Als die britische Modedesignerin Mary Quant Ende der 50er-Jahre für die Mädchen auf Londons Straßen die ersten Miniröcke schneiderte, sah die Welt noch anders aus: Die Emanzipation steckte in den Kinderschuhen, eine Auflehnung gegen das Elternhaus war kaum möglich. Im Jahr 1962 wurde der Minirock in der Zeitschrift Vogue publik gemacht und trat damit einen Siegeszug um die Welt an. Von Kritikern als „obszöner Fummel“ bezeichnet, für viele junge Frauen ein Symbol der Freiheit.
Was vor 50 Jahren galt, hat sich heute stark verändert. Gerade bei sommerlich heißen Temperaturen trifft man auf den Straßen haufenweise junge Frauen in kurzen Röcken oder Hosen. Die Trägerinnen wollen damit nicht wie in den 60ern ein gewisses Statement setzen, sondern ziehen einfach an, was modern und angesagt ist. Doch das heißt nicht, dass die Kleidung keinen Konfliktstoff mehr bietet. Nicht überall ist das, was auf den Laufstegen oder in Zeitschriften als modern bezeichnet wird auch angemessen.
So sieht das auch Stefan Düll, der stellvertretende Schulleiter des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums. „Die Schule ist keine Disco oder ein Strandbetrieb“, erklärt er. Hier hat nämlich ein Minirock, der laut Definition zehn Zentimeter über dem Knie enden muss, nichts verloren. Gerade in diesem Jahr sei es stark aufgefallen, dass viele Schülerinnen in hochsommerlicher Kleidung unterwegs waren, erzählt Düll. Ende Juni verschickte die Schule deshalb einen Elternbrief, in dem gebeten wird, die Schüler angemessen zu kleiden. Schulleiter Gerhard Haunschild betont: „Es handelt sich hier nicht um eine Kleiderordnung, sondern lediglich um einen Hinweis.“ Sowohl der Elternbeirat, als auch die Schülersprecher hatten einstimmig dafür gestimmt. Von einigen Eltern seien bereits positive Rückmeldungen gekommen, berichten die beiden Schulleiter.
Es ist nicht genau festgelegt, was getragen werden darf, und was nicht. Hier wird von der Schulleitung an den gesunden Menschenverstand appelliert. „Sich angemessen zu kleiden, fängt zu Hause an“, ist Haunschild der Meinung. Darunter fallen nicht nur Miniröcke und tief ausgeschnittene T-Shirts. Auch die Jungen sollten darauf achten, was sie tragen. „Lehrer wollen nicht wissen, welche Unterwäsche ihre Schüler tragen“, bringt es Düll auf den Punkt. Der Wunsch, dieses Thema anzusprechen, entstand aus dem Kollegium heraus. „Als Lehrer steht man immer in der Klasse und bekommt das jeden Tag mit“, erklärt Haunschild.