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Adelzhausen

29.11.2017

19-Jährigem in den Kopf geschossen: Anklage wegen Körperverletzung

Am Pendlerparkplatz nahe der Kapelle St. Salvator wurde dem 19-Jährigen in den Kopf geschossen.
Bild: Karl Stöckner (Archiv)

Bei einem Waffengeschäft wurde ein 19-Jähriger durch einen Schuss lebensgefährlich verletzt. Wie die Ermittler den Fall sehen – und welche Rolle eine Armbrust spielt.

Wer die Bilder in den Akten sieht, kann sich kaum vorstellen, dass Florian P. (Name geändert), 19, das überlebt hat. Ein Projektil aus einer Pistole traf seine Stirn und durchschlug den Kopf. Es wirkt wie aus einem Mafiafilm. Florian P. wurde im Augsburger Klinikum notoperiert, die Ärzte dort versetzten ihn in ein künstliches Koma. Sein Zustand hat sich seither deutlich verbessert. Er konnte die Klinik wieder verlassen. Stark eingeschränkt ist er durch die schweren Hirnverletzungen aber noch immer.

Es ist ein Kriminalfall, der mysteriös wirkt. Der Schuss fiel im Sommer auf einem Pendlerparkplatz an der Autobahn A8, bei der Kapelle Sankt Salvator nahe Adelzhausen. Florian P. – er stammt aus dem Raum Göppingen – traf sich dort am 31. Juli abends mit Sebastian M. (Name geändert), 39, um ein Waffengeschäft abzuwickeln. Er wollte dem in München lebenden Mann eine Pistole abkaufen. Als Ort für die Übergabe hatten sie den Parkplatz vereinbart. Doch das geplante Geschäft platzte. Die Polizei teilte danach mit, es sei zwischen den Männern zu einem Handgemenge gekommen, in dessen Verlauf ein Schuss aus der Pistole des 39-Jährigen abgegeben worden sei.

Auf dem Parkplatz haben sich dramatische Szenen abgespielt

Sebastian M. kam direkt danach in Untersuchungshaft, die Augsburger Kriminalpolizei ermittelte wegen des Verdachts des versuchten Totschlags. Inzwischen sind die Ermittlungen der Kripo abgeschlossen. Demnach haben sich an jenem Abend auf dem Parkplatz dramatische Szenen abgespielt. Der Verdacht gegen den 39-jährigen Waffenverkäufer hat sich inzwischen aber etwas abgeschwächt. Sebastian M. wurde vor Kurzem aus der Haft entlassen. Die Staatsanwaltschaft hat, wie deren Sprecher Matthias Nickolai auf Anfrage bestätigt, jetzt Anklage gegen ihn erhoben. Allerdings nicht mehr wegen versuchtes Totschlags, sondern wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzung. Damit ist die Strafe, die ihm droht, wohl geringer.

Der 39-Jährige, der als Jäger die Pistole legal besaß, gibt nach Informationen unserer Redaktion an, dass er während des Treffens die Waffe nicht mehr an Florian P. verkaufen wollte. Das Geschäft sei geplatzt, weil der 19-Jährige keine Waffen-Erlaubnis hatte. Sebastian M. fuhr wieder weg. Er wurde aber kurz darauf von dem 19-Jährigen auf dem Handy angerufen. Florian P. sagte, sein Auto springe nicht mehr an, er benötige Starthilfe. Was sich abspielte, als er zum Parkplatz zurückkehrte, schildert Sebastian M. so: Der 19-Jährige habe mit einer Armbrust auf ihn geschossen. So sei es zu dem Gerangel gekommen, in dessen Verlauf der Schuss gefallen sei. Fest steht: Sebastian M. wählte sofort den Notruf. Die Retter waren schnell vor Ort, ein Hubschrauber flog den 19-Jährigen ins Klinikum.

Der 18-Jährige und der 39-Jährige widersprechen sich

Als eine Notwehrsituation, die keine Strafe nach sich zieht, bewertet die Staatsanwaltschaft den Fall aber nicht – sonst hätte sie nicht Anklage erhoben. Das Gesetz macht dafür auch strenge Vorgaben: Unter anderem muss tatsächlich ein aktueller Angriff geschehen, außerdem muss die Reaktion des Angegriffenen verhältnismäßig sein. Nur dann ist es Notwehr. Die Armbrust lag den Ermittlungen zufolge aber wohl schon am Boden, als Sebastian M. den Schuss abgab.

Und der 19-Jährige erinnert sich noch einmal anders. Er gibt offenbar an, den 39-Jährigen gar nicht bedroht zu haben. Er habe ihm die Armbrust zum Verkauf anbieten wollen. Er sagt, er habe beide Hände gehoben, als er die Pistole sah. Dennoch habe Sebastian M. dann noch auf ihn gefeuert. Als reines Opfer stufen die Ermittler den 19-Jährigen aber ebenfalls nicht ein.

Gegen ihn wurde wegen versuchter Körperverletzung ermittelt. Das Verfahren wurde aber jetzt vorläufig eingestellt, weil Florian P. wegen seiner Verletzungen bis auf Weiteres nicht als verhandlungsfähig gilt. Ob er im Prozess gegen den Schützen als Zeuge auftreten kann, hängt nach Einschätzung seiner Anwältin Marion Zech davon ab, wie sich sein Gesundheitszustand entwickelt. Das Verfahren soll vor dem Landgericht stattfinden, ein Termin dafür gibt es aber noch nicht. Eine Gutachterin soll zuvor noch klären, ob die Schussverletzungen im Kopf zu einer der beiden Schilderungen der Beteiligten zusammen passen. Vermutungen, wonach Florian P. vor dem geplanten Waffengeschäft zum Islam konvertiert sei und er sich dabei radikalisiert habe, widerspricht die Anwältin. Er habe damit keine Straftaten geplant.

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