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Geschichte

01.07.2018

40 Jahre nach der kommunalen Zeitenwende

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Diese Postkarte Anfang der 70er Jahre zeigt Hollenbach, damals noch als Teil des selbstständigen Landkreises Aichach. 1971 bildet sich die heutige Gemeinde Hollenbach durch den Zusammenschluss mit Motzenhofen, Schönbach, Mainbach und Igenhausen. 1972 entstand dann der neue Landkreis Aichach-Friedberg.
Bild: Repro: Foto Rehle

1978 war die Gemeindegebietsreform im Kreis Aichach-Friedberg eigentlich abgeschlossen. Was hat es gebracht?

Stätzling, Bachern, Wessiszell? Eigenständige Orte mit eigenem Bürgermeister. Anwalting? Ein Teil von Friedberg. Hollenbach? Hatte keine Ortsteile. Vor 1970 sahen die Landkarten noch anders aus. Die Gemeindegebietsreform hat die Struktur des Landkreises Aichach-Friedberg umgekrempelt: Von 1970 bis 1978 schlossen sich im Zuge der Gemeindegebietsreform alle selbstständigen kleinen Gemeinden im Landkreis zu größeren Einheiten zusammen.

Albert Kling begann mit dem Abschluss der Umstrukturierungen sein Amt als Bürgermeister der nun deutlich größeren Stadt Friedberg. „Vor den Eingemeindungen war die Verwaltung ziemlich chaotisch“, erinnert er sich. „Und auch sonst brachte die Reform viele Fortschritte. Die Feuerwehren in den Ortsteilen bekamen je ein richtiges Einsatzfahrzeug von der Stadt, sie hatten bisher meist Traktoren benutzt. Außerdem gab es einen Bauhof, der auch wirklich funktionierte, und viele andere Dinge wurden vereinfacht und verbessert.“

Dass nicht alle Einwohner der kleinen Gemeinden begeistert davon waren, dass ihr Heimatort seine Selbstständigkeit verlor oder gar aufgelöst wurde, ist nicht überraschend. Vor allem die Stätzlinger waren sehr gegen ihre Eingemeindung. „Sie klagten gegen die Stadt Friedberg und wollten wieder eigenständig werden. Den Verwaltungsgerichtshof in München konnten sie aber nicht überzeugen“, erinnert Kling sich.

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In den 24 Jahren seiner Amtszeit konnte der jetzige Altbürgermeister beobachten, wie die zunächst ungewohnten Verhältnisse in der größeren Stadt langsam zur Normalität wurden. „Anfangs gab es wahnsinnig viel zu tun, um die Einwohner von der Gebietsreform zu überzeugen, doch schließlich waren alle zufrieden“, resümiert er.

Friedberg bekam in der Zeit der Grenzveränderungen regen Zuwachs: 1970 wurde Wiffertshausen eingegliedert, 1974 Paar und der Großteil von Harthausen. 1978 kamen dann noch Ottmaring und Rederzhausen hinzu. Beinahe hätten sich Derching, Stätzling und Wulfertshausen zusammengeschlossen, gliederten sich aber schließlich 1978 ebenfalls an Friedberg an.

Weitaus friedlicher ging die Reform in Dasing und den umgebenden Orten vor sich. Willi Guggenmoos war damals in Dasing Bürgermeister. „Der ganze Aufwand geschah vor allem, um die Verwaltung zu modernisieren“, erklärt er rückblickend. „Es ist heute kaum noch vorstellbar, aber früher hatten die kleinen Orte alle ihre eigene Verwaltung, ihren eigenen Bürgermeister. Wessiszell beispielsweise war eigenständig – hatte aber nur etwa 125 Einwohner. Dort, wie in den anderen kleinen Orten auch, war das Bürgermeisteramt ehrenamtlich. Natürlich gab es kein Rathaus, die öffentlichen Geschäfte wurden im Wohnzimmer des Bürgermeisters erledigt. Die Gemeindeverwaltung geschah am Esstisch“, erzählt Guggenmoos. Dass unter solchen Rahmenbedingungen in den Orten immer wieder Beschlüsse gefasst wurden, die juristisch nicht haltbar waren und später von anderer Stelle wieder einkassiert wurden, ist nicht verwunderlich. Eine professionelle Verwaltung gab es eben nicht. Guggenmoos war anfangs noch ehrenamtlicher Bürgermeister und wurde nach der Gebietsreform wiedergewählt. Seitdem übte er das Amt hauptberuflich aus. Nun gab es mehr zu tun: 1972 wurden Rieden, Wessiszell, Laimering und Taiting eingegliedert, 1974 ein kleiner Teil von Harthausen. 1976 folgte ein Teil von Burgadelzhausen.

Im Gegensatz zu anderen Gebieten des Landkreises war in Dasing die Stimmung aber von Anfang an freundschaftlich: „Schon vor Beginn der Gebietsreform hatten wir Dasinger mit Laimering, Rieden und Taiting einen Schulverband gegründet. Wir bauten eine gemeinsame Schule, die die kleinen Dorfschulen ablöste. Vorher wurden zum Teil sieben Jahrgangsstufen im selben Klassenzimmer unterrichtet. Weil diese Zusammenarbeit sehr gut für alle Beteiligten war, gab es nur wenige Vorbehalte dagegen, nun auch eine gemeinsame Verwaltung einzuführen, wie sie die Gebietsreform mit sich brachte.“ Reinhard Pachner war Stadtrat der ersten Stunde im neu gestalteten Friedberg. Wenn er an die Gemeindegebietsreform zurückdenkt, hat er vor allem die Aufgaben vor Augen, die die Stadt Friedberg seitdem übernehmen musste. „Derching hatte eine Kläranlage für den Norden, Ottmaring eine für den Süden. Die mussten in ein gemeinsames Kanalisationssystem integriert werden. Außerdem musste die Stadt auf einmal rund 120 Kilometer Straßen verwalten und instandhalten. Immer hatte die Stadtverwaltung darauf zu achten, was die Ortsteile brauchten, denn der Vorwurf ‚Wir kriegen nichts, die Stadt kümmert sich nur um sich selbst!‘ stand schnell im Raum.“

Doch schließlich profitierten alle Seiten von den Eingemeindungen und Zusammenlegungen, meinen die Politiker. „Die frisch gebackenen Ortsteile profitierten in vielen Dingen. Zum Beispiel gab es dort vorher kaum Kindergärten und nur schlechte Schulen. Und Friedberg, Aichach und Dasing freuten sich natürlich über die größeren Einwohnerzahlen, die mehr staatliche Förderung und mehr Einfluss bedeuteten.“ Zudem wurden die Kommunen für die Umstrukturierungen finanziell vom Staat unterstützt.

Ihren Abschluss fand die Gebietsreform im Wittelsbacher Land eigentlich nicht vor 40 Jahren, sondern deutlich später – und zwar 1994. Damals schloss sich nämlich das „Rebellendorf“ Baar nach 16-jährigem Unabhängigkeitskampf gegen die Eingemeindung nach Thierhaupten und wiedererlangter Selbstständigkeit dem Landkreis als 24. Gemeinde an. (mit cli)

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