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27.06.2017

Abschiedsspiel beim TSV Rehling für C-Jugendspieler

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Zum Abschied schenkten die Spieler des BC Aichach Emeka (Name von der Redaktion geändert) einen Lederball mit Unterschriften aller Spieler und Trainer, verbunden mit den besten Wünschen für seine Zukunft in Italien. Deutschalnd verlassen.
Bild: Josef Abt

13-jähriger Nigerianer muss mit seiner Familie Deutschland verlassen. Ihre Asylanträge sind abgelehnt. In der letzten Partie für Rehling schießt er zwei Tore.

In der Regel gibt es im Fußball Abschiedsspiele, wenn bekannte Größen ihren Rücktritt vom Profifußball verkünden. In Rehling gab es nun ein Abschiedsspiel für einen 13-Jährigen. Der TSV Rehling hat es kurzfristig organisiert für C-Jugendspieler Emeka (* Name von der Redaktion geändert), der zusammen mit seiner Schwester und seiner Mutter Deutschland verlassen muss. Nachdem die Asylanträge der Familie abgelehnt wurden, müssen sie zurück nach Italien, wo die Familie bereits einige Jahre gelebt hat (wir berichteten am Freitag auf der Seite „Region Augsburg“).

Das Abschiedsspiel war eine spontane Entscheidung der C-Jugend-Trainer, an der Spitze Hubert Hohenbichler. Er kann nicht verstehen, dass der talentierte Nachwuchsfußballer abgeschoben wird. Der große, schlaksig wirkende Bub ist in Italien geboren, seine Familie stammt aus Nigeria. In der Rehlinger Fußballjugend ist er bei seinen Altersgenossen sehr beliebt und ein wichtiger Spieler. Meist agiert er als Torwart, doch wegen seiner Schnelligkeit ist er auch ein brandgefährlicher Stürmer, was er am Freitagabend eindrucksvoll zeigte.

Zum Abschiedsspiel für Emeka wurde die C-Jugend des BC Aichach eingeladen, die sich spontan dazu bereit erklärte. Für den Aichacher Trainer Manfred Nittka war dies selbstverständlich, wie er sagte. Er hatte Emeka und dessen fußballerisches Talent schon im Punktspiel der laufenden Saison beim direkten Aufeinandertreffen bewundert. Auch er sagte, er könne nicht nachvollziehen, wie man einen solchen, inzwischen voll integrierten Jugendlichen aus allem herausreißt, was ihm lieb geworden ist.

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Das Spiel selbst war für den nigerianischen Jugendlichen dann noch einmal ein sehr positives Erlebnis. Nicht nur, dass er mit seinem Team mit 4:2 gegen die Aichacher Altersgenossen einen verdienten Sieg landete, er selbst schoss zwei sehenswerte Tore in der Schlussphase, als er von der Torhüter- in die Stürmerposition wechselte. Lange war das Spiel ausgeglichen. Rehling war im ersten Abschnitt optisch überlegen, konnte daraus aber kein Kapital schlagen. Erst zum Ende der ersten Halbzeit schaffte Natan Puttagamon den längst verdienten Führungstreffer. Wenig später baute Timo Stolz die Führung mit einem satten 16-Meter-Schuss auf 2:0 aus. Fast mit dem Pausenpfiff des Unparteiischen Thomas Nöbel nutzte Adnan Bulurcu eine große Unsicherheit in der Rehlinger Deckung und schaffte den Anschlusstreffer für den BCA. Mit dem 2:1 wurden dann die Seiten gewechselt.

In der zweiten Halbzeit wurde Aichach stärker. Nur wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff gelang Felix Rieger der 2:2-Ausgleich. Nun wurden die Gäste immer stärker und hatten die eine oder andere Tormöglichkeit, doch auch sie vergaben zu viele Chancen. Dann, zehn Minuten vor Schluss, schickten die Rehlinger Trainer Emeka vom Tor in den Sturm und sofort zeigte er, dass er auch als Feldspieler mit dem Ball umgehen kann. Er erkämpfte sich das Leder und schoss überlegt zur 3:2-Führung für sein Team ein. Fast eine Kopie war das 4:2, als wiederum der wieselflinke und ballsichere Emeka den Ball bekam. Er zog auf und davon und wieder zappelte der Ball im Aichacher Tor. Der Doppeltorschütze, der sich auf diese Art selbst ein schönes Abschiedsgeschenk gemacht hat, wurde gefeiert. Gleich darauf war Schluss. Eine schöne Geste kam von den Aichacher Spielern. Alle gratulierten Emeka und schenkten ihm einen Lederball mit den Unterschriften aller Spieler und Trainer, verbunden mit den besten Wünschen für seine noch ungewisse Zukunft in Italien. In Rehling wird die Jugendleitung wohl noch lange um dieses Talent trauern, das nicht nur sportlich, sondern auch kameradschaftlich eine Lücke hinterlässt. Davon zeugte am Spielfeldrand ein übergroßes Plakat, auf dem zu lesen stand: „Wir wollen, dass Emeka bleibt …“

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