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Theater

02.04.2019

Aichacher Schüler entstauben „Schillers“ Räuber

Ohne Arbeit und Hobby kann es schnell langweilig werden.
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Ohne Arbeit und Hobby kann es schnell langweilig werden.

Die Oberstufentheatergruppe des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums hat Schillers Klassiker einstudiert. Dabei ist alles anders – und doch wieder nicht. Räuberhauptmann Karl Moor wird zu Charlotte Moor

Hervorragende Produktion des Oberstufentheaters vom Aichacher Deutschherren-Gymnasium: Die Aula wurde Schauplatz des Theaterstücks „Die Räuber“ von Marlene Skala und der Schülerin Sarah Wiedholz aus der Q11. Mit dieser modernen Adaption des Klassikers von Friedrich Schiller gelang dem Oberstufentheater der Jahrgangsstufen elf und zwölf unter der Gesamtleitung von Oberstudienrätin Silke Frauenholz-Funk eine temperamentvolle Umsetzung des klassischen Stoffes, die den Sinn des Klassikers auf unterhaltsame Weise greifbar machte.

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Räuberhauptmann Karl Moor mutiert zur charismatischen Charlotte Moor (einfach überragend: Laura te Kock), Franz wird in der modernen Version zur eifersüchtigen Schwester Franziska (eindringlich präsentiert von Laura Bachmann) und Schillers treue Amalia wird zum köstlich verklemmten Volker (Thomas Dietrich).

In Marlene Skalas Stück werden die männlichen Originalvorlagen zwar in zeitgenössische Rebellen umgewandelt, hinsichtlich krimineller Energie und Idealismus stehen sie ihren literarischen Brüdern aber in nichts nach. Mit ihrer Bande hat sich Charlotte in einer alten Fabrikhalle eingenistet. Zur Gang gehören die Materialistin Spiegel (Lioba Dietrich), die angehende Schauspielerin Nelly, die das Geschehen mit Schillertexten begleitet (grandios: Saskia Friedel), die Feministin Schwarz (Carla Holz), die Fundamentalistin Grimm (Anna Niedermayr), die Kleinkriminelle Sam (Jennifer Brindl), die durchgeknallte Computerspezialistin E.T. (Sarah Wiedholz), die frustrierte Sozialpädagogin Alice (Salome Higl) – und im Gehwägelchen die pensionierte Lehrerin Milena Gravenhorst.

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Auch die Nebenrollen sind ideal besetzt: Anika Derlath spielt Ruth, die Freundin von Charlotte, und Franziska, Beste Duman, die Kommissarin. Laura Stölzl ist eine umwerfend komische Polizistin.

Die Handlung folgt im Wesentlichen dem Original: Lotte, die ihr Ausbrechen aus der bürgerlichen Gesellschaft mittlerweile bedauert und eigentlich die Bande verlassen will, wird von ihrer eifersüchtigen und intriganten Schwester Franziska, die sich um Charlottes Freund Volker bemüht, an einer Rückkehr durch gefälschte Briefe an ihren Vater Maximilian Moor (in seiner Eigensüchtigkeit überzeugend dargestellt von Dawid Walecki) gehindert. Daraufhin schwört Charlotte endgültig ihren familiären Bindungen ab und wendet sich ganz dem illegalen Leben am Rand der Gesellschaft zu.

So unterschiedlich die jungen Leute um Charlotte allerdings sind, so unterschiedlich sind auch ihre Beweggründe, sich in dieser Bande zusammenzuschließen. Das führt bald zu existenziellen Interessenskonflikten und bringt die ganze Bande in eine ausweglose Situation.

Hier prallen die Charaktere aufeinander – alles kommentiert von der Schauspielerin Nelly, die stets Reclam-Hefte mit sich herumschleppt und auf Schritt und Tritt Schillers Sprachschätze rezitiert. Als Charlotte gehen will, fühlen sich alle im Stich gelassen. Ein gemeinsamer Coup, dem die Guten nur zustimmen, weil sie sich ausmalen, was sie mit dem Geld alles tun können, soll die Bande zusammenhalten. Doch die Situation eskaliert, und im Räuberlager entbrennt ein Machtkampf zwischen Geldgier, Gewalt und egoistischem Heldentum.

Unter der Leitung von Silke Frauenholz-Funk setzt das Oberstufentheater das äußerst anspruchsvolle Stück mit einer unglaublichen Spielfreude um und präsentiert es einem begeisterten Publikum. Die professionell wirkenden Schauspieler beherrschen ihre schwierigen Textpassagen bravourös und glänzen mit perfekt vorgetragenen Einsätzen.

Mit dem Theaterstück präsentierte Frauenholz-Funk dem Publikum zugleich das Ergebnis eines harmonischen Zusammenspiels verschiedener Bereiche: Neben dem Theater hatten die Schüler der Technik-AG Gelegenheit, ihre Fertigkeiten am Mischpult und den Scheinwerfern zu zeigen. Insgesamt eine überaus gelungene Produktion, die sehr gut ankam und auch nach der Aufführung noch für lang anhaltende Begeisterung sorgte.

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