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Aichach: Diskussion über Förderschulen

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Kommentar Von Christian Lichtenstern
01.05.2018

Nach einer Äußerung von Kreisrätin Magdalena Federlin wird viel debattiert. Was ist von einer Radikallösung zu halten?

Radikale Verfechter der Inklusion sind dafür, dass jeder Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf eine Regelschule besuchen sollte. Förderschulen sind in ihren Augen deshalb überflüssig. Kreisrätin Magdalena Federlin ist eine Anhängerin dieser These. Sie zieht es auch konsequent und manchmal penetrant durch und vertritt ihre Meinung mit Nachdruck und bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Manchmal meldet sie sich damit auch zu Wort, wenn es nur im Entferntesten um dieses Thema geht. Viele in den Gremien, in denen die Kommunalpolitikerin der Grünen aus Aichach sitzt, hören dann gar nicht mehr hin. Bei der jüngsten Diskussion im Sozialausschuss des Kreistags ging es explizit um das Thema, nämlich den Neubau des Friedberger Förderzentrums, und viele Menschen haben offenbar ganz genau hingehört, was Federlin dazu zu sagen hat. Ihre Ablehnung des Projekts mit der Begründung, Förderschulen würden das Menschenrecht verletzen, hat jetzt offenbar viele aufgerüttelt. Selten erreichen unsere Redaktion bei einem Thema so viele Leserbriefe, die ohne Polemik, sachlich und mit Argumenten dagegen Stellung beziehen. Magdalena Federlin hat auch Argumente für ihre Meinung beim Thema Inklusion – man muss sie aber nicht teilen.

Die Extrem-Gegner ihrer Thesen sind gegen die Inklusion, weil sie fürchten, dass Kinder mit Förderbedarf in einer „normalen“ Klasse untergehen. Und weil sie glauben, andere Schüler könnten zu kurz kommen, weil der Förderschüler zu viel Aufmerksamkeit beansprucht.

Beide Positionen sind nicht richtig. Wie so oft im Leben, ist der Mittelweg der beste. Förderschulen sind für viele Kinder mit körperlichen oder geistigen Defiziten der richtige und der beste Ort. Dort gibt es sonderpädagogisches Fach- und Erfahrungswissen. Und es gibt behinderte Kinder, die beim Unterricht in einer Regelschule die größten Fortschritte machen und gleichzeitig ihren Mitschülern viel fürs Leben mitgeben. Der richtige Weg ist nur im Einzelfall zu entscheiden. Wir brauchen keine Radikallösungen. Wir brauchen beides, um jedem Kind gerecht zu werden.

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