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Prozess in Aichach

16.07.2020

58-Jähriger vor Gericht: Die Frau ist weg – und der Führerschein auch

Ein 58-Jähriger muss seinen Führerschein abgeben.
Bild: Symbolfoto Oliver Berg/dpa

Plus Ein 58-Jähriger zerrt nach einem Streit seine 53-jährige Freundin aus dem Auto und verletzt sie. Vor Gericht gibt es die Quittung.

Zuerst stritten sie sich, dann zerrte ein heute 58-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis seine damalige Freundin im Oktober 2018 an einer Tankstelle aus dem Auto. Als die Polizei dazukam, stellte sie fest, dass der 58-Jährige nicht nur alkoholisiert Auto gefahren war, sondern gegen ihn auch Fahrverbote verhängt waren. Er stand deshalb jetzt wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Aichacher Amtsgericht.

Der Angeklagte gab sich vor Gericht eher einsilbig. Zu dem Vorfall an der Tankstelle wollte er sich nicht äußern. Seine damalige Freundin, eine 53-Jährige aus Augsburg, schilderte dem Gericht dafür umso lebhafter, wie der Streit immer weiter eskalierte. Begonnen hatte es schon während der Autofahrt. Dann fuhr der 58-Jährige an einer Tankstelle raus, um sich ein Bier zu kaufen und es auch gleich zu trinken. Vorwürfe der 53-Jährigen, dass er nicht trinken und fahren könne, machten ihn scheinbar wütend.

Er zerrte seine Freundin aus dem Auto

Während sie sich wieder auf die Beifahrerseite setzte, öffnete er die Tür und zerrte sie aus dem Auto. Und das scheinbar so rabiat, dass er ihre Bluse zerriss und sie auf den Boden stürzte. Dabei zog sie sich eine blutende Schürfwunde am linken Ellenbogen zu. Als der 58-Jährige sich dann hinters Steuer setzte und ohne sie losfahren wollte, sprang die erboste Freundin auf die Motorhaube und versuchte erfolglos, ihn am Wegfahren zu hindern.

58-Jähriger vor Gericht: Die Frau ist weg – und der Führerschein auch

Ihre Tasche und ihr Handy seien noch im Auto gewesen, sagte sie vor Gericht aus. „Leute an der Tankstelle“ hätten für sie ein Taxi gerufen, damit sie heimkam. Entschuldigt hatte sich der Angeklagte bis jetzt noch nicht bei seiner Ex-Freundin. Im Gericht holt er das nach, ergänzte aber, dass sich seiner Meinung nach die 53-Jährige auch bei ihm entschuldigen müsste. Sie hatte bei dem Streit sein Auto zerkratzt. Der Angeklagte sagte: „Ich entschuldige mich für die Körperverletzung, aber ich hatte in dem Moment Angst um mein Auto.“

Trotz Fahrverbots war er mit dem Auto unterwegs

Den beiden Verteidigern, Maziej Pazur und Thomas Bednarz, war es wichtig, zwischen den beiden Ex-Partnern Frieden herzustellen. Nach Rücksprache mit Richterin Anna-Maria Kraus und Maximilian Dauer von der Staatsanwaltschaft stellte das Gericht die Anklage wegen Körperverletzung vorläufig ein. Im Gegenzug verzichtete der 58-Jährige darauf, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Im Herbst steht allerdings noch eine Gerichtsverhandlung an, weil der 58-Jährige seine Ex-Freundin geschlagen haben soll. Was der Angeklagte sofort einräumte, war, dass er trotz Fahrverbot Auto gefahren war.

Nachdem er 2017 und Anfang 2018 zweimal mit Alkohol am Steuer erwischt worden war, hatte er Strafe zahlen müssen und insgesamt vier Monate Fahrverbot bekommen. Seinen Führerschein hatte er jedoch nie abgegeben, das Fahrverbot also nicht angetreten. Verteidiger Pazur begründete das mit einem Missverständnis. Sein Mandant sei davon ausgegangen, dass die Fahrverbote automatisch beendet seien. Pazur sprach sich für eine geringere Geldstrafe aus. Ein Fahrverbot sei nicht erforderlich, meinte er. Bednarz hielt eine Tagessatzhöhe von 35 Euro für ausreichend.

Gegen ihn spricht, dass er betrunken Auto gefahren ist

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft wertete das Geständnis des 58-Jährigen zu seinen Gunsten. Die Alkoholfahrt sprach allerdings gegen ihn. Dauer plädierte für eine Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen zu je 45 Euro (2025 Euro) sowie drei Monate Fahrverbot.

Das Gericht wertete zugunsten des Angeklagten, dass der Vorfall bereits zwei Jahre zurückliegt. Die Alkoholkonzentration liege knapp unter der absoluten Fahruntauglichkeit, sagte Richterin Kraus. Die Polizei hatte bei dem Angeklagten rund 0,8 Promille festgestellt. Kraus verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 40 Euro (1800 Euro) sowie einem zweimonatigen Fahrverbot.

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