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Prozess in Augsburg

16.07.2020

Aichacher "Schubser": Warum eine 77-Jährige seitdem im Rollstuhl sitzt

Ein 52-Jähriger rempelt in Aichach Passanten an. Eine 78-Jährige verletzt sich dabei und sitzt seitdem im Rollstuhl. Der Angeklagte entschuldigt sich vor Gericht.
Bild: Elisa Glöckner (Symbolbild)

Plus Ein 52-Jähriger rempelt in Aichach Passanten an. Eine 78-Jährige verletzt sich und sitzt seitdem im Rollstuhl. Der Mann entschuldigt sich vor Gericht.

Bei der Geschädigten konnte sich der Angeklagte nicht persönlich entschuldigen, denn die 77-Jährige sitzt mittlerweile im Rollstuhl und wird in einem Pflegeheim betreut. Der 52-Jährige hatte die Rentnerin im Januar 2019 in der Aichacher Martinstraße vom Bürgersteig auf die Straße geschubst.

Mit Folgen, die Frau zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu und auch das Schulterblatt war gebrochen. Vor dem Augsburger Landgericht schilderte der Ehemann am Mittwoch den Zustand des Opfers. Bei ihm entschuldigte sich der Angeklagte über Rechtsanwalt Werner Ruisinger.

Insgesamt soll der Angeklagte in sieben Fällen Passanten völlig grundlos geschubst und teilweise beleidigt haben. Der erste Vorfall, der bei der Polizei aktenkundig ist, stammt aus dem Sommer 2017. Bereits am Montag gab der Angeklagte die Taten vor Richterin Maiko Hartmann zu.

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Prozess in Augsburg: 78-Jährige sitzt nach Schubser im Rollstuhl

In den meisten Fällen blieben die Opfer unverletzt, bei der 77-Jährigen hatte das Schubsen allerdings Folgen. Nach dem Sturz wurde sie ins Aichacher Krankenhaus auf die Intensivstation gebracht. Nach zwei Wochen konnte sie laut ihrem Mann wieder nach Hause. Damit war die Behandlung allerdings noch nicht beendet. Nachdem sie drei Monate im Krankenhaus und auf Reha verbracht hatte, konnte sie nach dem vielen Liegen nicht mehr gehen. Ein sogenannter „Spitzfuß“ – eine Fehlstellung der Füße, die das Gehen unmöglich macht – zwang die Rentnerin wohl in den Rollstuhl, wie ihre Hausärztin vor Gericht erklärte.

Schubser von Aichach: So schlecht geht es einem Opfer

Neben den körperlichen Beschwerden kamen laut ihrem Mann noch psychische hinzu: „Sie hatte Angstzustände und Schlafstörungen. Sie hat ein Trauma“, so der 79-Jährige, der sichtlich mitgenommen erklärte: „Sie hat vorher alles alleine und ohne Hilfe erledigen können. Das war hinterher nicht mehr so. Es war eine Belastung auch für mich, irgendwann ging es nicht mehr.“

Seit Mai 2019 wird die Rentnerin in einem Friedberger Pflegeheim betreut. Die Coronakrise mache es nicht einfach, sagt ihr Ehemann: „Ich darf sie kaum besuchen. Es ist eine schwierige Situation. Seit dem Sturz ist nichts mehr wie zuvor.“ Die Frau litt zwar bereits seit 2016 an Parkinson, war aber laut ihrem Ehemann noch sehr mobil: „Sie hat weder einen Gehstock noch einen Rollator gebraucht und alles selbstständig erledigt.“

Gutachter sieht Zusammenhang zwischen Tat und Verletzung

Ob das Opfer auch ohne den Sturz im Rollstuhl sitzen würde, wollte Richterin Sandra Mayer vom Sachverständigen Dr. Jan Wegener wissen. Der Fachmann hatte ein Gutachten erstellt. „Sie hatte gewisse Vorerkrankungen, die hier auch eine Rolle spielen. Ohne den Sturz wäre die Fehlstellung des Fußes wohl nicht eingetreten“, so Wegener.

Der Angeklagte verfolgte die Schilderungen im Gegensatz zum Prozessauftakt im Mai 2019 ruhig. Damals hatte er lautstark protestiert und war anschließend in Untersuchungshaft genommen worden. Seit November befindet sich der Angeklagte in psychiatrischer Behandlung im Bezirkskrankenhaus in Günzburg. Ob der Mann in der Psychiatrie untergebracht wird, entscheidet das Landgericht im weiteren Verlauf des Prozesses. Dieser wird am Montag fortgeführt.

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