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Pöttmes

26.05.2020

Abschied vom Rathaus bringt neue Freiheiten für Schindele

Zwölf Jahre lang war dieser Schreibtisch im Pöttmeser Rathaus der Arbeitsplatz von Franz Schindele.
Bild: Nicole Simüller

Plus Zwölf Jahre war Franz Schindele Bürgermeister in Pöttmes. Wie der Altbürgermeister auf seine Amtszeit zurückblickt und was er jetzt am meisten genießt.

Sie waren zum Teil Jahrzehnte im Amt und haben ihre Gemeinden geprägt. Zum 1. Mai haben gleich zehn von 16 Bürgermeistern im Aichacher Land aufgehört. In einer Serie verabschieden wir die langjährigen Bürgermeister und erkundigen uns, wie ihre Nachfolger die ersten Tage im Amt erlebt haben:

Sogar Franz Schindeles letzter Arbeitstag als Pöttmeser Bürgermeister Ende April war durchgetaktet. So war es immer in den vergangenen zwölf Jahren, meist sechs Tage die Woche, auch abends. Urlaub nahm Schindele nur, wenn die Termine es zuließen. All das ist jetzt vorbei und der 63-Jährige genießt es: „Das Schönste ist, dass ich nicht mehr so verplant bin.“

Nun habe er mehr Zeit für seine zwei Enkel, auch wenn die Corona-Pandemie manches noch nicht zulässt. „Ich kann mich familiär wieder stärker einbringen und in Ruhe den Garten auf Vordermann bringen“, sagt der Garten- und Landschaftsbautechniker, der vor seiner Zeit als Bürgermeister im Amt für Grünordnung der Stadt Augsburg arbeitete. Dort war er als Leiter eines Teams verantwortlich für die Grünanlagen. Bei der Stadt Augsburg hätte er wieder einsteigen können, doch das wollte er für die kurze Zeit bis zur Pension nicht mehr.

Das Bürgermeisteramt in Pöttmes war kräftezehrend

Nicht für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, sei „der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt“ gewesen, sagt Schindele. Wieder anzutreten und einfach langsamer zu machen, wie es ihm mancher Weggefährte riet, kam für ihn nicht infrage. „Halb geht bei mir nicht“, sagt er.

So gern und leidenschaftlich er sein Amt ausgeübt habe, so kräftezehrend sei es doch gewesen. Zu den vielen Terminen und der großen Verantwortung kamen eigene Ansprüche, politische Erwartungen sowie Anforderungen in Beruf und Familie: „Für einen Bürgermeister ist die Zeit immer zu knapp.“ Manches Problem habe er gedanklich nach Hause mitgenommen.

Auch seine Frau Barbara freut sich jetzt über das neue Leben. „Sie findet es klasse“, sagt Schindele. Er fühlt sich wohl zwischen Familie, Haushalt und Garten – und ist froh, dass ihm das bei guter Gesundheit vergönnt ist. Am Wahltag sei viel Spannung von ihm abgefallen, erzählt er. Heute sagt er: „Ich bin zufrieden mit meiner Arbeit. Ich habe das Bestmögliche gegeben.“

Das wichtigste war für Schindele das "Wir-Gefühl"

Auf die Frage, was für ihn die wichtigsten Vorhaben gewesen seien, nennt er als Erstes das „Wir-Gefühl“, das mit Verwaltung, Gemeinderat und Bevölkerung entstanden sei. Große Projekte, wie sie in Pöttmes anstanden, seien „nur aus dieser Stärke heraus“ möglich gewesen. Schindele nennt den unter seinem Vorgänger begonnenen Umbau von Marktplatz und Rathaus samt Gastronomie, der viel zum Selbstwertgefühl der Bevölkerung beigetragen habe. Er erinnert an den Bau neuer Geh- und Radwege, die Ortsdurchfahrten in Pöttmes und Wiesenbach, den Ausbau der Dorfmitte in Echsheim, den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, die Ansiedlung der Wirtschaftsschule sowie die Sicherung und den Ausbau des Caritas-Pflegezentrums St. Hildegard. Zudem seien der Kauf und die Erschließung vieler Bauplätze, die Erweiterung des Gewerbegebiets und der Bau des Ärztehauses wichtige Projekte für die Gemeinde gewesen.

Aber auch der Blick über die Gemeindegrenzen hinaus war dem Altbürgermeister ein Herzensanliegen. Etwa als viele Geflüchtete dank eines regen Asylkreises sowie der Akzeptanz in Gemeinderat und Bevölkerung viel Unterstützung und eine neue Bleibe in Pöttmes fanden.

So war Schindeles letzter Arbeitstag als Bürgermeister in Pöttmes

2008 war Schindele (Bürgerblock) als Bürgermeisterkandidat gegen Amtsinhaber Johann Schmuttermeier (CWG) und Sissi Veit-Wiedemann ( CSU) angetreten. Er gewann die Stichwahl gegen Schmuttermeier. 2014 wurde er mit 97 Prozent im Amt bestätigt. Auch in den nächsten sechs Jahren will er der Politik treu bleiben: Als Gemeinderat, der das zweitbeste Ergebnis aller Ratsmitglieder einfuhr, und als Kreisrat für die Unabhängigen. „Ich war seit meiner Jugend politisch.“ Er wolle weiter seine Erfahrung einbringen, wenn auch nicht mehr in der ersten Reihe.

Noch vor seinem Dienstende als Bürgermeister regelte er die Übergabe mit seinem Nachfolger Mirko Ketz (CSU). Am letzten Arbeitstag erwarteten ihn auf dem Marktplatz und in seinem Büro unzählige handgeschriebene Wimpel, teils auch aus der französischen Partnergemeinde La Haye-Pesnel. Die Mitarbeiter sangen ein von den Kitaleiterinnen getextetes Abschiedslied. „Das war emotional“, sagt Schindele. „Man merkt, man verlässt etwas. Aber man freut sich auf die neue Zeit.“

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Schindeles Nachfolger: Mirko Ketz fühlt sich wohl im Amt

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