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Gesellschaft

30.11.2016

180 Asylbewerber im Wittelsbacher Land müssen umziehen

Mhamod, Halah, Khaled, Ghazal und Saida Torabe sind unglücklich über den Umzug, den das Landratsamt angeordnet hat. Für ihre Sachen ist in der neuen Unterkunft zu wenig Platz. Ihr Schicksal teilen viele Flüchtlinge im Landkreis.
Bild: Ute Krogull

Mietverträge von kleinen Unterkünften enden, große Unterkünfte stehen leer. Bei den Neuzuweisungen prallen Interessen aufeinander, wie bei Familie Torabe.

Sie waren mit die ersten Asylbewerber, die in Friedberg ankamen. Vor vier Jahren wurden sie mit einem Geschenkkorb empfangen. Seitdem wartet die Familie Torabe auf einen Aufenthaltsstatus. Sie sind als Syrer aus dem Westjordanland staatenlos, ihr Fall ist kompliziert. Neben der zermürbenden Warterei macht ihnen jetzt ein Umzug zu schaffen. An einem Mittwoch, so erzählen sie, kam der Brief, dass sie am darauffolgenden Montag aus ihrer kleinen Wohnung in Ottmaring umziehen müssten, und zwar in Friedbergs größtes Flüchtlingsheim in der Marquardtstraße im Gewerbegebiet zwischen Supermarkt und Polstermöbelfabrik. Wie Torabes mussten jetzt landkreisweit 180 Asylbewerber umziehen. Den Hintergrund erläutert Simone Losinger, die beim Landratsamt für das Thema zuständig ist.

Zurzeit laufen viele Mietverträge für kleine Unterkünfte aus, vor allem im Stadtgebiet Friedberg. Gleichzeitig werden größere Unterkünfte fertig, die zum Höhepunkt der Flüchtlingswelle angemietet und bis jetzt umgebaut wurden. Dazu zählt auch die Marquardtstraße 8. In Friedberg müssen nicht nur die Flüchtlinge aus Ottmaring umziehen. Auch die Containerunterkunft nahe Herrgottsruh wird abgebaut. Flüchtlinge aus der Meraner Straße zogen ins Autefa-Gebäude Unterm Berg.

Zwei Gründe gibt es laut Losinger für diese Veränderungen: Der Staat hat einen Mietstopp für neue Unterkünfte ausgegeben. Gleichzeitig versuche man, Mietkosten und damit Steuergelder zu sparen.

180 Asylbewerber im Wittelsbacher Land müssen umziehen

Die meisten Umzüge gehen sang- und klanglos über die Bühne, im Fall Torabe aber gibt es Beschwerden. Der Ottmaringer Helferkreis setzt sich für die Familie mit drei Kindern ein. Man wolle erreichen, dass sie in ihrem neuen Heim, das mit Neonleuchten und Stockbetten ausgestattet ist, wenigstens ein Kinderzimmer bekommen, sagt Rüdiger Lischka. Saida Torabe erklärt: „Unsere Kinder sind noch nicht in der Schule, sie müssen um acht ins Bett. Das ist schwierig, wenn wir uns ein Zimmer teilen.“

Marion Brülls, die sich für Flüchtlinge in Friedberg einsetzt, fordert, dass die Torabes zurück in die alte Wohnung dürfen, die der Stadt gehört. Der Mietvertrag laufe noch, die Unterkunft sei billig und so heruntergekommen, dass die Stadt sie nicht an Deutsche vermieten würde. Vielmehr warte das Gebäude auf den Abbruch. Auch andere Aspekte stoßen den Beteiligten auf. So sei der Bescheid extrem kurzfristig gekommen, Möbel dürfe die Familie nicht mitnehmen. Die wären aber dringend nötig, denn in den vorhandenen Metallspinden ist zu wenig Platz für die Kleidung der fünf Torabes.

Losinger versteht, dass die Situation nicht einfach ist, beruft sich aber auf die Gleichbehandlung. Auch andere Familien seien nun gezwungen, in einem Zimmer zusammenzuleben; die Mindestfläche werde eingehalten, Möbel könnten eingelagert werden. Auch für den kurzfristigen Bescheid hat sie eine Begründung: „Die Erfahrung zeigt, wenn man zu früh informiert, bringt das Unruhe.“ Man habe versucht, bei Umzügen darauf zu achten, dass die Betroffenen weiter ihre Arbeit ausüben beziehungsweise die Kinder in die gewohnte Schule oder Kita gehen können. Auch Saida Torabe kann weiter in Ottmaring die Kirche putzen, die Kinder können in den Kindergarten. Brülls würde sich trotzdem eine differenzierte Vorgehensweise des Landratsamtes wünschen: „Härtefälle werden nicht berücksichtigt“, kritisiert sie.

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