworten zu den Risiken.

Weichmacher und andere synthetisch hergestellte Chemikalien stehen im Verdacht, Fettleibigkeit und Diabetes zu fördern. Eine Studie im Auftrag der Umweltorganisation BUND, für die rund 240 Einzelstudien der vergangenen Jahre zusammenfasst wurden, stellte diesen Zusammenhang nun fest.
«Die Belastung mit Chemikalien wie Bisphenol A im Mutterleib hat bei Versuchstieren zu einer späteren Gewichtszunahme und einer erhöhten Insulinresistenz geführt», sagte BUND-Chemieexpertin Sarah Häuser. Vor allem empfindliche Gruppen wie Schwangere und Kinder müssten besser geschützt werden. Der BUND fordert daher die Bundesregierung zum Handeln auf.
Welche Industriechemikalien stehen in der Kritik?
Im Verdacht, Fettleibigkeit und Diabetes hervorzurufen, sind laut Studie sechs Gruppen von Chemikalien: Weichmacher, die Produkte aus PVC biegsamer machen (in PVC-Böden, Vinyltapeten, Duschvorhängen, Kinderspielzeug, Sexspielzeug); Flammschutzmittel (in Fernsehern, Computern, Polstermöbeln), Bisphenol A (in Lebensmittel-Verpackungen und Kassenbons), Zinnorganische Verbindungen (in aufblasbarem Wasserspielzeug, Schuhen), Organophosphat-Pestizide (in Obst und Gemüse) und Altlasten wie die Gifte Dioxin oder PCB, die in der Umwelt noch immer vorhanden sind (in fettem Fisch).
Wie wirken Industriechemikalien auf den Menschen?
Zahlreiche Chemikalien haben eine den menschlichen Geschlechtshormonen ähnliche Wirkung. Sie können das Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen, indem sie die Wirkung natürlicher Hormone nachahmen oder blockieren. Bisphenol A etwa wirkt als künstliches weibliches Sexualhormon, Phtalat-Weichmacher wirken hemmend auf männliche Geschlechtshormone. Andere Chemikalien beeinträchtigen den Stoffwechsel, stören etwa womöglich die Appetitkontrolle. Viele hormonelle Schadstoffe sind gerade in niedriger Konzentration hoch wirksam - höhere Dosen haben dagegen manchmal gar keinen Effekt.
Wer ist besonders gefährdet?
Art und Ausmaß einer Schädigung können stark vom Zeitpunkt der Belastung abhängen. In der Schwangerschaft und der frühen Kindheit können die Schäden besonders groß sein. Sie zeigen sich aber oft erst im Erwachsenenalter, etwa durch eine Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit oder Störungen des Immunsystems.
Warum sind diese Stoffe nicht verboten?
Weichmacher in Babyprodukten und Kinderspielzeug sind in der EU bereits verboten, auch Bisphenol A in Babyfläschchen. In Tests werden aber immer wieder Produkte gefunden, die gegen dieses Verbot verstoßen. Dänemark, Frankreich und Belgien haben auch Bisphenol A in Lebensmittel-Verpackungen untersagt. Die Hersteller der Chemikalien und der Produkte wenden sich aber mit aller Macht gegen Verbote.
Was sollte die Bundesregierung laut BUND tun?
Die Organisation fordert, vor allem schwangere Frauen und Kinder besser vor hormonellen Chemikalien zu schützen. Die Bundesregierung soll wie die anderen Länder auch Bisphenol A in Lebensmittel-Verpackungen und Kinderprodukten verbieten und sich dem Vorschlag Dänemarks anschließen, das in der EU ein Verbot von vier Phtalat-Weichmachern fordert. Bei der Überarbeitung der europäischen Chemikalien-Richtlinie Mitte 2013 sollte sich die Bundesregierung für eine Pflicht der Unternehmen einsetzen, hormonelle Schadstoffe durch sichere Alternativen zu ersetzen. dpa/afp/AZ
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