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Prozess

14.04.2015

19-Jährige ist ohne Führerschein im gestohlenen Auto unterwegs

Junge Frau wurde außerdem mehrmals beim Schwarzfahren erwischt. Erst wenige Tage vor der Verhandlung wurde sie aus dem Gefängnis entlassen

Vom Gelände einer Leihwagenfirma im Raum München hat eine 19-Jährige im Herbst vergangenen Jahres ein Auto gestohlen. Damit war sie bis nach Nürnberg gefahren, obwohl sie keinen Führerschein hatte. Mehrmals war sie im vergangenen Jahr auch beim Schwarzfahren im Zug erwischt worden. Erst am Freitag war die 19-Jährige aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach entlassen worden. Dort hatte sie wegen Diebstahls eine mehrmonatige Strafe abgesessen. Das Schöffengericht und auch Staatsanwalt Maximilian Klein wollten der Angeklagten gestern noch eine Chance geben.

Vor allem, weil die 19-Jährige das Wochenende nach der Entlassung aus der JVA genutzt hatte, um einen „Fahrplan“ zu entwerfen, wie sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen will. Aus der Bahn geraten war es scheinbar schon ziemlich früh. Die Mutter sei im Umgang mit der Tochter „sehr defizitorientiert“, hatte die Jugendgerichtshilfe festgestellt. Die Angeklagte „hat Schwierigkeiten, mit der Ablehnung der Mutter zurechtzukommen“, hieß es in der Beurteilung.

Die heute 19-Jährige begann Drogen zu nehmen und trank Alkohol. Auch Mitte Oktober vergangenen Jahres, als sie den Leihwagen stahl, hatte sie Drogen konsumiert. Als Grund gab sie an, dass sie sich an dem Tag von ihrem Freund getrennt hatte. Bei einem Besuch bei ihm hatte sie festgestellt, dass er neben ihr noch eine andere Freundin hatte. Daraufhin sei die Angeklagte relativ wirr in den Straßen herumgelaufen und schließlich am Gelände der Leihwagenfirma gelandet, erklärte Verteidigerin Anja Seitz-Dembinsky. Dort habe die 19-Jährige nach einem offenen Auto Ausschau gehalten, um sich aufzuwärmen.

Warum sie dann mit dem Fahrzeug losgefahren war, kann sich die Angeklagte bis heute nicht erklären. Ein konkretes Ziel hatte sie nicht, ebenso wenig einen Führerschein. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passieren hätte können“, sagte Dieter Gockel, Vorsitzender des Schöffengerichts.

Im Vergleich zum Schwarzfahren sei der Diebstahl des Autos wirklich kriminell gewesen, sagte Staatsanwalt Klein. Ohne etwas Fahrerfahrung habe sie auch noch eine erhebliche Strecke zurückgelegt. Wäre der Vorfall verhandelt worden, solange die 19-Jährige noch in der JVA saß, wäre Bewährung für ihn nicht in Frage gekommen, machte Klein deutlich. Jetzt dachte der Staatsanwalt anders, weil die Angeklagte auf ihn den Eindruck machte, dass sie „hinreichend motiviert sei, um an ihren Problemen zu arbeiten“.

Für den Fall, dass die Bewährung nicht funktioniert, sollte die Strafe jedoch auch nicht zu niedrig ausfallen, um dann mit der 19-Jährigen in der JVA arbeiten zu können. Klein sprach sich deshalb für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten aus. Als Auflage regte er an, dass sie eine Drogentherapie macht und 40 Stunden gemeinnützige Hilfsdienste leistet.

Die Verteidigerin schloss sich im Wesentlichen dem Staatsanwalt an. Nur das Strafmaß setzte sie niedriger an. Seitz-Dembinsky hielt 15 bis 18 Monate für ausreichend. Bei dem Vorfall mit dem Auto sei ihre Mandantin in einer Ausnahmesituation gewesen, sagte die Verteidigerin. „Da hat der Verstand ausgesetzt.“

Das Schöffengericht verurteilte die 19-Jährige wegen Diebstahls, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Leistungserschleichung zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe. Zusätzlich zu den Auflagen muss die Angeklagte sich auch um eine Unterkunft im betreuten Wohnen und um einen Ausbildungsplatz bemühen. Nach der Jugendstrafe sei die Bewährung eine besondere Auszeichnung, betonte Gockel.

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