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Aichach-Friedberg
25.10.2019

Illegal: Wie Müllsünder den Wald verschandeln

Zu wilden Müllablagerungen kommt es im Landkreis Aichach-Friedberg immer wieder. (Archivfoto)
Foto: Wolfgang Müller

Plus Beim Landratsamt häufen sich die Meldungen über illegale Müllablagerungen im Landkreis. Wie viele Täter überführt werden.

Wer zur Erholung in den Wald geht, will die Natur genießen und die Sorgen zu Hause lassen. Die Unbeschwertheit verfliegt aber schnell, wenn Altreifen, Baumaterial, Altholz, Elektrogeräte, Farbkübel oder aufgerissene Müllsäcke in der Natur entsorgt wurden. Gerade im Wald und an Feldwegen gibt es nach Auskunft des Landratsamtes Aichach-Friedberg besonders viele illegale Müllablagerungen. Allein bei der Behörde gehen im Jahr etwa 300 Meldungen über „wilden Müll“ ein. (siehe auch Kommentar: Unberührte Natur ist kostbarer als unser Geld)

Aichach-Friedberg: Es liegt mehr Müll herum als früher

Da die Dunkelziffer sehr hoch ist, kann nicht eindeutig belegt werden, ob die Zahlen ansteigen. Aber in der Wahrnehmung vieler Bürger liegt heutzutage mehr Abfall in der Natur herum als früher. Das glauben auch die Landratsamtsmitarbeiter. Seit knapp drei Jahren gibt es bei der Behörde eine Abfall-App für Smartphones und Tablets. Diese App wird immer beliebter. Die Zugriffe haben sich seit 2017 fast verdreifacht. Das liegt zum großen Teil daran, dass die Bürger hier einen Abfuhrkalender finden, der ihnen sagt, wann welche Tonne gelernt wird. Ebenfalls beliebt ist das Abfall-ABC, das erklärt, welcher Abfall in welche Tonne muss. Seit kurzem erhält der Nutzer unter dem Punkt Abfallvermeidung praktische Tipps, wie er Ressourcen schonen kann. Über die Abfall-App kann der Bürger aber auch selbst aktiv werden und „wilden Müll“ melden. Findet er in der Natur eine illegale Müllablagerung, macht er mithilfe der App ein Foto und schickt damit den Standort, also die GPS-Daten, ans Landratsamt. Etwa ein Drittel der Müll-Meldungen gehen mittlerweile so ans Landratsamt. Die anderen Hinweise kommen per E-Mail, per Telefon oder per Post.

Landratsamt: Geht ein Hinweis ein, schaut sich ein Mitarbeiter den Müll an

Bekommt das Landratsamt einen Hinweis, schaut sich ein Mitarbeiter den Müll an und sucht zunächst nach Hinweisen auf den Täter. Es kommt immer wieder vor, dass dabei Adressaufkleber oder Ähnliches gefunden werden. Manchmal folgen noch Hinweise von außen auf den Täter. Daher kann es laut Landratsamt sein, dass der Müll einige Zeit vor Ort liegen bleibt. Wird der Verursacher gefunden, muss er aufräumen. Bei den gemeldeten Müllsünden wird jeder zehnte Täter überführt, so das Landratsamt.

Oft bleiben die Verursacher aber unentdeckt. Das bedauert Förster Rolf Banholzer, der den nordwestlichen Landkreis Aichach-Friedberg und den Stadtbereich Augsburg betreut. Da sich der Wald als ideales Versteck eignet, werden hier häufig Dinge entsorgt, die kostenpflichtig abgegeben werden müssten wie Altreifen oder Baumaterialien. „Manche wollen offenbar auch einfach ihre Tonne zu Hause nicht überbelasten“, ärgert sich Banholzer. Der Förster wundert sich auch darüber, dass immer mehr Erholungssuchende und Freizeitsportler so achtlos mit der geliebten Natur umgehen und Verpackungen von Müsliriegeln oder Kaugummis und benutzte Taschentücher wegwerfen.

Auch Richard Brandner vom Bauamt der Stadt Aichach beklagt diverse Untugenden, etwa dass Müll vor geschlossenen Wertstoffsammelstellen abgeladen wird oder sich am Wochenende die Mülleimer in der Aichacher Innenstadt mit Hausmüll füllen. Brandner schätzt, dass die Strafen für Müllsünder zu gering sind und viele zu Mehrfachtätern werden, weil das Risiko klein ist, entdeckt zu werden. Bei der Stadt Aichach werden im Jahr fünf oder sechs größere Müllablagerungen gemeldet. Meist muss dann der Bauhof aktiv werden. Liegt der Müll auf Privatgrund, ist der Grundstücksbesitzer für die Entsorgung zuständig, worüber sich die Begeisterung natürlich in Grenzen hält.

Polizei: Auch bei der Polizei gehen Meldungen ein

Das weiß auch die Aichacher Polizei. Wie Peter Löffler, stellvertretender Leiter der Inspektion berichtet, gingen in diesem und im Vorjahr aber nur vier Mitteilungen bei der Polizei ein. In diesem Jahr wurden gemeldet: Elektroschrott am Wegesrand im Aichacher Stadtteil Ecknach, Hausmüll im Unterschneitbacher Wald (Stadt Aichach), Farbkübel an der Straße bei Haslangkreit (Gemeinde Kühbach) sowie Altreifen, Felgen und eine Autobatterie im Bach bei Mühlhausen (Gemeinde Affing). Bestraft wird dabei immer die Allgemeinheit, denn oft muss sie die Entsorgung bezahlen, sagt Richard Brandner.

Lesen Sie auch: Es sollte keine Gnade für Müllsünder geben

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