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Prozess in Aichach

03.06.2019

Aichacher „Schubser“ muss vorerst in Psychiatrie

Vor dem Amtsgericht in Aichach muss sich ein 51-Jähriger verantworten, der wiederholt Passanten in Aichach beleidigt, geschubst und auch verletzt haben soll.
Foto: Symbolfoto: Christian Kirstges

Plus Im Prozess gegen den „Schubser“ von Aichach hat der Gutachter kaum Fakten für eine Beurteilung. Daher muss der Angeklagte zur Beobachtung ins Bezirkskrankenhaus.

Die Polizei musste den 51-jährigen Angeklagten zum ersten Prozesstag am Amtsgericht Aichach vor rund einer Woche daheim abholen und in Handschellen vorführen. Der wegen versuchter Körperverletzung, Beleidigung, Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung angeklagte Aichacher nannte einen simplen Grund, warum er zur Verhandlung nicht erschienen war: Er hielt sich für unschuldig. In insgesamt sieben Fällen soll er grundlos Passanten in Aichach beleidigt, geschubst und dabei verletzt haben. Eine 76-Jährige sitzt seitdem im Rollstuhl. Am Montag, am zweiten Verhandlungstag, ging es um die Frage, ob der Angeklagte schuldfähig ist. Das konnte Gutachter Peter Graske gar nicht so einfach beantworten.

Vor allem aggressiv hatte sich der 51-Jährige am ersten Verhandlungstag verhalten. Er beschwerte sich lautstark, dass man ihn unschuldig vor Gericht gezerrt habe und ging die Zeugen an, dass sie ihn angegriffen hätten und er das Opfer sei. Selbst eine Ordnungsstrafe, die Richterin Eva-Maria Kraus verhängte, bremste ihn kaum.

Angeklagter wurde laut Gutachter schon früh kriminell

Am Montag war der Angeklagte ruhiger, jedoch keinen Deut kooperativer. Sprach ihn sein Verteidiger an, drehte der Aichacher den Kopf demonstrativ weg. Auf Fragen des Gerichts reagierte er überhaupt nicht. Weil der Angeklagte sich auch geweigert hatte, mit dem Gutachter zu sprechen, hatte dieser nur sehr wenige Fakten für eine fundierte Beurteilung des 51-Jährigen.

Die wenigen Anhaltspunkte, die Graske außer dem Verhalten des Angeklagten am ersten Verhandlungstag hatte, liegen einige Jahre zurück. Damals habe die Schwester des 51-Jährigen eine Betreuung und Unterbringung angeregt, so der Psychiater. Aus Gesprächen mit ihr wusste er, dass der Angeklagte mit drei Jahren in ein Kinderheim gekommen und schon früh kriminell geworden war: Zahlreiche Wohnungseinbrüche gingen auf sein Konto, weshalb er auch eine Gefängnisstrafe absitzen musste.

Seit Gefängnisaufenthalt reagiert der Angeklagte aggressiv

Von der Schwester hatte Graske damals erfahren, dass der 51-Jährige seit dem Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt extrem misstrauisch ist, aggressiv reagiert und auch gefährlich sein kann. Ein Autounfall vor ein paar Jahren war nach Meinung der Schwester ein Suizidversuch. In der psychiatrischen Abteilung, die bei ihm Schizophrenie und Depression vermutete, hatte sich der Angeklagte auch damals schon wenig kooperativ gezeigt.

Der Psychiater war sich am Montag sicher: „Es liegt eine erhebliche psychische Störung vor.“ Darauf würden die Ängste, paranoiden Ideen und die Aggressionen des Angeklagten hinweisen. Graske vermutete eine Psychose. Dafür seien Verfolgungsängste und der Suizidversuch typisch.

Gutachter schließt Schuldunfähigkeit nicht aus

Konnte der 51-Jährige das Unrecht der Tat einsehen? Der Psychiater war der Meinung, dass der Angeklagte das konnte. Der hatte in mindestens einem Fall den Betroffenen ein „Du kannst mich ja anzeigen“ hingeworfen. Hat der Angeklagte sein Verhalten aber auch steuern können? „Die Steuerungsfähigkeit war sicher beeinträchtigt“, sagte Graske. Um das beurteilen zu können, seien Nachuntersuchungen nötig, so der Gutachter. Ebenso wie für die Frage, ob der 51-Jährige gefährlich ist. Graskes vorläufiges Fazit: „Eine Schuldunfähigkeit kann nicht ausgeschlossen werden.“

Nach langer Überlegung entschied die Richterin, die Hauptverhandlung auszusetzen. Der Angeklagte kommt in Untersuchungshaft und zur Vorbereitung eines Gutachtens für maximal sechs Wochen zur Beobachtung ins Bezirkskrankenhaus. Sobald das Gutachten vorliegt, wird das Verfahren am Amtsgericht fortgesetzt. Sollte sich herausstellen, dass der 51-Jährige im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat, ist das Amtsgericht Aichach jedoch nicht mehr zuständig. Dann müsste das Landgericht Augsburg darüber entscheiden, ob der „Schubser“ in der Psychiatrie untergebracht wird.

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