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Prozess

08.03.2018

22-Jähriger kauft harte Drogen im Darknet

Ein junger Mann wurde in Aichach zu einer Jugenstrafe verurteilt.
Bild: Alexander Kaya

Der junge Mann fiel auch durch Gewalt gegen Angehörige auf. Aichachs Jugendschöffengericht fällt ein klares Urteil.

Still sitzt er auf der Anklagebank. Er verliert nicht viele Worte. Was der 22-Jährige aus dem nördlichen Teil des Landkreises vor dem Jugendschöffengericht in Aichach sagt, klingt einsichtig und vernünftig. Doch an dieser Einsicht hat das Gericht nach eineinhalb Stunden Verhandlung große Zweifel. Deshalb hat es das Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, in sich: Zwei Jahre und sieben Monate Jugendhaft verhängt das Gericht unter Vorsitz von Eva-Maria Grosse gegen den jungen Mann – wegen vorsätzlichen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln, teils in erheblicher Menge.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft räumt er ein. Demnach kaufte er im Spätsommer 2016 zweimal von daheim aus Drogen im Darknet – einem schwer zugänglichen Teil des Internets. An einem Tag erstand er Marihuana, Kokain, Ecstasy-Tabletten, LSD-Trips und Heroin. An einem anderen kaufte er 100 Gramm Marihuana. Beide Male ließ er sich die Drogen nach Hause liefern. Es sei „eine sehr schwierige Zeit“ für ihn gewesen, begründet der junge Mann sein Handeln.

Als sein Lieferant in Thüringen aufflog und die Polizei dessen Kundendaten knackte, stieß sie auch auf den 22-Jährigen. Sein Verfahren ist eines von über 1700 Folgeverfahren, die die Beamten des Landeskriminalamts Thüringen nach dem Ermittlungserfolg einleiteten. Auch bei dem jungen Mann aus dem Wittelsbacher Land standen irgendwann Beamte zu Hause und durchsuchten alles. Sie fanden nichts Illegales mehr. Er habe damals „sehr viel konsumiert“, sagt der Angeklagte auf Nachfrage einer Schöffin.

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Schon früher hatte er mit Drogen zu tun. Er ist einschlägig vorbestraft. Wegen einer ganzen Latte von Straftaten wurde er 2015 zu einer neunmonatigen Jugendstrafe verurteilt: Wie die Richterin vorträgt, unter anderem deshalb, weil er mehrfach Drogen gekauft und einmal sogar aus den Niederlanden über die Grenze gebracht hatte.

Angeklagter übte massive Gewalt gegen Familienangehörige aus

Aber auch, weil er mehrfach massive Gewalt gegen Familienangehörige ausübte und ihnen zum Teil sogar mit dem Tod drohte. Jugendgerichtshelferin Conny Metz schildert, wie das Zusammenleben immer schwieriger wurde, sogar ein Kontaktverbot zu Familienmitgliedern erwirkt, der junge Mann aber in der Hoffnung auf Besserung doch wieder zu Hause aufgenommen wurde. Als er achtmal beim Schwarzfahren erwischt wurde, wurde in einem zweiten Urteil die Strafe auf eineinviertel Jahre aufgestockt. Erst das Landgericht setzte sie in zweiter Instanz zur Bewährung aus – quasi als letzte Chance für den jungen Mann.

Mit längerem Anlauf, wie die Richterin hervorhob, trat er eine Therapie an. Sie dauerte fast ein Jahr. Kaum zu Hause, kam der Rückfall. Schon eine Woche später habe die Mutter Cannabisgeruch bemerkt, die Konflikte nahmen zu, wie der Bewährungshelfer vor Gericht schildert. Für die Familie sei die Lage endgültig unerträglich geworden. Die Mutter warf den Sohn raus. Er wohnt nun bei Verwandten.

„Hochmotiviert“ sei er aus der Therapie gekommen, sagt der Sohn. Doch dann sei es in der Arbeit nicht gelaufen wie erhofft. Dazu seien die familiären Probleme gekommen. Dabei hatte ihm der Bewährungshelfer eine betreute Wohnform angeboten. Doch das lehnte der junge Mann ab. Er wollte wieder heim.

Richterin, Staatsanwalt und Verteidigerin sind sich am Ende einig: Eine positive Sozialprognose sehen sie nicht. Im Gegenteil: Staatsanwalt Benjamin Junghans spricht angesichts der Vielzahl und Schwere der Taten sogar von besonderer Schwere der Schuld. „Ein ganzer Basar an harten Drogen“ sei es gewesen, den der Angeklagte gekauft habe. „Das zeigt mir, dass der Angeklagte relativ professionell das Ganze aufgezogen hat.“ Er fordert zwei Jahre und sieben Monate Jugendstrafe.

Dem schließt sich das Gericht später an. Da hilft es auch nicht mehr, dass die Verteidigerin auf das Geständnis und die Einsicht ihres Mandanten sowie die abgeschlossene Therapie verweist. „Ein Rückfall ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel“, sagt sie. Sie bittet, den jungen Mann „nur“ zu zwei Jahren zu verurteilen, damit er gleich eine neue Therapie aufnehmen kann.

Das Gericht überzeugt das nicht. „Die Mengen, die Sie gekauft haben, sind wahnsinnig hoch“, sagt Eva-Maria Grosse zu dem Angeklagten. Ein früherer Warnschuss-arrest habe ihn „einen feuchten Kehricht“ interessiert. Dass er lange brauchte, bis er seine Therapie antrat, und danach entgegen dem Rat des Bewährungshelfers nach Hause zurückkehrte, kommt beim Gericht ebenfalls nicht gut an. Grosse: „Das zeigt, dass Sie’s immer noch nicht kapiert haben.“

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