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Aichach

13.07.2019

Aichach will seine Eichen retten

Der Eichenprozessionsspinner hat sich in Aichach rasant ausgebreitet.
Bild: Marcus Merk/Symbolfoto

 Heuer waren rund 360 Bäume im Stadtgebiet vom Eichenprozessionsspinner befallen. Jetzt schaffen Stadt und Landkreis eine eigene Spritze für die Bekämpfung an

Der Eichenprozessionsspinner hatte sich in diesem Jahr im ganzen Aichacher Stadtgebiet ausgebreitet. Die Raupen hatten rund 360 Bäume im gesamten Stadtgebiet befallen, berichtete Bauamtsleiterin Carola Küspert im Aichacher Bauausschuss. Bis auf einen Baum konnten alle betroffenen Eichen erfolgreich behandelt werden, sagte sie.

Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich nicht nur um einen Baumschädling, sondern auch um einen Gesundheitsschädling, betonte Küspert. Schuld daran sind die Brennhaare der Raupen, die sich ab dem dritten Larvenstadium bilden und ein Nesselgift enthalten. Werden sie eingeatmet, kann das zu Reizungen an Mund- und Nasenschleimhäuten führen und später Bronchitis, schmerzhaften Husten und Atemnot auslösen.

Mittel ist für andere Insekten offenbar nicht giftig

Eine Baumpflegefirma aus Asbach-Bäumenheim wurde mit der Bekämpfung der Raupen beauftragt. Diese hat wie berichtet die Bäume mit dem Präparat Neem Protect gespritzt, einem Mittel, das für andere Tiere und Insekten nicht giftig ist, wie Küspert betonte. Die Raupen nehmen den Wirkstoff auf und fressen dann nicht mehr. Bei 57 Bäumen befanden sich die Raupen schon im dritten Larvenstadium, hatten also bereits die giftigen Brennhaare gebildet. Bei diesen 57 Bäumen blieb nur das Absaugen der Gespinste der Tiere. Veranschlagt waren für das Absaugen sechs Tage, die beauftragte Firma schaffte es in zwei Tagen. „Bei einem Baum hat’s nicht funktioniert“, berichtete Küspert. „Ansonsten sind wir prozessionsspinnerfrei.“ Kostenpunkt etwa 8000 Euro für das Spritzen mit und für das Absaugen der Gespinste zwischen 600 und 1000 Euro je Baum.

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Bürgermeister Klaus Habermann sagte zur Bekämpfung: „Das kostet zeit und Geld, aber ist wichtig. Es handelt sich ja um unseren Stadtbaum.“ Für Johanna Held (CSU) stand außer Frage, dass die Bekämpfung sinnvoll ist angesichts der Gefahr, die von den Tieren ausgeht. Sie fragte nach, ob die „chemische Keule“ nicht auch eine Möglichkeit wäre. Küspert bezeichnete allerdings das Absaugen in diesem Stadium als das Mittel der Wahl.

Fast alle Bäume am Wittelsbacher Weg betroffen

Schwerpunkte gebe es nicht bei dem Befall, beantwortete Küspert eine Frage von Erich Echter (CWG). Betroffen war das gesamte Stadtgebiet, darunter aber fast alle Bäume am Wittelsbacher Weg, die Schule in Griesbeckerzell und ein Kindergarten in Aichach. Richard Brandner vom Bauamt betonte, wie schwierig die Bekämpfung sei. Ein winzig kleines Gelege habe etwa 200 Eier und die Raupen seien erst zu erkennen, wenn ihre Prozession beginnt. Die Brennhaare überleben demnach acht Jahre. Wer dann mit ihnen in Kontakt komme und Symptome zeige, bringe das vielleicht gar nicht gleich in Verbindung mit den Raupen. Er betonte mit Blick auf den Landkreis und die Nachbargemeinden: „Wir müssen gemeinsam etwas tun.“

Küspert rechnet damit, dass der Eichenprozessionsspinner auch künftig auftreten wird. Mit einem eintägigen Seminar wurden zehn Bauhofmitarbeiter der Stadt und sieben aus Nachbargemeinden in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners geschult. Das Spritzen möchte die Stadt künftig gern selbst übernehmen, um nicht mehr auf die stark ausgelasteten und schwer zu bekommenden Firmen angewiesen zu sein. Dafür will sie gemeinsam mit dem Landkreis eine Spritze anschaffen. Anteil der Stadt: 15000 Euro. „Das hat sich in spätestens zwei Jahren amortisiert“, so Küspert. Kristina Kolb-Djoka (SPD) fürchtete, dass die Spritze dann im ganzen Landkreis zum Einsatz kommt und für die Stadt nicht verfügbar ist. Küspert beruhigte. Das Spritzen dauere nicht lang und die Stadt habe selbstverständlich den ersten Zugriff. Damit war der Ausschuss einverstanden. (bac)

Lesen Sie dazu auch: Aichach besprüht Eichen und So will die Stadt seine Eichen vor Raupen schützen

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