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Aichach

13.05.2020

75 Jahre Kriegsende: Fliegerangriffe fordern Todesopfer

Einmarsch der Amerikaner in Aichach. Dieses Foto dürfte die zweite Welle des Einmarsches zeigen und entstand wahrscheinlich am 30. April 1945.
Bild: Repro: Erich Echter

Während die Stadt Aichach im Zweiten Weltkrieg von der Zerstörung verschont blieb, war die Bahnlinie Aichach–Ingolstadt immer wieder Ziel von Beschuss.

Dass es mit dem „Tausendjährigen Reich“ zu Ende gehen werde, zeichnete sich im damaligen Landkreis Aichach bereits im November 1944 ab. Die Bevölkerung bekam zu spüren, was der „totale Krieg“ bedeutete, zu dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 aufgerufen hatte. Ein Bombenfund 1996 auf Ecknacher Flur, unweit der Bahnlinie, zeugt von der Heftigkeit der Angriffe, besonders auf die Bahnlinie zwischen Augsburg und Ingolstadt. Beim Ausbau der Bundesstraße 300 wurden sogar Teile von Flugzeugen gefunden.

Die gesamte Bahnlinie Augsburg – Ingolstadt war am 31. November 1944 ständigem Bordwaffenbeschuss und zum Teil auch Bombenangriffen ausgesetzt. Zwei amerikanische Flugzeugtypen, die B-25 Mitchell und die B-26 Maurader operierten im Raum Aichach, wie aus dem Bombenfund analysiert werden kann. Als Erstes wurden der Obergriesbacher Bahnhof und der Zug mit der Nr. 38/14 mit Bordwaffen angegriffen. Weitere schwere Fliegerangriffe sind in den Monaten Februar und April 1945 zu verzeichnen.

Die Sprengung der Paarbrücke bei der Aktienmühle wird vorbereitet. Beherzte Aichacher entfernten Sprengsätze und Zünder in einem unbeobachteten Moment und warfen sie in die Paar.

Angegriffen wurde am 22. Februar 1945 der Zug 13/02 bei Kilometer 33,2 zwischen Hörzhausen (Stadt Schrobenhausen) und Radersdorf (Markt Kühbach) mit Bordwaffen. Sieben Menschen fanden den Tod, fünf wurden schwer und sechs leicht verletzt. Ein weiterer Angriff am gleichen Tag auf den Aichacher Bahnhof forderte drei Tote. Weiteren Angriffe auf Züge und Bahnhöfe im Raum Aichach:

23. Februar 1945

  • Bahnlinie Hörzhausen–Radersdorf: Der Zug 13/02 wurde von Flugzeugen mit Bordwaffen angegriffen bei Kilometer 31,9. Beschädigt wurde dabei die Lokomotive. Verletzt wurden vier Personen leicht und eine schwer.
  • Bahnhof Aichach: Bordwaffenangriff am Aichacher Bahnhof auf den einfahrenden Lazarettzug 92/831. Dabei wurde die Lokomotive zerschossen. Eine Person wurde getötet und sechs weitere verletzt.

25. Februar 1945

  • Bahnlinie Hörzhausen–Radersdorf: Angriff auf den Zug 92/82 mit Bordwaffen, Lokomotive zerschossen.

10. April 1945

  • Obergriesbach: Bordwaffenangriff auf den Zug 92/81.

11. April 1945

  • Bahnlinie AichachObergriesbach: Bordwaffenangriff auf den Zug P13/05 bei Kilometer 45.

21. April 1945

  • Sielenbach-Tödtenried: Jagdbomber-Angriff. Zwei Frauen sterben.

22. April 1945

  • Bahnhof Aichach: Bordwaffenangriff, der drei Tote forderte.
  • Obergriesbach: Schwerer Angriff auf den Obergriesbacher Bahnhof mit Bordwaffe und Abwurf von Sprengbomben auf den Zug P 38/02. Sechs Waggons brannten aus und die Lokomotive wurde zerstört. Dabei starb eine Person. Schwer verletzt wurden der Lokführer und drei Reisende.

23. April 1945

  • AugsburgIngolstadt: Der Lazarettzug 92/842 wird mit Bordwaffen angegriffen. Schwer beschädigt wurde die Lokomotive, ein Eisenbahner wurde schwer, ein Fahrgast leicht verletzt.

25. April 1945

  • Aichach-Sulzbach: Bordwaffenangriff auf einen Zug. Dabei kamen zwei Personen zu Tote.

Neben den bereits aufgeführten Flugzeugtypen waren auch P-38 Lightning – Lockheed Maschinen – und der einmotorige Jäger P-51-D Mustang im Einsatz. Ausgerüstet war der Mustang mit sechs Maschinengewehren und zwei 227-Kilogramm-Bomben oder 75-Millimeter-Raketen.

Rückzug der Wehrmacht vor den anrückenden Amerikanern: Fotografiert in Klingen am Vormittag des 28. April. Im Hintergrund ist die alte Schule zu sehen.
Bild: Repro: Erich Echter

Bei ihren Angriffen auf deutsche Züge mussten die Kampfflugzeuge gegen heftiges Abwehrfeuer ankämpfen und bei riskanten Ausweichmanövern warf so mancher seine Bombe vorzeitig ab. Einige fielen oder lösten sich ungewollt aus ihren Schächten und Verankerungen. Die weichen Böden an der Paar dürften bei manchen Sprengbomben, sollten dort noch welche liegen, die Detonation verhindert haben.

Die Bombe auf Ecknacher Flur explodierte nicht

Warum die Bombe, die man 1996 auf Ecknacher Flur beim heutigen OBI fand, nicht explodierte, dürfte einen anderen Grund haben. Beim Einschrauben des Zünders wurde einer der beiden Quecksilberzünder vergessen – oder absichtlich nicht moniert? Saboteure gab es auch auf amerikanischer Seite.

Waffenabgabe nach dem Zweiten Weltkrieg in Aichach - fotografisch festgehalten von US-Soldaten.
Bild: Repro Erich Echter

Die Kriegsjahre hat die Kleinstadt Aichach gut überstanden. Es fielen keine Bomben auf die Stadt, aber an den Begleiterscheinungen des Krieges hat sie gelitten. Der letzte Tag der NS-Herrschaft in Aichach war der 28. April. Am 29.April wehte bereits das Sternenbanner am Stadtplatz und das „Tausendjährige Reich“ verschwand nach nur zwölf Jahren. Ein Reich, das auf Gewalt und Denunziation setzte, das freie Wahlen verhinderte und die Menschenrechte abgeschafft hatte.

Quelle: Archiv der Bundesluftwaffe, Flugplatz Zell bei Neuburg - Akte Oberkommando der Wehrmacht

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